Refuna
Mehrkosten wegen Beznau-Ausfall fallen viel tiefer aus als erwartet

Nach dem Ausfall von Block 1 des AKW Beznau sind die Mehrkosten für die Regionale Fernwäre Unteres Aaretal (Refuna) tiefer, als diese das ursprünglich befürchtet hatte. Sie liegen bei vier Millionen Franken. Die Kunden bezahlen davon 20 Prozent.

Hans Lüthi
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Über diese Brücke führen die Fernwärme-Leitungen der Refuna vom AKW Beznau zu den Kunden.

Über diese Brücke führen die Fernwärme-Leitungen der Refuna vom AKW Beznau zu den Kunden.

Alois Felber

Statt mit einem blauen Auge kommen die 2600 Kunden der Refuna jetzt mit einem kleinen Veilchen davon. Die Mehrkosten für das in den Reserveheizwerken verbrannte Öl halten sich in viel engeren Grenzen als noch im Spätherbst befürchtet. Die Gründe zählt der darüber erfreute Geschäftsleiter Kurt Hostettler auf: Dank dem sehr milden Winter wurde weniger Wärme benötigt, das seit Weihnachten laufende Beznau 2 hat für Refuna seither immer genügend Energie geliefert.

Mit rund 12 Prozent Anteil hat auch die Fernwärme Siggenthal ab KVA Turgi einen beachtlichen Beitrag an die Versorgung des Refuna-Netzes mit sauberer Energie geleistet. Zudem waren die Preise für Heizöl so tief wie schon lange nicht mehr. Unter dem Strich wurden statt 7 nur 5,5 Millionen Liter Heizöl verbrannt, was zu Mehrkosten von knapp 4 Millionen Franken führte.

Der Refuna-Verwaltungsrat löst seine früheren Versprechen nun ein und berappt den Hauptteil davon, mit rund 60 Prozent. 20 Prozent bezahlen die vier Ortsnetz-Gemeinden Böttstein, Döttingen, Endingen und Würenlingen, die restlichen 20 Prozent die Endkunden.

Auf das ganze Winterhalbjahr von Anfang Oktober bis Ende März berechnet werden die Mehrkosten geglättet. Sie machen generell für alle Kunden unter dem Strich nur noch 0,8 Rappen je Kilowattstunde der effektiv bezogenen Wärme aus. Die Refuna AG hat schon im Voraus beschlossen, alle Mehrkosten zwischen dem 13. August und Ende September vollständig zu übernehmen.

Rückkehr zu alten Preisen

Nach diesem einmaligen Ölzuschlag kehrt die in elf Gemeinden gelieferte Fernwärme zu den alten Preisen zurück. Im Juni kommt zwar erneut keine Abwärme aus den Kernkraftwerken Beznau, weil Block 1 noch bis etwa Ende Jahr still steht und Block 2 in die jährliche Revision geht. «Wahrscheinlich können wir dann dank Fernwärme Siggenthal ohne Heizöl fahren, weil der Verbrauch im Sommer viel geringer ist», hofft Kurt Hostettler.

Refuna-Geschäftsführer Kurt Hostettler: «Solange nicht beide Blöcke in der Beznau Strom produzieren, bleibt unsere Notfallplanung aktiv»

Refuna-Geschäftsführer Kurt Hostettler: «Solange nicht beide Blöcke in der Beznau Strom produzieren, bleibt unsere Notfallplanung aktiv»

Alex Spichale

Der Refuna-Verwaltungsrat geht weiterhin davon aus, das 140 Kilometer lange Netz werde bis gegen 2030 mit nuklearer Fernwärme beliefert. Auf die lückenlose Lieferung in den vergangenen Monaten ist das Unternehmen stolz: «Die Refuna AG hat damit die Prüfung des vorbereiteten Notfallplans mit Bravour bestanden», heisst es wörtlich in einer Mitteilung.

«Solange nicht beide Blöcke in der Beznau Strom produzieren, bleibt unsere Notfallplanung aktiv», betont Hostettler. Der technische Ausfall von Beznau 2 ist zwar wenig wahrscheinlich, aber auch nicht völlig auszuschliessen. In einem solchen Fall müssten die Reserveheizwerke im Winterhalbjahr sehr rasch die nötige Wärme ins grosse Netz liefern können.

Zudem könnte die Energiequelle aus wirtschaftlichen oder politischen Gründen vorzeitig versiegen. Bei einer Annahme der Ausstiegsinitiative der Grünen müssten die ältesten Schweizer KKW innert eines Jahres stillgelegt werden – also bis im Herbst 2017. Weil es auch bis 2030 nur noch 14 Jahre dauert, sucht Refuna nach neuen Energiequellen. Die Optionen reichen von der Geothermie über grosse Holzheizungen und Biomasse bis zu Gaskraftwerken.

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