Wahlen in Baden-Württemberg
Frisch gewählter Grüner Landtagsabgeordneter: «Zweite Brücke am Grenzübergang in Koblenz löst das Verkehrsproblem nicht»

Der Grüne-Politiker Niklas Nüssle ist in den Landtag von Baden-Württemberg gewählt worden. Was sein Sieg für das Zurzibiet bedeuten könnte.

David Rutschmann
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Grosser Erfolg: Niklas Nüssle politisiert künftig in Stuttgart.

Grosser Erfolg: Niklas Nüssle politisiert künftig in Stuttgart.

Südkurier/Sandra Holzwarth

Nachdem bei den Aargauer Grossratswahlen im Herbst das Zurzibiet mit Isabelle Schmid (Tegerfelden) zum ersten Mal eine grüne Grossrätin gewählt hat, ist die grüne Welle nun auch über den Rhein geschwappt. Bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg am Sonntag ging im grenznahen Wahlkreis Waldshut das Direktmandat an die Grüne Partei.

In keinem anderen Wahlkreis konnte die Partei im Vergleich zur letzten Wahl mehr Stimmen dazugewinnen (+6,7 Prozent), nirgends war der Verlust der CDU grösser (-7,9 Prozent). Dabei gilt Waldshut als CDU-Stammland – der «Südkurier» nennt das Ergebnis eine «Zäsur».

Mit Niklas Nüssle wird also erstmals ein Grüner Politiker die Waldshuter Interessen in Stuttgart vertreten. Der 26-jährige hat Chemie- und Bioingenieurwissenschaften an der ETH studiert – er pendelte täglich von seinem Wohnort Wutöschingen 45 Minuten mit dem Auto nach Zürich. Nüssle:

«Ich hätte auch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln pendeln können, aber dann wäre ich doppelt so lange unterwegs gewesen. Die Taktung des regionalen öV ist noch zu löchrig. Das muss sich ändern»

Mit seiner Bereitschaft für den Ausbau des grenzüberschreitenden öffentlichen Verkehrs stösst Nüssle im Koblenzer Gemeindehaus auf offene Ohren. «Als Begleitmassnahme, um die Strassen zu entlasten, ist dieser Blick unerlässlich und wurde von deutscher Seite in der Vergangenheit vernachlässigt», sagt Andreas Wanzenried, Ammann der stark von den Staus am Grenzübergang gebeutelten Gemeinde.

Der Ammann hält den Austausch mit Deutschland «unabhängig vom Parteibuch» für wichtig. «Dennoch verspreche ich mir, dass ein grüner Politiker nicht nur den Individualverkehr betrachtet, wenn es um den Grenzübergang geht.» Wie Wanzenried findet auch Nüssle, dass eine zweite Rheinbrücke alleine das Verkehrsproblem nicht lösen würde: «Mehr Strassen haben in der Vergangenheit sogar eher zu Mehrverkehr gesorgt.»

Atomkraftwerke: «Den Finger in die Wunde legen»

In der Vergangenheit sind deutsche Politiker immer wieder mahnend aufgetreten, was die grenznahen Atomkraftwerke Beznau und Leibstadt im Zurzibiet anbelangt. Niklas Nüssle ist diesbezüglich keine Ausnahme. Für seine Partei sei klar: Atomkraft ist keine grüne und keine sichere Energie. Er erinnert an das kürzliche Jubiläum der Katastrophe von Fukushima.
Trotz seiner Ablehnung der Atomenergie wolle er der Schweiz nicht die Handhabe ihrer Atomkraftwerke vorschreiben. Allerdings spricht auch er davon, «den Finger in die Wunde legen» zu wollen, was die jeweiligen «teils gravierenden Probleme» der Kernkraftwerke anbelangt.

Für Hanspeter Erne, Ammann von Leibstadt, sind die Positionen des Deutschen allerdings kein Grund zur Besorgnis, dass der Druck zur Abschaltung höher werden könnte: «So weit ich informiert bin, steht in Leibstadt ein sehr sicheres Kernkraftwerk, in dem übrigens auch sehr viele Deutsche arbeiten.»

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