Würenlingen
SVP-Mitglied verteilt anonymes Flugblatt gegen den Gemeindeammann

Am Donnerstag ist in Würenlingen ein anonymes Flugblatt mit der Aufschrift «Ammann Zoppi ist arrogant und ein SVP-Hasser» verteilt worden. Der Verfasser hat sich inzwischen geoutet: Es handelt sich um ein 80-jähriges SVP-Mitglied.

Angelo Zambelli
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Primo Miotti hat das Flugblatt in Würenlingen verteilt.

Primo Miotti hat das Flugblatt in Würenlingen verteilt.

Keystone

Das Verteilen anonymer Flugblätter kurz vor den Gemeinderatswahlen wird in Würenlingen zur Tradition: 2005 war der damalige Gemeinderat Kurt Müller Zielscheibe eines Angriffs unter der Gürtellinie: «Müller Kurt im Sturzflug» stand in grossen Lettern neben dem Bild des Gemeinderats. Und: «Sinkflug – Rausflug». Unterschrieben war das Flugblatt mit dem wenig aussagekräftigen Namen «Aktionskomitee zur Erhaltung traditioneller Bräuche in unserem Dorf».

«Demontiert Ortsbürgergemeinde»

Nun wird Gemeindeammann André Zoppi mit einem doppelseitigen Flugblatt an den Pranger gestellt: «4 Jahre Schulpflege, 4 Jahre Gemeinderat, 4 Jahre Vizeammann, 4 Jahre Gemeindeammann: 16 Jahre sind genug», lautet der Titel des am Donnerstag verteilten Flugblatts.

Aufgelistet werden angebliche Fehler Zoppis im Zusammenhang mit der Sanierung des Schulhauses 2001, mit dem Projekt des Dreifach-Kindergartens an der Gartenstrasse sowie im Zusammenhang mit dem Debakel rund ums Altersheim und um die Spitex. Konkret vorgeworfen wird dem Gemeindeammann, sich zu wenig für das Wohnrecht der Consolata-Schwestern im Würenlinger Altersheim eingesetzt zu haben.

Darüber hinaus wird Zoppi im Flugblatt vorgehalten, er demontiere als Nicht-Ortsbürger die starke Ortsbürgergemeinde, habe den Zweifachkindergarten Breite ohne Zustimmung der Bürgerinnen und Bürger zweckentfremdet und verfüge über kein Demokratieverständnis. Zitat aus dem Flugblatt: «Wer sich an Versammlungen gegen ein Traktandum ausspricht, braucht Mut, denn er wird schlicht abgeputzt.

Sollten Kommissionsmitglieder eine andere Meinung haben, werden sie an der nächsten Sitzung an die Kandare genommen.» Gemeindeangestellte, die ein Referendum unterschreiben, würden darauf aufmerksam gemacht, dass dies ein Kündigungsgrund sei.

Abgeschlossen wird das doppelseitige Flugblatt mit dem Hinweis, auf dem kürzlich verteilten FDP-Flugblatt werde der SVP-Kandidat mit einem Wähleranteil von 40,01 Prozent ausgeblendet und durch zwei FDP-Leute mit einem Wähleranteil von 11,8 Prozent ersetzt.

Gemeint sind mit dem übergangenen SVP-Kandidaten der bisherige Gemeinderat Joe Merki (SVP) und mit den beiden FDP-Mitgliedern André Zoppi (bisher) und Patrick Zimmermann (neu). Die erwähnten Zahlen stammen aus den Grossratswahlen 2012.

Flugblätter im Alleingang verteilt

In Würenlingen wird allgemein vermutet, dass das anonyme Flugblatt aus der Feder von SVP-Mitglied Primo Miotti stammt, weil ähnliche Passagen verwendet worden waren, wie sie Miotti in einem vor wenigen Tagen in der az erschienenen Leserbrief formuliert hatte.

Primo Miotti räumt nach wiederholtem Nachhaken auch ein, Verfasser des Flugblatts zu sein. Er sagt, er habe die Blätter im Alleingang geschrieben und verteilt – «in alle Haushaltungen» wie er betont. Dass er das Flugblatt anonym verfasst hat, erklärt der 80-Jährige damit, er habe die Aufführung des Absenders als nicht notwendig erachtet. Gegenüber der az gibt er auch freimütig zu, er verfolge mit der Aktion das Ziel, Gemeindeammann Zoppi aus dem Amt herauszudrängen. Für ihn ist klar: «Zoppi ist arrogant und ein SVP-Hasser.»

Miotti empfiehlt den Stimmberechtigten, Joe Merki als Ammann zu wählen: «Merki ist fähig, dieses Amt auszuüben.» Am liebsten sähe es Miotti, wenn zwei SVP-Vertreter in den Würenlinger Gemeinderat gewählt würden und nicht nur einer. «Es besteht aber die Gefahr, dass aufgrund der Schachzüge der FDP gar kein SVPler mehr im Gemeinderat sitzt.»

«Entspricht nicht Fairnessregeln»

Der angeschossene Gemeindeammann André Zoppi will auf die Vorwürfe nicht im Detail eingehen. Das Flugblatt als solches taxiert er als «inhaltlich unhaltbar und argumentativ aus den Zusammenhängen gerissen. Man darf mit meinen Ansichten nicht einverstanden sein und mich als Ammann ablehnen, aber anonym verfasste Flugblätter entsprechen nicht den Regeln der Fairness und des Anstands».

Es gehe nun darum, einen starken Rat zu wählen, der in der Lage sei, die kommenden, schweren Aufgaben zu bewältigen, sagt Zoppi. «Interne Querelen sind nur hinderlich. Im Gemeinderat soll Sachpolitik betrieben werden und nicht Parteipolitik.» Im Übrigen weist Zoppi darauf hin, dass er es stets begrüsst habe, dass die SVP mit einem Mitglied im Gemeinderat vertreten sei. «Die SVP aus dem Rat zu drängen, war nie mein Ziel.»

Übrigens: Kurt Müller wurde 2005 trotz des Flugblatt-Angriffs in den Gemeinderat gewählt und blieb vier Jahre im Amt.

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