Kreisschule Aaretal
Schul-Poker um künftigen Bez-Standort geht in eine neue Runde

Ins Rennen um den künftigen Bez-Standort kommt Bewegung: Klingnau, Döttingen und Koblenz geben dem Alternativ-Vorschlag der Osua eine Chance.

Andreas Fretz
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Die Schulanlage Rain in Kleindöttingen erhält Konkurrenz um den Bez-Standort.

Die Schulanlage Rain in Kleindöttingen erhält Konkurrenz um den Bez-Standort.

SPI

Im Namen der Gemeinderäte Klingnau, Döttingen und Koblenz verschickte der Vorstand der Oberstufe unteres Aaretal (Osua) eine Mitteilung, die es in sich hat. Kern der Botschaft: Man halte zwar am Schulterschluss fest, der einen gemeinsamen Oberstufenverband von neun Gemeinden mit dem neuen Bez-Standort Kleindöttingen vorsieht (az vom 12. Mai 2016).

Neu ist indes, dass die Exekutiven der Osua-Gemeinden Klingnau, Döttingen und Koblenz entschieden haben, auch dem Alternativ-Vorschlag der Kreisschulpflege Osua mit dem Standort Klingnau eine Chance zu geben. Er konkurriert somit mit dem Vorschlag, der in den offiziellen Arbeitsgruppen «Schaffung Kreisschule Aaretal» unter der Leitung von Böttsteins Ammann Patrick Gosteli ausgearbeitet wird.

Rückblende: Das Projekt «Schaffung Kreisschule Aaretal» sieht einen neuen Bez-Standort in Kleindöttingen vor, jene in Leuggern und Klingnau müssten schliessen. Grund ist, dass der Kanton künftig grössere Schulklassen verlangt und es somit im Bezirk Zurzach mindestens einen Bez-Standort weniger geben wird.

Umdenken bei Osua-Gemeinden

Die Osua opponierte von Anfang an gegen das Projekt «Schaffung Kreisschule Aaretal». Sie kritisierte, mit ihren Anliegen kein Gehör zu finden, bezeichnete den Zeitplan des Projekts als «übersportlich» und ortete pädagogische Mängel. Konkret möchte die Osua alle drei Stufen von Bez über Sek bis Real unter einem Dach.

In der Folge traten die Osua-Vertreter aus den Arbeitsgruppen aus und gaben bekannt, einen eigenen Vorschlag auszuarbeiten. Die Gemeinderäte der neun Kreisschule-Aaretal-Gemeinden goutierten diesen Vorstoss nicht. Das hat sich nun geändert. Bei den drei Osua-Gemeinden hat offenbar ein Umdenken stattgefunden.

Gemäss dem Koblenzer Ammann Andreas Wanzenried hat auch der Druck aus der Bevölkerung eine gewisse Rolle gespielt. «Wenn wir den Vorschlag des Projekts ‹Schaffung Kreisschule Aaretal› als einzige Lösung präsentieren, hätten wir an der Gemeindeversammlung vermutlich keine Chance», sagt er.

Und weiter: «Es ist wichtig, dass wir den Fächer öffnen, Vor- und Nachteile beider Vorschläge gegeneinander abwägen und das Resultat der Bevölkerung kommunizieren.»

Gleichwohl wird an den Gemeindeversammlungen aller Voraussicht nach bloss ein Vorschlag unterbreitet. Bereits im Dezember erachtete Gosteli den Vorschlag der Osua, den Stimmbürgern zwei Vorschläge zu unterbreiten, als unrealistisch. Das würde zu chaotisch.

Er forderte: «Eine Vorlage, zu der man Ja oder Nein sagen kann.» Schliesslich sei es das Ziel, möglichst alle der neun Gemeinden ins Boot zu holen. Gelingt dies nicht, könnte das Projekt wegen zu geringer Schülerzahlen an den Vorgaben des Kantons scheitern.

In Döttingen war es laut Ammann Peter Hirt weniger die Bevölkerung, die den Gemeinderat zum Umdenken brachte, als vielmehr Gespräche mit der Schulpflege. «Es ist für uns besser, zwei Varianten als Entscheidungshilfe zur Verfügung zu haben», sagt Hirt.

Er ist überzeugt: «Am Ende wird den Gemeindeversammlungen aber nur eine Variante vorgelegt.» Klingnaus Ammann Oliver Brun war es gestern nicht möglich, vor Redaktionsschluss dieser Ausgabe eine Stellungnahme abzugeben.

Dass die Osua mit ihrem Vorschlag bei den Gemeinderäten nun ebenfalls Gehör findet, hat einen erfreulichen Nebeneffekt: Gemäss Hirt werden die Osua-Vertreter – quasi als Gegenleistung – auch wieder in den Arbeitsgruppen «Schaffung Kreisschule Aaretal» mitwirken. Dieser Wunsch wurde ebenfalls bereits im Dezember von Gosteli geäussert.

Ob die Osua mit ihrem Alternativ-Vorschlag eine reale Chance hat, bleibt abzuwarten. Die neun Gemeinderäte, die in das Projekt um die Oberstufen-Standorte involviert sind, sagen jedenfalls: «Unverändert wird das ursprüngliche Vorhaben von allen Gemeinderäten getragen. Arbeitsgruppen sind für die Detailerarbeitung eingesetzt worden und haben ihre Aktivitäten zielgerichtet vorangetrieben. Sie haben einen guten Stand erreicht.»

Verzögerung im Zeitplan

Es zeichnet sich allerdings jetzt schon ab, dass der zu Beginn kommunizierte Zeitplan nicht eingehalten werden kann. Über das Schulprojekt wird voraussichtlich erst an den Winter- und nicht schon an den Sommergemeindeversammlungen 2017 abgestimmt. «Das halbe Jahr Verzögerung stört mich nicht, wenn dafür eine fundierte Lösung präsentiert wird», sagt Andreas Wanzenried.

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