Zusammenschluss
Vor fünfzehn Jahren lehnte Schneisingen eine Fusion ab: Jetzt geht die Gemeinde selber auf Brautschau

Kommt es im Zurzibiet bald zur nächsten Fusion? Schneisingen nimmt in Kürze Gespräche mit mehreren Gemeinden auf. Darunter auch Siglistorf, denen man 2006 noch einen Korb gab.

Stefanie Garcia Lainez und
Daniel Weissenbrunner
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Quo vadis Schneisingen? Der Gemeinderat streckt die Fühler zu den Nachbargemeinden aus.

Quo vadis Schneisingen? Der Gemeinderat streckt die Fühler zu den Nachbargemeinden aus.

Foto: Sandra Ardizzone

Die Fusion von Bad Zurzach, Baldingen, Böbikon, Kaiserstuhl, Rekingen, Rietheim, Rümikon und Wislikofen zur neuen Gemeinde Zurzach ist noch nicht in Kraft, da streckt bereits der nächste Ort im Bezirk seine Fühler aus: Etwas überraschend hat Schneisingen mitgeteilt, in den kommenden Jahren einen Zusammenschluss mit einer oder mehreren umliegenden Gemeinden prüfen zu wollen.

Sinneswandel: Noch im Dezember auf Eigenständigkeit gesetzt

Schneisingens Ammann Adrian Baumgartner.

Schneisingens Ammann Adrian Baumgartner.

Foto: zvg

Überraschend deshalb, weil die Stimmbevölkerung 2006 eine Heirat mit Siglistorf an der Urne abgelehnt hatte und Ammann Adrian Baumgartner noch im Dezember erklärte, dass Schneisingen möglichst eigenständig bleiben will. Die Gemeinde sei gut aufgestellt. Zum einen personell mit der Verwaltung und der Schule inklusive Tagesstrukturen, zum anderen auch finanziell. «Wir haben deshalb keinen Fusionsdruck», sagte er damals.

Daran habe sich nichts geändert, so Baumgartner. Die Gemeinde stehe nach wie vor solid da. Aber die Herausforderungen auf kommunaler Ebene würden in den kommenden Jahren zunehmen. Adrian Baumgartner:

«Wir wollen nicht plötzlich unter Zeitdruck neue Organisationsformen auf die Beine stellen müssen. Deshalb wollten wir die Chance auf Gespräche nutzen.»


Der Schneisinger Gemeinderat setzte sich an einem Workshop diesen Frühling eingehend mit dem Thema auseinander und entschied sich, einen Zusammenschluss zu prüfen. «Nach diesem Entschluss sahen wir keinen Grund, noch länger zuzuwarten, sondern wollen nun proaktiv auf die umliegenden Gemeinden zugehen», sagt Adrian Baumgartner.

Dies aus mehreren Gründen: Eine Grossgemeinde Surbtal ist in der Region schon länger ein Thema. Zudem treten in Schneisingen alle fünf Gemeinderatsmitglieder wieder zu den Gesamterneuerungswahlen an. Deshalb dürfte es kaum zu grossen personellen Veränderungen kommen. Und zu guter Letzt wolle der Gemeinderat seiner Bevölkerung gegenüber transparent sein, so der Ammann.

Auch Siglistorf unter den Kandidaten

Im Herbst sollen die ersten Gespräche mit den Gemeindeammännern stattfinden. In der kommenden Legislaturperiode soll sich zeigen, ob die Idee eines Zusammenschlusses vertieft geprüft wird. Der Fächer sei mit den explizit genannten Gemeinden Ehrendingen, Freienwil, Lengnau, Endingen, Tegerfelden und auch Siglistorf bewusst offen gehalten worden. «Wir möchten eine gute und ehrliche Diskussion, die Pro und Kontras beleuchtet und deren Ergebnis offen ist», sagt Baumgartner. «Was sich entwickelt, steht und fällt mit der Bevölkerung.»

Erstaunt vom Vorgehen ist man in Siglistorf, jener Gemeinde, die 2006 eine Absage aus Schneisingen erhielt. «Wir sind für Gespräche immer offen, aber Stand jetzt besteht für uns kein Grund für eine Fusion», sagt Ammann Stefan Schuhmacher. Siglistorf stehe gut da. «Wir haben unsere Hausaufgaben in den vergangenen Jahren gemacht.» Ausserdem hätten wohl einige Personen das Nein von Siglistorf vor vierzehn Jahren noch nicht überwunden.