Klingnau
Nun findet auch ein Gemeindearbeiter einen Sprengkörper – nahe vom Goldbarren-Fundort

Am Dienstagmorgen kam es in Klingnau erneut zu einem Fund im Fall um die Sprengkörper – es war der fünfte. Spezialisten bargen ihn und nahmen ihn mit zur Untersuchung ins Labor.

Philipp Zimmermann
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Der Roboter des Forensischen Instituts greift den Sprengkörper.
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Forensiker aus Zürich rücken wegen des Fundes nach Klingnau aus.
Neben dem Fundort befindet sich mehrere Mehrfamilienhäuser.
Der Fundort wurde weiträumig abgesperrt.
Die Polizei bat Anwohner, Fenster zu schliessen und während des Einsatzes zu Hause zu bleiben.
Der Fundort befindet sich auch nahe eines Spielplatzes, wie dieses Bild zeigt.

Der Roboter des Forensischen Instituts greift den Sprengkörper.

Leserreporter/Harry Gradischnig

Vor rund 8 Jahren fanden zwei Gemeindearbeiter von Klingnau 2,6 Kilogramm Goldbarren, als sie ein Stück Wiese neben einem Fussgängerweg mähten. Heute hat wieder ein Gemeindemitarbeiter bei solchen Unterhaltsarbeiten einen speziellen Fund gemacht, und das nur rund 100 Meter Luftlinie entfernt von der Stelle des Goldfundes.

Konkret handelt es sich diesmal um Forstwart. Er fand einen Sprengkörper im Achenbergbach. Die Meldung ging bei der Polizei um 10.30 Uhr ein. Aller Wahrscheinlichkeit handelt es sich um einen weiteren Fund im Sprengkörper-Fall von Klingnau. "Wenn tatsächlich ein Zusammenhang besteht, wird unser Bericht zum neuen Fund an die Bundesanwaltschaft übergeben", sagt Bernhard Graser, Sprecher der Kantonspolizei.

Klingnauer Goldfund

Zwei Gemeindemitarbeiter stiessen am 28. Juni 2012 auf 2,6 Kilogramm Goldbarren. Mehr zu diesem spektakulären Fund lesen Sie hier in unseren Dossier.

Die Bundesanwaltschaft führt das Strafverfahren gegen einen 43-jährigen Schweizer aus dem Ort. Er hat gestanden, die Sprengkörper hergestellt und zwei gezündet zu haben. Die weiteren will er allerdings verloren haben, wie er der AZ sagte. Zudem will er die zwei im Wald und nicht in den Reben gezündet haben.

Fundort weiträumig abgesperrt

Einmal mehr rückten Spezialisten vom Forensischen Institut in Zürich am Dienstag nach Klingnau aus: Sie bargen das Objekt mit einem Sprengstoffroboter. Nach einem zweistündigen Einsatz am Fundort an der Flüestrasse transportierten sie um 13 Uhr den Knallkörper in einem Anhänger ab und brachten ihn ins Labor nach Zürich.

"Die Polizei sperrte den Fundort weiträumig ab", erzählt ein Anwohner der AZ. "Polizisten forderten uns auf, unsere Wohnungen nicht zu verlassen und die Fenster zu schliessen. Sie informierten uns, als die Luft wieder rein war. Das lief professionell ab."

5. Juni: Die Polizei nimmt eine Hausdurchsuchung in der Klingnauer Wohnung eines Verdächtigen vor. Zuvor hatte die Polizei den Mann vorläufig festgenommen.
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Das ist der erste Sprengkörper, der in Klingnau gefunden wurde, am 26. Mai 2020.
Eine Privatperson brachte den Knallkörper zum Polizeiposten im historischen Städtchen. (Archivbild)
Der Polizeiposten wurde weiträumig abgesperrt, so auch hier an der Grabenstrasse, wo sich der Hintereingang befindet.
Die Zürcher Forensiker transportieren die Dynamitstange ins Labor. Das Bild wurde von einem Leser im Badener Schlossbergtunnel aufgenommen.
Dieser Knallkörper wurde am folgenden Tag, dem 27. Mai 2020, in Klingnau im Achenbergbach gefunden.
Eine Privatperson hatte den Fund des zweiten Sprengkörpers nahe der Kreuzung Flüestrasse/Schwändiweg gemeldet.
Die Polizei sperrte das Gebiet ab. Am nächsten Tag rückte die Polizei nochmals aus, suchte das Gebiet ab und fand einen dritten Sprengkörper.
Schon am 22. März hatte die Polizei Rückstände eines Knallkörpers in den Reben gefunden.
Die Spurensicherung rückte an jenem Sonntag an.
Im Februar und März haben in sieben Nächten neun Knallkörper nachts die Bevölkerung aufgeschreckt.
Blick vom Rebberg aufs Klingnauer Städtchen.
Das ist der vierte Sprengkörper, der in Klingnau innert einer Woche gefunden wurde. Später stellte sich allerdings heraus: Er hat nichts mit den anderen Funden zu tun.
Beim vierten Fund handelte es sich nur um Überreste einer handelsüblichen Feuerwerksrakete.
Die Sprengstoffexperten des Forensischen Instituts aus Zürich wurden jeweils wegen der Funde in Klingnau aufgeboten.
Der Sprengroboter der Forensiker röntgt jeweils die Sprengkörper.
Nach dem Röntgen macht sich ein Forensiker in Schutzmontur auf, den Blindgänger zu bergen.

