Unteres Aaretal
Fernwärme: Refuna setzt statt auf Atom neu auf Holz

Die Refuna AG plant in Döttingenein Holzheizkraftwerk. Dieses soll aber 2026 – wenn die Atomkraftwerke Beznau 1 und 2 stillgelegt sind – nicht nur Fernwärme liefern, sondern auch Strom produzieren.

Daniel Weissenbrunner
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Die Refuna-Brücke neben dem Atomkraftwerk Beznau: In Zukunft sollen die Kunden mit Wärme von einem Holzheizkraftwerk versorgt werden.

Die Refuna-Brücke neben dem Atomkraftwerk Beznau: In Zukunft sollen die Kunden mit Wärme von einem Holzheizkraftwerk versorgt werden.

Alex Spichale

Die Refuna AG gibt es seit bald 40 Jahren und versorgt in der Region Unteres Aaretal mehr als 2600 Kundinnen und Kunden mit Fernwärme. Als Hauptwärmequelle dient dabei das Kernkraftwerk Beznau. 2030 soll das älteste AKW der Schweiz allerdings vom Netz.

Die Refuna will aber auch darüber hinaus Fernwärme liefern. Darum plant sie nun ein Holzheizkraftwerk im Industriegebiet in Döttingen. Man habe sich für eine Technik entschieden, sagt Refuna VR-Präsident Kurt Müller, die funktioniere und in den Jahren, in der sie eingesetzt worden sei, durch Zuverlässigkeit überzeugt habe. Was im Fall der Refuna auch nötig ist. Die Auslastung beträgt jährlich 8000 Stunden.

Auch alternative Technologien seien geprüft worden, sagt Kurt Müller. Zum Beispiel Geothermie. «Es hat sich aber gezeigt, dass wir nicht genügend Wärme für unsere Kunden produzieren könnten.» Damit der Bedarf in Spitzenzeiten gewährleistet werden kann, sind 60 bis 70 Megawatt notwendig.

77'000 Tonnen jährlicher Holzbedarf

Die Planung der Anlage sieht eine moderne, kombinierte Wärme- und Stromproduktion vor, die mit drei Ofenlinien betrieben werden kann. Als Brennstoff würden 40 Prozent frische Hackschnitzel eingesetzt. Die übrigen 60 Prozent stammen aus Restholz von Industrie und Gewerbe sowie Holzprodukten wie Einwegpaletten, Massivholz aus Garten, Landwirtschaft. Mit diesem Holzmix könne sowohl das frische Holz aus den lokalen Wäldern als auch mehrfachgenutztes Holz nachhaltig und effizient eingesetzt werden, so Kurt Müller.

Im Sommer soll sich die Anlage zumeist im Standby befinden, da in dieser Zeit die nötige Wärme von der Kehrichtverbrennungsanlage (KVA) Turgi bezogen wird. Damit werde der wertvolle Rohstoff Holz gespart und vorhandene Wärme aus der Kehrichtverwertung besser genutzt, schreibt die Refuna in einer Medienmitteilung. Für den Wärmetransport wird aktuell eine neue Fernwärmeleitung zwischen der KVA Turgi und Siggenthal-Station geplant.

Je nachdem, wie viel Strom produziert und wie viel Wärme von der KVA bezogen werde, rechnet das Konsortium mit einem Holzbedarf von bis zu 77'000 Tonnen pro Jahr, der regional, aufgrund der grossen Menge aber auch überregional bezogen werden soll.

Bund entscheidet

Gemäss Richtplan des Kantons Aargau für Energieerzeugungsanlagen ist für das geplante Werk eine Standortfestsetzung erforderlich. Der Antrag für die Richtplanfestsetzung erfolgt durch die Gemeinde Döttingen. Ziel ist der Start des Richtplanverfahrens im Juli 2021. Die Genehmigung erfolgt schliesslich durch den Bund.

Läuft alles wie vorgesehen, will die Refuna die Anlage 2026 in Betrieb nehmen.

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