Tegerfelden
Dieser Aargauer ist der beliebteste Nachwuchs-Winzer der Schweiz

Ein renommiertes Wein-Magazin hat den Tegerfelder Noel Baumgartner für seine Kreativität und sein berufliches Streben ausgezeichnet. Bereits mit seinem ersten eigenen Wein feierte der Jungwinzer Erfolge.

Rosmarie Mehlin
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Noel Baumgartner wurde der Weinbau in die Wiege gelegt.

Noel Baumgartner wurde der Weinbau in die Wiege gelegt.

Zvg

Noel Baumgartner strahlt, als wäre Weihnachten, was aber nicht an seinem Vornamen liegt. Der bedeutet auf Französisch zwar Weihnachten, doch geboren worden war der heute 27-Jährige im Januar. Indes – das Strahlen scheint dem Sonnyboy zum einen angeboren, zum anderen wurde der Tegerfelder vor wenigen Tagen vom Genuss- und Weinmagazin «Falstaff» zum beliebtesten Nachwuchs-Winzer der Schweiz gewählt.

Dies mit rund 30 Prozent der insgesamt 11 300 Abstimmenden. Als Sieger erhält Noel Baumgartner einen Eintrag mit sechs Weinen im ersten «Falstaff Schweiz Weinguide». Wahrlich auch ein guter Grund zum Strahlen.

In eine Winzerfamilie mit 50-jähriger Tradition hineingeboren, wurde der Weinbau Noel Baumgartner sozusagen in die Wiege gelegt. Doch das älteste der drei Kinder von Sandra und Lukas Baumgartner hatte gegen Ende der Schulzeit fremd geschnuppert und war bei einer Lehre als Zimmermann hängengeblieben. Er sagt:

«Als ich mich während der Lehre über die weiteren Bildungsmöglichkeiten informierte, wurde mir klar, dass solche vorwiegend in Bürotätigkeiten münden, und das wäre nichts für mich gewesen.»

Mit einem Lehrabschluss in der Tasche konnte Lukas Baumgartner die verkürzte Aufbaulehre als Winzer in Angriff nehmen, das heisst direkt ins zweite Winzerlehrjahr einsteigen. Dieses absolvierte er im Fricktal, das dritte in der Bündner Herrschaft.

Bereits mit erstem eigenen Wein sehr erfolgreich

Mittlerweile 23-jährig, hatte es Noel Baumgartner in die Ferne gezogen: Elf Monate verbrachte er in Neuseeland, neun davon arbeitete er in einem Weinbaubetrieb. Ein weiteres halbes Jahr hatte er anschliessend bei einem Winzer im Elsässischen Soultzmatt praktiziert. Besonders viele neue Erkenntnisse über modernes Keltern hatte er vor allem aus Neuseeland mitgebracht. Inspiriert von zahlreichen neuen Eindrücken, kelterte Noel Baumgartner nach seiner Rückkehr in den Familienbetrieb seinen ersten eigenen Wein.

Er, der wie sein Vater den Pinot Noir als «König der Rotweine» bezeichnet, liess seiner Kreativität, in Verbindung mit seinem neu erworbenen Wissen, freien Lauf:

«Unter anderem habe ich Pinot-Noir- und Diolinoir-Trauben separat gekeltert und – in Zusammenarbeit mit Vater und Bruder – lange am optimalen Zusammenführen der beiden Sorten getüftelt.»

Das Ergebnis kam als «Cuvée Pinotivo by Noel» im Juni letzten Jahres auf den Markt und hatte durchschlagenden Erfolg: Innerhalb von fünf Monaten war die gesamte Produktion ausverkauft, hatte es der Pinotivo bis ins Finale zum Aargauer Staatswein 2020 geschafft und zählte zu den Aargauer Top-vier-Rotweinspezialitäten.

«Auf den Namen war ich gekommen, weil der italienische Primitivo sehr im Trend liegt und mein Cuvée ebenfalls über etwas Restsüsse verfügt.» Aber nicht nur der Inhalt, auch die Etikette des Pinotivo ist etwas Besonderes. «Ich liess sie von einem Maori-Tattoo-Künstler in Neuseeland entwerfen.» In Grau, Weiss und mit auffallenden kupfrigen Prägungen zeigt die Etikette nebst Trauben und Reblaub auch Maori-Symbole für Wasser, Sonne und Wachstum:

Rosmarie Mehlin

Noel Baumgartner teilt sich mit einem Kollegen in Baden eine WG. Der 27-Jährige hat neben seinem Beruf viele zeitaufwendige Hobbys. Unter den verschiedensten Arbeiten als Winzer liebt er am meisten das Rebenschneiden. «Das ist nicht nur körperlich anspruchsvoll, sondern auch mental. Ein Rebstock soll mindestens 30 bis 40 Jahre dienen, und da will das Schneiden gut durchdacht sein.»

Der Winzer zimmert in der Freizeit Möbel

In der Freizeit bricht immer wieder seine Vergangenheit als Zimmermann durch: Aus ausgedienten Barrique-Fässern zimmert er Sessel, Tische und Dekorationsgegenstände.

Noel Baumgartner sitzt auf einem selbstgezimmerten Barrique-Stuhl.

Noel Baumgartner sitzt auf einem selbstgezimmerten Barrique-Stuhl.

Rosmarie Mehlin

Zur Abwechslung geht er gerne fischen und aus Neuseeland hat er eine grosse Leidenschaft für Kitesurfen mitgebracht. «Diesen Winter habe ich es sogar auf zugefrorenen Seen ausprobiert», berichtet er – selbstverständlich strahlend.

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