Theater in Klingnau
«Bedeute ich meinen Eltern etwas?» Jugendliche suchen in einer Entzugsklinik nach dem Glück

Am Freitag feiert das Jugendtheater Janus Klingnau die Premiere: Im Erstlings «Crashed» sind acht Jugendliche in eine Sucht geschlittert und suchen in der Klinik nach einem Ausweg.

Susanne Holthuizen
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Ticktack. Erste Szene: Acht Jugendliche sitzen, liegen, hocken auf Stühlen, die verstreut oder umgekippt auf der Theaterbühne im Propsteikeller in Klingnau stehen. Niemand bewegt sich, nur hie und da meldet sich eine sonore Stimme aus der Gruppe, die dem Publikum happige Sätze serviert wie: «Bedeute ich meinen Eltern etwas? Nähe macht mir Angst. Seit ich drogenabhängig bin, möchte niemand mit mir zu tun haben.» Dann folgen die Tipps gegen Langeweile. Ticktack.

Susanne Holthuizen

Während die Uhr weiter im Gleichschritt tickt, gerät das Leben dieser Jugendlichen zusehends aus dem Lot. Nach längerer Selbstbetäubung und einer ausufernden Party finden sich die jungen Erwachsenen in einer Entzugsklinik wieder, wo sie sich mit ihrer Sucht, einem durchstrukturierten Alltag, ihren Lebensfragen und einer Angst machenden Zukunft auseinanderzusetzen haben.

Diese neue Situation lässt sich sehr treffend beschreiben mit «Ich renne weiter rückwärts, ich verliere immer wieder den Glauben» – einer Liedzeile des Songs «Make It Up As I Go» des amerikanischen Rappers und Musikers Mike Shinoda, welcher jeweils fortsetzend aus dem Off zu jedem Szenenwechsel erklingt.

Die Suche nach dem Glück

In dreizehn Bildern erhalten die Zusehenden Einblick in die Nöte, Abgründe und Träume dieser acht jungen Menschen, deren sehnlichster Wunsch aus nichts anderem besteht, als das persönliche Glück zu finden. Doch wo versteckt sich bloss das Gesuchte, wenn die Dunkelheit einen so vollständig umhüllt?

Susanne Holthuizen

An der Auseinandersetzung mit dem Selbst führt irgendwann kein Weg mehr vorbei – den Jugendlichen und auch dem Publikum wird schonungslos der Spiegel vorgehalten. Dies ist hervorragend und sehr subtil in der Badezimmerszene gelöst: Vor dem Lavabo der Klinik begegnen sich zwei junge Frauen, die sich anfangs gegenseitig in Vorwürfe verstricken und aneinander die aufgestaute Wut auslassen, um sich dann in der Menge als Projektionsfläche, im imaginären Spiegel, letztendlich selbst zu reflektieren.

Die Betäubung der Sinne, um die Verletzungen der Seele und das Unverstandensein aus dem Weg zu räumen, erweist sich im doppelten Sinn als Gift: Es gefährdet das eigene Leben und bremst das Vorankommen im Jetzt. Den Jugendlichen beginnt allmählich zu dämmern, dass nur sie sich selber aus ihrem herunterziehenden Strudel hieven können, indem sie mit ihrer Selbsttäuschung aufhören und anfangen sich selbst wahrzunehmen. Das Stück handelt zwar vordergründig von Sucht und dem Erwachsenwerden, nimmt sich aber eigentlich die grossen Lebensfragen vor: die Selbstverantwortung und Selbstliebe.

Susanne Holthuizen

Elf Jugendliche haben mit der Theaterpädagogin, Schauspielerin und Sängerin Mirjam Wiggenhauser seit letztem Herbst ein Jugendtheater auf die Beine gestellt, ein Stück inszeniert und dazu Bühnenbild, Technik, Kostüme und Kommunikationsunterlagen alles in Eigenregie erstellt. Die Handlung ist inspiriert vom Buch «Clean» von Juno Dawson. Das hat der Gruppe den roten Faden gegeben, der aber seither in unzähligen Zoom-Sitzungen und danach in Interaktion auf der Bühne neu gesponnen wurde.

Entstanden ist ein eigenständiges Stück, das durch die Authentizität seiner Darstellerinnen und Darsteller besticht. Das Bühnenbild ist dabei schlicht gehalten, aber wer genau hinschaut, erkennt, dass genau diese Reduktion die Handlung ins Licht setzt und den einzelnen Szenen jeweils einen ganz speziellen Rahmen verleiht.

Weitere Infos unter www.jugentheaterjanus.ch. – Die Spieldaten: 11. Juni: 20.15 Uhr; 12. Juni: 16.30 und 20.15 Uhr; 13. Juni: 16.30 und 20.15 Uhr; 18. Juni: 20.15 Uhr, 19. Juni: 16.30 und 20.15 Uhr; 20. Juni: 16.30 und 20.15 Uhr.