Böttstein
Wegen Konkursverfahren: Dieses Jahr ist nur eine Mini-Chilbi möglich

Das Konkursverfahren gegen die Schlossherrin hat Auswirkungen auf das Böttsteiner Dorfleben und die traditionelle Chilbi.

Stefanie Garcia Lainez
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Adrian Schmidiger schnitzte an der Chilbi 2014 vor dem Schloss Böttstein Holzskulpturen.

Adrian Schmidiger schnitzte an der Chilbi 2014 vor dem Schloss Böttstein Holzskulpturen.

zvg

Seit Mitte Juli ist das Schloss Böttstein geschlossen. Gegen die Eigentümerin Pearl Anthony Lauper läuft ein Konkursverfahren. Das hat auch Auswirkungen auf die traditionelle Böttsteiner Chilbi. Aufgrund der Veränderungen auf Schloss Böttstein könne die Chilbi 2019 nicht im gewohnten Rahmen durchgeführt werden, schreibt die Gemeinde.

Konkret bedeutet das: Die Musikunterhaltung am Samstag und das gesellige Beisammensein am Sonntag mit Glücksrad, Streichelzoo und Schiffli-Rennen im Mühlebach entfallen. Nur der ökumenische Gottesdienst in Zusammenarbeit mit der Kirchgemeinde Mandach und der St. Antoniuspfarrei Kleindöttingen findet statt, für einmal nicht im Wessenbergsaal, sondern in der Kirche Mandach.

Dass die Chilbi nicht wie gewohnt stattfinden könne, sei schade, sagt Peter Ming, Präsident des Vereins Kultur am Mühlebach. «Es ist das einzige Fest, das jedes Jahr das ganze Dorf zusammenbringt.» Zudem sei das Schloss ein bedeutendes Kulturerbe für Böttstein und die ganze Region.

Das Schloss sei der Mittelpunkt verschiedener historischer Elemente auf engstem Raum. «Wir haben in Böttstein eine Kapelle aus dem Frühbarock, eine funktionierende Öl-Mühle und von der ehemaligen Getreidemühle ein Holzwasserrad mit zehn Meter Durchmesser, das europaweit wohl das grösste ist.» All diese Juwele würde der Mühlebach verbinden, ein rund 800-jähriger Kanal, den die PSI-Lehrlinge kürzlich wieder instandstellten.

«Deshalb ist es besonders schade, dass kein Weg gefunden wurde, das Schloss langfristig auf eine Basis zu stellen, die dessen Geschichte, aber auch dessen Rolle in der heutigen Zeit Rechnung trägt.»

Chilbi-Gottesdienst

Sonntag, 27. Oktober, 10.15 Uhr, reformierte Kirche in Mandach, mit anschliessendem Chilbi-Braten im Burestübli Böttstein.

Wie in anderen Orten hat das Chilbifest auch in Böttstein seinen Ursprung in der Kirchweihe. Die 1615 von den Brüdern von Roll erbaute Schlosskapelle wurde zwei Jahre später mit einem Fest eingeweiht. So gesehen, feiern die Böttsteiner schon seit über 400 Jahren Chilbi. Heute gehört die Kapelle dem Römisch-katholischen Kapellenverein. In den Achtzigerjahren wurde mit der Chilbi Geld für die Renovation gesammelt, die von 1985 bis 1987 erfolgte.

Nachdem die Kapelle in neuem Glanz erstrahlte und die damaligen Räume im Landgasthof Schloss Böttstein umgenutzt wurden, fand das Fest nicht mehr statt. Einzig der Gottesdienst überlebte. Ab 2000 fand wieder eine kleine Chilbi statt, 2008 wurde die grosse Chilbi auf dem Schlosshof wieder ins Leben gerufen. Der Verein Kultur am Mühlebach hofft, die Chilbi 2020 wieder durchführen zu können.

Kopie von Schloss Böttstein – Konkurs droht (13. Juni 2019)
22 Bilder
Idyllisch - der Schlosshof.
Sie wehrte sich zwar noch dagegen, das Zürcher Obergericht hat ihre Beschwerde allerdings abgewiesen.
Nach dem Konkurs: Idyllisch, aber menschenleer – in der Gartenwirtschaft im Innenhof von Schloss Böttstein sitzt hier niemand.
Schlossherrin Pearl Anthony Lauper hat nach dem Konkurs auf mehrere Anfragen der AZ nicht reagiert.
Vor dem Konkurs: Diese Tafel warb vor zwei Monaten noch an der Strasse für den Gastrobetrieb im Schloss.
Die Römisch-Katholische Kapelle ist ein beliebter Hochzeitsort. Sie gehört - anders als das Schloss - dem Kapellenverein.
Der Eingang zum Schloss mit Hotel und Restaurant.
Kapelle, Schlosshof und Schloss sind ein beliebt bei Hochzeitsgesellschaften.
Anthony Lauper hat Schloss Böttstein vom Energiekonzern Axpo erst im 2017 gekauft.
Es folgen weitere Bilder vom Schloss.
Das Schloss steht unter Denkmalschutz.
Blick auf Nebengebäude des Schlosses.
Der Eingang vom benachbarten Axporama.
Es ist lauschig im Schlosshof.
Während des Baus des Kernkraftwerks Beznau auf der gegenüberliegenden Aareseite richtete sich der technische Stab der Nordostschweizerischen Kraftwerke (NOK, Vorgänger der Axpo) von 1965 und 1972 im Schloss ein.
Anschliessend baute die Axpo das Schloss zu einem Hotel-Restaurant um und verpachtete es.
Schloss Böttstein im Herbst.
Links ein Gästehaus von Schloss Böttstein.
Einmalige Atmosphäre: Der Schlosshof am Abend.
Als Zeichnung: Schloss Böttstein mit Kapelle.

Kopie von Schloss Böttstein – Konkurs droht (13. Juni 2019)

Philipp Zimmermann