5. Juni: Die Polizei nimmt eine Hausdurchsuchung in der Klingnauer Wohnung eines Verdächtigen vor. Zuvor hatte die Polizei den Mann vorläufig festgenommen.

Leserreporterin

Knalle im Februar und März

Laute Knalle in der Nacht hatten die Bevölkerung in Klingnau sowie in Nachbargemeinden während mehrerer Wochen im Februar und März aufgeschreckt. Anfang Juni hatte sich die Lage längst beruhigt, die Knalle waren schon fast wieder vergessen. Da kam es kurz nacheinander zu drei Funden von Sprengkörpern, die mit den Knallen im Zusammenhang standen. Den ersten brachte ein Bürger auf den Polizeiposten im Klingnaur Städtchen. Sogleich wurde dort ein Alarm ausgelöst. Der Polizeiposten wurde weiträumig abgesperrt. Das sorgte für grosses Aufsehen. Anfang Juli kam es zu einem weiteren, vierten Fund.

Einer der ersten drei Knallkörper wurde einige hundert Meter oberhalb vom dienstäglichen Fundort entfernt im selben Bachbett gefunden. Die Vermutung liegt deshalb nahe, dass dieser fünfte Knallkörper bachabwärts gespühlt worden ist, nachdem er vor mehreren Monaten im Bach entsorgt worden war.

Dieser Knallkörper wurde in Klingnau schon vor einigen Wochen im Achenbergbach gefunden

Dieser Knallkörper wurde in Klingnau schon vor einigen Wochen im Achenbergbach gefunden

Kapo AG

Die Bundesanwaltschaft führt das Strafverfahren wegen Gefährdung ohne verbrecherische Absicht (Fahrlässige Gefährdung). Der Strafrahmen dafür reicht von einer Busse bei leichten Fällen bis zu einer Gefängnisstrafe von fünf Jahren bei schweren Fällen. Zum Stand der Ermittlungen hat sich die Bundesanwaltschaft bisher inhaltlich nicht geäussert.

Klingnauer Goldfund von 2012:

Hier wurden 2012 die Goldbarren entdeckt: Der Fundort befindet sich an einem Fussweg zwischen Bahnlinie und Umfahrungsstrasse.
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Dieses Bild von den Goldbarren veröffentlichte die Kantonspolizei, als der Fund im Juli 2013 publik wurde.
In dieser Kuhle lag der Plastiksack mit den in Seidenpapier verpackten Goldbarren.
Nach dem Fund machte einer der Finder dieses Handybild von einem 50-Gramm-Goldbarren.
In Klingnau gab es zwei grosse Goldfunde: 2012 fanden zwei Gemeindearbeiter 2,6 Kilogramm Goldbarren, 1905 hatten Holzhauer im Wald 829 Goldmünzen ausgegraben.
So sieht die Kuhle fast fünf Jahre später aus.
Hinter dem Strauch links vom Kandelaber lagen die Goldbarren in einem Plastiksack, als die beiden Gemeindemitarbeiter sie fanden.
Hinter diesem Strauch lag der Plastiksack mit dem Gold – wie lange, ist unklar.
Der Fundort liegt am Friedhofweg, doch der Friedhof befindet sich 300 Meter weit entfernt.
Der Fundort befindet sich am Friedhofweg. Dieser führt bei der Unterführung vorne links zum damaligen Standort der Poststelle (die später aufgehoben wurde), rechts zum Friedhof.
Rot markiert (Bildmitte) der Lichtmast beim Fundort. Der Fundort liegt neben der Umfahrungsstrasse, die am Klingnauer Städtchen vorbeiführt. Der Grenzübergang Koblenz-Waldshut ist nur 4,5 Kilometer entfernt.
So sieht es beim Fundort nachts aus.
Der Fundort im Juni 2017.

Hier wurden 2012 die Goldbarren entdeckt: Der Fundort befindet sich an einem Fussweg zwischen Bahnlinie und Umfahrungsstrasse.

Philipp Zimmermann/Kapo AG/Montage_az

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