Klingnau
Philipp Häfeli etabliert sich als Profi in der besten Liga der Welt

In seinem vierten Profi-Jahr als Rollstuhl-Basketball-Profi ist der Klingnauer Philipp Häfeli beim deutschen Spitzenclub aus Hamburg gelandet. Der heute 24-Jährige kam nach einem schweren Unfall zur Sportart – sonst sitzt er aber nicht im Rollstuhl.

Philipp Zimmermann
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Philipp Häfeli steht seit dieser Saison bei den Hamburgern unter Vertrag
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Er gilt als guter Korbjäger und Rebounder
Mit seinem Hamburger Team ist Philipp Häfeli auf Playoff-Kurs
Rollstuhl-Basketballer Philipp Häfeli
Philipp Häfeli spielt seit sechs Jahren in der Schweizer Nati
Philipp Häfeli gehört zu den Punktejägern im Team
Philipp Häfeli fährt den Gegnern davon
Philipp Häfeli beim Blockversuch
In der Schweizer Nati gehört Philipp Häfeli zu den Stützen
Eine der Stärken von Philipp Häfeli ist seine Treffsicherheit
Stürze gehören zum Rollstuhl-Basketball

Philipp Häfeli steht seit dieser Saison bei den Hamburgern unter Vertrag

ZVG

Zum Rollstuhl-Basketball kam der heute 24-jährige Philipp Häfeli nach einem schweren Unfall als Jugendlicher und einer längeren Rehabilitationszeit. Damals lernte er wieder laufen – und musste seine Lehre als Polymechaniker für ein Jahr unterbrechen, ehe er sie abschloss. Vor allem wegen einer eingeschränkten Rumpfstabilität konnte er seinen damaligen Lieblingssport Handball aber nicht mehr wettkampfmässig betreiben. Dazu kam, dass nicht mehr die volle Kraft und Sensibilität in seine Beine zurückkehrte.

Häfeli entschied sich für Rollstuhl-Basketball. Ist er dort als Fussgänger die Ausnahme? «Nein, die Fussgänger gehören einfach zu diesem Sport. Das ist ganz normal», antwortet er. Schnell fand er sich zurecht. 2012 – da war er bereits Nationalspieler – ergriff er die Chance, zum Madrider Klub Getafe zu wechseln und sich als Profi voll seinem Sport zu widmen.

Angebote aus Top-Ligen

Zwei Saisons später heuerte bei den Rolling Devils aus Kaiserslautern an. «Die deutsche Bundesliga ist weltweit nicht nur sportlich die beste, die Teams sind auch viel professioneller aufgebaut», erklärt er. Nach einer guten Saison erhielt er Angebote aus den drei Top-Ligen aus Deutschland, Italien und Spanien. Er entschied sich für die BG Baskets, die zum renommierten Hamburger Sportverein (HSV) gehören, der auch das Management des Teams übernimmt.

«Ich wollte neben dem Basketball auch arbeiten. In Hamburg habe ich die besten Möglichkeiten – sportlich wie beruflich», erzählt er.

Häfeli arbeitet mit reduziertem Pensum als Orthopädie-Techniker. Die Arbeit als Polymechaniker wurde für ihn, wegen der Unfallfolgen, zu anstrengend. «Ich habe Probleme, wenn ich den ganzen Tag stehen, viel laufen oder mit schweren Sachen rumhantieren muss.» Auch seine spanische Freundin fand hier Arbeit.

Handicap-Punkte

Rollstuhl-Basketballern werden sogenannte Handicap-Punkte zugeteilt. Je nach Grad ihrer Behinderung sind das einer (schwere Behinderung) bis viereinhalb Punkte (leichte Behinderung). Bei Philipp Häfeli sind es vier. Pro Team stehen fünf Spieler auf dem Feld, deren summierten Handicap-Punkte maximal 14 betragen dürfen. Als Fussgänger ist Philipp Häfeli gerade international keine Ausnahme.

In Hamburg hat er perfekte Trainingsmöglichkeiten: Neun Einheiten absolviert er wöchentlich. Hier will er den nächsten Schritt seiner Karriere machen. «Philipp ist ein sehr guter Rebounder und steht trotz seiner Erfahrung noch am Anfang seiner Karriere», sagt der Hamburger Coach Holger Glinicki. «Er gehört zu den grössten Talenten der Schweiz und ist vor allem unter den Brettern ein wichtiger Faktor in unserem Spiel.»

Seine Vielseitigkeit zählt Häfeli zu seinen Stärken. Nach Abschluss der Vorrunde liegen die Hamburger auf Platz 4 – und sind damit auf Playoff-Kurs. Ausserdem haben sie sich im Pokal fürs «Final Four» qualifiziert. Häfeli hat er sich etabliert, ist Stammspieler. Wegen einer Schulterverletzung sei er aber noch nicht auf dem Level, das er sich zum Ziel gesetzt hat.

Der Klingnauer kann sich – gerade wegen der beruflichen Perspektive – gut vorstellen, länger in der norddeutschen Metropole zu bleiben. Seine Heimat besucht er gerne. «Klingnau bedeutet sehr viel für mich. Meine Eltern, mein Bruder und meine Grossmutter leben immer noch dort», erklärt er. «Ausserdem stammt auch mein Freundeskreis aus der Region.» So lange er hier gewohnt habe, sei Klingnau für ihn nie etwas Spezielles gewesen. «Aber seit ich im Ausland und in einer Grossstadt lebe, liebe ich es zurückzukommen. Man muss einfach sagen: Es ist ein schöner Fleck mit viel Grün und der Aare.»

Der grosse Traum

In der Schweizer Nationalmannschaft feierte er bereits 2009 sein Debüt. Mittlerweile ist er dort zur Teamstütze gereift. Das verjüngte Team hat an der letzten A-Europameisterschaft den Klassenerhalt geschafft. Die Qualifikation an die Paralympics nach Rio haben die Schweizer zwar verpasst. Für die Zukunft ist Häfeli aber optimistisch. «Die Paralympics sind für mich als Sportler der grösste Traum.»

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