Wahlen
Ammann-Nachfolge: Warum die Gemeinderäte in Lengnau kein Interesse haben

In Lengnau tritt Ammann Franz Bertschi ab. Die amtierenden Gemeinderäte zeigen für seine Nachfolge wenig Interesse. Wer im Surbtaler Dorf jetzt gefordert ist.

Daniel Weissenbrunner
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Franz Bertschi (SVP) hört nach sieben Jahren als Ammann auf.
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Victor Jetzer (SVP): Wartet ab, was die Gespräche bringen.
Hanni Jetzer (FDP): Fokus liegt auf den laufenden Geschäften.
Marcel Elsässer (SP): Verzicht wegen beruflicher Belastung.
Andrea Huser (CVP): Mit Beruf und Familie ausgelastet.

Franz Bertschi (SVP) hört nach sieben Jahren als Ammann auf.



Alex Spichale

Letzte Woche verkündete es Franz Bertschi (SVP) offiziell: Der Lengnauer Ammann tritt zu den Gesamterneuerungswahlen im Herbst nicht mehr an (die AZ berichtete). Nach fast 20 Jahren im Gemeinderat, davon sieben als Ammann, ist für den 74-Jährigen jetzt Schluss.

Um die Suche nach einem Gemeindevorsteher musste sich das Surbtaler Dorf in den vergangenen Jahrzehnten wenig Sorgen machen – vor Bertschi war Kurt Schmid fast 30 Jahre im Amt – im Unterschied zu vielen anderen Gemeinden. Beispielsweise in Tegerfelden, wo man nach dem Rücktritt von Lukas Baumgartner zuletzt fieberhaft einen Nachfolger suchte und schliesslich beim pensionierten Reto Merkli fündig wurde.

Die bekannten Gründe: Zeit und Beruf

In Lengnau könnte sich nun ein ähnliches Problem abzeichnen: Die vier übrigen Exekutivmitglieder kandidieren zwar für eine weitere Legislatur. Drei der vier melden für das Amt des Ammanns aber keine Ambitionen an. Sowohl Hanni Jetzer (FDP), Marcel Elsässer (SP) wie auch Andrea Huser (CVP) haben ihren Verzicht erklärt, wie sie auf Anfrage bestätigen.

Für Vizeammann Viktor Jetzer (SVP) ist es nach eigenen Angaben für einen Entscheid noch zu früh. Hanni Jetzer, die seit zwölf Jahren im Gemeinderat sitzt, begründet ihren Entschluss damit, dass sie ihre Energie auf die laufenden Geschäfte in der Bildung und öffentliche Sicherheit einsetzen möchte. «Momentan sind wir an der Umsetzungsplanung für die neue Führungsstruktur der Volksschule», so Jetzer.

Bei Andreas Elsässer, der 2013 in den Gemeinderat gewählt worden war, liegt der Verzicht in der zeitlichen- und beruflichen Vereinbarkeit. Andrea Huser nennt ebenfalls die zeitlichen Ressourcen sowie die persönlichen Fähigkeiten, Erfahrungen und Kenntnisse, die gegen eine Kandidatur sprechen würden.

«Ich bin erst seit wenigen Wochen im Amt als Gemeinderätin und mit der neuen Aufgabe neben meiner Familie und meiner beruflichen Tätigkeit gefordert und ausgelastet.»

Elsässer und Huser befinden sich mit ihrer Absage in bester Gesellschaft. Der Grund, weshalb das Amt viele abschreckt, liegt im zeitlichen Aufwand und in der zunehmend grösser werdenden Verantwortung.

Die SP wartet ab, was die SVP macht

Gefordert sind nun die Ortsparteien, die in Lengnau stark vertreten sind. Es geht nebst der Besetzung des Ammann-Postens, auch eine Person für den frei werdenden Sitz von Franz Bertschi zu finden. Entsprechende Gespräche würden nun aufgenommen werden, sagt Viktor Jetzer.

Interessant wird zu beobachten sein, ob die SP im bürgerlich geprägten Lengnau mit einer zusätzlichen Kandidatur ins Rennen steigt. David Burgherr, Präsident der Sektion Surbtal, lässt sich nicht in die Karten blicken: «In Lengnau existiert eine kleine Zauberformel.» Man werde daher zunächst einmal verfolgen, wen die SVP aufbieten wird. «Anhand der Nomination werden wir dann entscheiden, ob es Sinn macht, den Sitz anzugreifen», sagt der SP-Grossrat.