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Wo Sie am meisten für die Krippe bezahlen: So gross sind die Unterschiede im Bezirk Baden und Zurzach

Die Kosten in einer Kindertagesstätte gehen ins Geld. Die Höhe der Subventionen unterscheidet sich allerdings von Gemeinde zu Gemeinde enorm. Die Übersicht.

Stefanie Garcia Lainez
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Seit August 2018 müssen die Gemeinden die Eltern einkommensabhängig bei den Kitabeiträgen finanziell unterstützen.

Seit August 2018 müssen die Gemeinden die Eltern einkommensabhängig bei den Kitabeiträgen finanziell unterstützen.

Gaetan Bally / KEYSTONE

Mehrere tausend Franken kann die Betreuung in einer Kindertagesstätte eine Familie kosten – je nach Anzahl Tage und Kinder. Seit August 2018 müssen die Gemeinden berufstätige Eltern nach Bedarf dabei finanziell unterstützen. So verlangt es das Kinderbetreuungsgesetz, über welches das Volk 2016 abstimmte.

Ein Vergleich in den beiden Bezirken Baden und Zurzach zeigt nun: Die Unterschiede von Gemeinde zu Gemeinde sind enorm – die Wahl des Wohnortes ist entscheidend, wie viel eine Familie an Subventionen erhält.

Was dies im konkreten Fall ausmacht, zeigt folgendes Beispiel: Herr und Frau Müller sind beide arbeitstätig und schicken ihre dreijährige Tochter zwei Tage die Woche in die Kita. Sie bezahlen pro Tag 110 Franken, verfügen über ein massgebendes Einkommen von 65'000 Franken und haben kein Vermögen.

Während sie in den Gemeinden Würenlos, Leibstadt und Full-Reuenthal 416 Franken pro Monat erhalten, sind die Subventionen in den Nachbardörfern wie Neuenhof oder Leuggern knapp 250 Franken tiefer. Und in acht Zurzibieter Gemeinden würden die Müllers sogar leer ausgehen und müssten die etwas über 900 Franken selbst berappen:

So viel zahlt Familie Müller in der jeweiligen Gemeinde.    

So viel zahlt Familie Müller in der jeweiligen Gemeinde.    

Badener Tagblatt

Das kann pro Jahr bis zu 5000 Franken ausmachen. Doch wie kommen diese Unterschiede überhaupt zu Stande?

Was die Höhe der Beiträge beeinflusst

Mit 92 Franken pro Monat für die Familie Müller ist Gebenstorf das Schlusslicht im Bezirk Baden. Gemeindeammann Fabian Keller sagt:

Wir erachten die familienergänzende Kinderbetreuung als ein wichtiges Thema, um die Vereinbarkeit von Familie und Arbeit zu erleichtern sowie, falls nötig, die sprachliche Integration und Chancengleichheit der Kinder zu verbessern.

Er gibt zu bedenken, dass die Gemeinden im Kanton Aargau sich derart unterschiedlich verhalten, dass mit einem einzelnen Berechnungsbeispiel keine Rückschlüsse auf die Familienpolitik in Gebenstorf geschlossen werden könne.

Fabian Keller (CVP), Ammann Gebenstorf

Fabian Keller (CVP), Ammann Gebenstorf

Zvg

In Bezug auf die Ausrichtung von Subventionsbeiträgen spielen diverse zusätzliche Faktoren mit, wie die Grösse einer Gemeinde, die Altersstruktur, die sozio-ökonomische Zusammensetzung der Einwohner, die unterschiedlichen Bedürfnisse, die Angebote und die Ausgestaltung des Tarifsystems, die mitberücksichtigt werden sollten.

«Gebenstorf hat sieben Kindergartenabteilungen und eine vollausgebaute Schule», sagt Ammann Keller. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln seien gerade für junge Familien die beiden Zentren Baden und Brugg wie die Kantons- und die Hochschulen im Viertelstundentakt erreichbar. «Wir bezeichnen uns als sehr familienfreundlich und werden in den nächsten Jahren auch aufmerksam neue Modelle beobachten und bei Bedarf prüfen.»

Zurzibiet: Kaum Nachfrage nach Beiträge an die Kita-Plätze

Im Zurzibieter Rheintal würde Familie Müller sogar leer ausgehen. «Der Bedarf an Betreuung von Vorschulkindern ist in unseren Gemeinden gering», sagt die Rekinger Gemeindeschreiberin Marion Marty. Dies habe eine Umfrage bei den rund 2700 Einwohnern in Rekingen, Baldingen, Böbikon, Kaiserstuhl, Mellikon, Rümikon und Wislikofen ergeben, die ihre Verwaltungen im Verband Verwaltung 2000 zusammenlegten.

