Rietheim
Auenlandschaft: Warum hier sanfte Kolosse und nicht heimische Rinder weiden

In der Auenlandschaft «Chy Rhy» in Rietheim gastieren derzeit acht Wasserbüffel. Für Besucher sind sie eine Attraktion, für die Natur äusserst hilfreich.

Daniel Weissenbrunner
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Insgesamt acht Wasserbüffel weiden und tummeln sich momentan in der Auenlandschaft in Rietheim.

Insgesamt acht Wasserbüffel weiden und tummeln sich momentan in der Auenlandschaft in Rietheim.

zvg/Christoph Flory

Aufmerksamen Beobachtern wird es nicht entgangen sein: In der Auenlandschaft «Chly Rhy» in Rietheim sind diesen Sommer sanftmütige Kolosse zu Gast. Acht Wasserbüffel grasen und tummeln sich im Wasser im Naturschutzgebiet am Rhein, das 35 Hektaren umfasst. «Es handelt sich um erwachsene, weibliche Tiere», sagt Inès Röthele, die zuständige Projektleiterin von Pro Natura Aargau.

Die Wasserbüffel sind allerdings nicht zur Besucherattraktion in der Aue. Sie dienen hauptsächlich der extensiven Beweidung, die den Gegebenheiten eine angepasste Pflege des Schutzgebietes ermöglicht. Das primäre Ziel sei dabei die Erhaltung und die Förderung der typischen Lebensräume des Gebietes, erklärt Inès Röthele. «Zum Beispiel der Auenwald oder die Riedwiesen.» Darüber hinaus sollen zusätzliche Strukturen und Lebensräume, sogenannte Pionierlebensräume, geschaffen werden.» Ausserdem wird mit einer Beweidung eine Verlandung der Weiher verhindert.

Büffel lieben Wasser, Rinder nicht

Bevor die Wasserbüffel ins Naturschutzgebiet Chly Rhy kamen, waren sie in der Machme beim Klingnauer Stausee im Einsatz. In Rietheim sind sie voraussichtlich bis Ende September auf der Waldweide anzutreffen. Inès Röthele sagt:

«Wie lange die Wasserbüffel effektiv hier bleiben, hängt primär vom Futterangebot ab.»

Weshalb die Beweidung mit Wasserbüffeln und beispielsweise nicht mit heimischen Rindern geschieht, erklärt Projektleiterin Röthele wie folgt: «Der natürliche Lebensraum der Wasserbüffel liegt im feuchten Offenland sowie in lichten Wäldern. Sie besitzen breite Klauen und eignen sich deshalb auch zur Beweidung von schlammigen Weideflächen, die für Rinder ungünstig sind.»

Ein weiterer wichtiger Punkt: Rinder gehen nicht ins Wasser, Wasserbüffel hingegen wälzen sich gerne in bestehenden Tümpeln und vergrössern sie dadurch. «Oder sie legen durch ihr Suhlen neue morastige Stellen im Boden an», sagt Röthele. Als Folge werde das Wachstum der Vegetation gestört oder gar unterbunden, was zur Bildung von Pionierlebensräumen führe, die dann von neuen Arten besiedelt werden können.

Am Wochenende idealer Wechsel für Fotosujet

Ein weiterer Vorteil für eine Beweidung mit Wasserbüffeln sind die Nahrungspräferenzen. «Wasserbüffel können Nahrung mit geringerer Qualität und mit einem grossen Anteil an Zellulose wie Schilf oder Rohrkolben besser verwerten als Rinder, und diese Pflanzenarten kommen in einer Aue vermehrt vor», erklärt Inès Röthele, die noch einen Tipp für die Besucher hat: «Die Tiere werden diesen Samstag in die Koppel auf der anderen Seite des Gebietes gebracht. Aus dieser Perspektive bieten sich schöne Bilder mit dem Wydenturm im Hintergrund an».

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