Koblenz
Nach Verkauf: Traditionsunternehmen Giroflex verlagert nun doch 30 Arbeitsplätze ins Ausland

Rund 30 Arbeitsplätze der Produktion sollen über einen Zeitraum von einem Jahr ausgelagert werden. Andere Bereiche dagegen sollen ausgebaut werden.

Andreas Fretz
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Im Juli 2017 wurde der Koblenzer Bürostuhlhersteller Giroflex eine Tochtergesellschaft der norwegischen Flokk-Gruppe.

Im Juli 2017 wurde der Koblenzer Bürostuhlhersteller Giroflex eine Tochtergesellschaft der norwegischen Flokk-Gruppe.

Philipp Zimmermann

Im Juli 2017 wurde der Koblenzer Bürostuhlhersteller Giroflex eine Tochtergesellschaft der norwegischen Flokk-Gruppe. Die Skandinavier übernahmen die gesamten Aktien des Schweizerischen Herstellers mit allen Gesellschaften. Der Name Giroflex indes wird als eigene Marke weitergeführt. Der Kaufpreis wurde nicht mitgeteilt. Im Jahr 2016 erwirtschaftete Giroflex einen Konzernumsatz von 45,5 Millionen Franken. Im Grenzdorf begann das Bangen: zunächst um den Standort; als dieser gesichert war, um die Arbeitsplätze.

Klar ist: Flokk ist auf Expansionskurs. Im Jahre 2017 erwarb die Gruppe neben dem Schweizerischen Marktführer aus Koblenz die beiden schwedischen Unternehmen Malmstolen (Drehstühle) und Offecct (Loungemöbel). Anfang März 2018 ergänzte die Flokk-Gruppe ihr Portfolio durch die Übernahme des grössten polnischen Bürostuhlherstellers Profim (Umsatz 2017: 103 Millionen Euro).

Im Dezember 2017 erreichte Koblenz zunächst eine gute Nachricht. Es wurde kommuniziert, dass rund drei Viertel der total 110 Arbeitsplätze erhalten bleiben. Ein Fragezeichen blieb aber hinter Teilen der Produktion mit insgesamt 70 Mitarbeitenden.

Nun teilt Giroflex in einem Communiqué mit: «Um die Marke Giroflex nachhaltig sichern zu können, werden innerhalb der Flokk-Gruppe Synergien geprüft, insbesondere eine teilweise Produktionsverlagerung ins Ausland.» Davon könnten rund 30 Arbeitsplätze am Stammsitz von Giroflex in Koblenz betroffen sein. Eine Zusammenlegung von Teilen der Produktion mit anderen Unternehmen der Flokk-Gruppe würde einfachere Produktionsabläufe und bessere Kostenstrukturen ermöglichen. «Um die Marke Giroflex nachhaltig zu sichern und zu stärken, werden diese Massnahmen unumgänglich sein», schreibt das Unternehmen.

Die 110 Mitarbeitenden in Koblenz wurden am Mittwoch über die Verlagerungspläne durch die Geschäfts- und Bereichsleitung informiert. Standortleiter Renato Hirrlinger sprach zur Belegschaft. Die Stimmung wird als sachlich beschrieben. Die Informationen bewegten sich im erwarteten Rahmen. Denn bereits zum Jahreswechsel kommunizierte das Unternehmen, dass es sich für seine Analyse drei Monate Zeit nehmen würde, bis der Entscheid über eine Verlagerung der Produktion ins Ausland fällt.

Gleichzeitig mit der Mitarbeiterinformation ist nun das offizielle Konsultationsverfahren eröffnet worden. «Alle Mitarbeitenden haben die Möglichkeit, Vorschläge für Massnahmen zur Milderung der beabsichtigten Produktionsverlagerung einzureichen», teilt das Unternehmen mit. Dieser vom Gesetz vorgeschriebene Prozess dauert drei Wochen.

Sozialplan wird erarbeitet

Weiter steht in der Mitteilung: Eine Arbeitsplatzverlagerung würde etappenweise und über einen Zeitraum von mindestens zwölf Monaten erfolgen. Ziel sei es, für die schliesslich betroffenen Mitarbeitenden geeignete Lösungen innerhalb oder ausserhalb des Unternehmens zu finden und Kündigungen möglichst zu vermeiden. Das Unternehmen wird daher Versetzungsmöglichkeiten innerhalb der Flokk-Gruppe sowie auch unter den Mitbewerbern der Branche prüfen. Daneben wird Giroflex freiwillig einen Sozialplan erarbeiten, um die wirtschaftlichen Folgen allfälliger Kündigungen infolge Arbeitsplatzverlagerung abzufedern. Die Sozialpartner sowie die Gemeinde Koblenz und das kantonale Amt für Wirtschaft wurden vorgängig informiert und in die Gespräche mit einbezogen.

Die kommenden Wochen sollen im Rahmen des Konsultationsverfahrens genutzt werden, um tragfähige Lösungen für die Mitarbeitenden zu erarbeiten. Das Bekenntnis der Flokk-Gruppe zum Traditionsunternehmen zeige sich daran, dass andere Bereiche von Giroflex in Koblenz personell verstärkt werden, etwa Verkauf und Marketing sowie das Ingenieur- und Entwicklungswesen. Auch die Endmontage bleibt in Koblenz.