Seit August 2018 sind gerade mal drei Anträge eingegangen. In Tagesfamilien hingegen werden zurzeit sechs Kinder betreut. Diese Kosten für die Müllers würden bei zwei Betreuungstagen pro Woche mit rund 100 Franken pro Monat subventioniert. Denn alle sieben Dörfer sind Mitglied des Vereins Tagesfamilie. Marion Marty sagt:

Die Strategie der Gemeinderäte war deshalb der Ausbau der Tagesstrukturen an der Kreisprimarschule Chrüzlibach.

Diese Leistungen würden für die Beispielfamilie mit 40 Prozent subventioniert. «Leider wurde aber dieses Angebot nicht genutzt und aus diesem Grund wieder eingestellt», sagt Marty. Ab 2022 gelten allerdings wieder andere Reglemente: Die Gemeinden der Verwaltung 2000 (mit Ausnahme von Mellikon) fusionieren mit Bad Zurzach und Rietheim zur neuen Grossgemeinde Zurzach.

Böttstein subventioniert Spielgruppe – freiwillig

Auch in Böttstein ist der Beitrag mit 84 Franken pro Monat vergleichsweise tief. Gemeinderätin Alexa Cester erklärt, dass der Gemeinde die Unterstützung der Familien und die soziale sowie sprachliche Integration der Kinder trotz angespannter finanzieller Lage sehr wichtig sei.

Wir unterstützen deshalb die unteren Einkommen stärker.

Sowohl bei den Beiträgen für die Kita als auch beim Mittagstisch oder der Randstundenbetreuung. «Zudem subventionieren wir die Spielgruppe, obwohl dies nicht Pflicht wäre.» Damit will die Gemeinde Böttstein ein niederschwelliges Angebot auch für jene Kinder schaffen, die mehrheitlich von Familienangehörigen oder Bekannten betreut werden und aus bildungsferneren Familien stammen.

«Gerade diese Kinder können enorm davon profitieren und sind so besser auf den Schuleintritt vorbereitet.» Ausserdem verfüge die Spielgruppe über entsprechende Zertifikate mit dem Fokus auf die sprachliche Integration.

Würenlos, Leibstadt und Full-Reuenthal: Bürgerliche Dörfer, aber hohe Subventionen

Am höchsten fallen die Kita-Subventionen in den Zurzibieter Gemeinden Full-Reuenthal und Leibstadt sowie der Gemeinde Würenlos im Bezirk Baden aus. Das bürgerliche Dorf Würenlos gehörte um die Jahrtausendwende zu den drei kinderreichsten Gemeinden der Schweiz (im Verhältnis zur Bevölkerung). Würenlos kennt schon seit 13 Jahren ein Tarifsystem für die örtlichen Tagesstrukturen der Kinder-Oase.

Seit August 2018 müssen die Gemeinden die Eltern einkommensabhängig bei den Kitabeiträgen finanziell unterstützen.

Seit August 2018 müssen die Gemeinden die Eltern einkommensabhängig bei den Kitabeiträgen finanziell unterstützen.

Gaetan Bally / KEYSTONE

Das frühere Würenloser Reglement war denn auch eines der drei Musterbeispiele, die der Kanton vor der Umsetzung des Kinderbetreuungsgesetzes auf seiner Website für die anderen Gemeinden aufschaltete. «Die Beiträge, welche die Gemeinde Würenlos zahlt, sind ein klares Bekenntnis zu den Tagesstrukturen und zur Unterstützung von Familien», sagt Gemeindeschreiber Daniel Huggler.

Das für die Berechnung der Beiträge massgebende Einkommen entspricht in Würenlos dem steuerbaren Einkommen – ohne Aufschläge wie Einkäufe in die 2. oder 3. Säule, wie es in den meisten Gemeinden üblich ist. Auch kennt Würenlos keine Aufschläge bei steuerbarem Vermögen.

Wer aber ein steuerbares Vermögen von über 350'000 Franken ausweist, erhält keine Beiträge mehr. «Damit berücksichtigt die Gemeinde bewusst den Umstand, dass viele Eltern zwar Vermögen in Form von Wohneigentum besitzen, dieses für die Finanzierung der Kinderkrippe jedoch nicht flüssig gemacht werden kann.»