Gesundheit
Mit Zurzacher Mineralwasser gegen Demenz und Depression

Studien über die Wirkung von Lithium lassen Patienten und den Zuribieter Mineralwasser-Anbieter hoffen.

Andreas Fretz
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Marketingvorteil dank hohem Lithiumgehalt? Das Original Zurzacher Mineralwasser erregt Aufmerksamkeit.ZVG

Marketingvorteil dank hohem Lithiumgehalt? Das Original Zurzacher Mineralwasser erregt Aufmerksamkeit.ZVG

Die Vorgänge der letzten Monate haben Hanspeter Brunner in Staunen versetzt. Zahlreiche Mails haben den Geschäftsführer der Mineralquelle Bad Zurzach AG erreicht. Eine Frage wiederholte sich immer wieder. Wo kann man das Original Zurzacher Mineralwasser beziehen? Und noch etwas erregte die Aufmerksamkeit Brunners: Artikel aus Ärztezeitungen und medizinischen Fachmagazinen. Ihr Inhalt: «Offenbar hilft lithiumhaltiges Mineralwasser gegen Alzheimer und Depressionen.»

Das Original Zurzacher Mineralwasser enthält 1,3 Milligramm Lithium pro Liter. Kein anderes Wasser der Schweiz erreicht auch nur annähernd diesen Wert.

Eigentlich ist das Zurzacher Mineralwasser etwas in Vergessenheit geraten. Aufgrund des extremen Preiskampfes ist es in den Regalen der grossen Detailhändler kaum noch zu finden. «Das Original Zurzacher Mineralwasser hat nicht mehr die Bedeutung wie vor 10 oder 15 Jahren», sagt Brunner. Wenige Millionen Liter werden heute noch pro Jahr abgefüllt. Früher war es ein Vielfaches. Selbst in den regionalen Restaurants wird es kaum mehr aufgetischt. «Die Gastronomie verlangt nach Glasflaschen, wir haben vor 15 Jahren auf eine moderne PET-Anlage umgestellt», sagt Brunner. Nur in wenigen Restaurants wie etwa dem Zurzacherhof und im Panoramarestaurant wird das einheimische Mineralwasser in Karaffen serviert.

Alzheimer-Risiko sinkt massiv

Die Mineralquelle Bad Zurzach AG konzentriert sich seit längerem auf die Abfüllung von Schorlen, Nektaren und Fruchtsäften. «Doch das Original Zurzacher Mineralwasser könnte schon bald einen Aufschwung erleben», hofft Brunner. Grund sind die Ergebnisse aus den wissenschaftlichen Studien. Im Labor und bei Tierversuchen vermindert Lithium die Bildung von Amyloid-Ablagerungen, die für Alzheimer verantwortlich gemacht werden. Bei Patienten mit bipolarer Störung, die mit Lithium behandelt worden sind, sinkt laut einer Studie das Risiko, an Alzheimer zu erkranken, um das Zehnfache. Auch unterstützt das Alkalimetall die Bildung der Myelin-Schicht in den Nervenzellen, was bei Parkinson und multipler Sklerose hilft. Eine der Studien erzielte bereits mit einer Dosierung von täglich 0,3 mg positive Ergebnisse. Bei Patienten mit Alzheimer im fortgeschrittenen Stadium hingegen brachte Lithium keine Besserung.

«Vom hohen Lithiumgehalt in unserem Mineralwasser erhoffen wir uns einen Wettbewerbs- und Marketingvorteil», sagt Brunner. Bereits hat der 53-jährige Geschäftsführer jemanden darauf angesetzt, die Artikel aus den Fachzeitschriften zu sammeln und daraus ein Factsheet zu erstellen. Weiter prüfe man ein Konzept für spezielle Absatzkanäle, «zum Beispiel einen Direktversand», sagt Brunner. Auch Alters- oder Pflegeheime könnten potenzielle Kunden sein.

Interesse stark angewachsen

Auch wenn Brunner sagt, «Mineralwasser dient in erster Linie der Flüssigkeitszufuhr», haben die Erkenntnisse der letzten Monate Schwung in die Sache gebracht: Das Interesse der Konsumenten ist seit einigen Monaten spürbar angewachsen. «Im vergangenen Herbst hat es damit angefangen, mittlerweile ist der Effekt signifikant», sagt Brunner. «Allerdings dürfen wir den Nutzen des hohen Lithiumgehalts auf den Flaschen nicht ausloben.» Sprich: Das Lebensmittelgesetz verbietet es, Werbeversprechen wie «Hilft gegen Alzheimer» auf die Etiketten zu drucken. Auch besteht für die Hersteller keine Pflicht, den Lithiumgehalt ihres Mineralwassers anzugeben. Ebenso ist das Anreichern mit Lithium oder anderen Mineralien nicht erlaubt. «Das Mineralwasser muss unbehandelt und rein direkt ab der Quelle in die Flaschen abgefüllt werden», sagt Brunner. Dennoch hat die Mineralquelle Zurzach AG auf ihrer Homepage reagiert: Auf der Startseite prangt neben einer Falsche das Logo «Lithium-Gehalt 1,3 mg pro Liter».

Im Jahr 1955 begann die Zurzacher Thermalquelle zu sprudeln. Gut möglich, dass sich 62 Jahre später ein neuer Nutzen offenbart. Auch das Thermalbad Zurzach hat das Alkalimetall entdeckt: Lithiumanwendungen wirken positiv auf die Psyche und die Lithiumbäder werden gerne als «Gute Laune Bäder» bezeichnet, steht in einer Pressemitteilung.