Genf

71 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht: Die Uno will endlich Lösungen

71 Millionen sind auf der Flucht. So viel waren es selten. Hier ziehen Flüchtlingsströme durch Slowenien.

71 Millionen sind auf der Flucht. So viel waren es selten. Hier ziehen Flüchtlingsströme durch Slowenien.

Es besteht eine Flüchtlingskrise. Am ersten Flüchtlingsforum der Uno sollen ab heute konkrete Hilfsmassnahmen beschlossen werden.

Flüchtlinge: Sie sind nebst dem Klimawandel das derzeit drängendste Thema der internationalen Politik. Heute und morgen treffen sich Regierungsvertreter aus aller Welt und Uno-Generalsekretär António Guterres in Genf zum ersten Globalen Flüchtlingsforum, das die konkrete Umsetzung des Uno-Flüchtlingspakts von 2018 festlegen soll. Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Worum geht es bei dem ersten Uno-Flüchtlingsforum?

Angesichts der Flüchtlingskrise beschlossen mehr als 170 Länder im vergangenen Dezember, mehr Hilfe für die Flüchtenden bereit zu stellen. Dazu verabschiedeten sie 2018 den Globalen Flüchtlingspakt. Ein zentrales Element des Paktes ist das Flüchtlingsforum. Die teilnehmenden Staaten sollen auf dem Forum finanzielle Mittel für die Flüchtlingshilfe sprechen. Auch technische Unterstützung wie etwa Fahrzeuge, Generatoren oder Unterkünfte sollen bereitgestellt werden. Ferner sollen sich die teilnehmenden Länder dazu bereit erklären, besonders notleidende Flüchtlinge langfristig aufzunehmen. Firmen, die ebenfalls am Forum teilnehmen, können Ausbildungs- und Arbeitsplätze bereitstellen.

© CH Media

Wie viele Menschen sind weltweit auf der Flucht?

Nie seit dem Zweiten Weltkrieg (1939 bis 1945) waren mehr Menschen auf der Flucht vor Krieg und Gewalt als heute. Das Flüchtlingshilfswerk UNHCR schätzt ihre Zahl auf knapp 71 Millionen. Darunter befinden sich knapp 26 Millionen Kinder, Frauen und Männer, die völkerrechtlich zu den Flüchtlingen gehören, weil sie aus ihrem Heimatland in ein anderes Land flüchten müssten. Daneben irren mehr als 41 Millionen Menschen in ihrem eigenen Land als sogenannte Binnenflüchtlinge umher.

Was sind die drängendsten Probleme?

Kein Geld, kein Schutz, keine Hoffnung: Die meisten Flüchtlinge kommen aus den armen Ländern des sogenannten globalen Südens, vor allem aus Asien und Afrika. Viele von ihnen flüchteten in benachbarte Staaten, in denen die Bevölkerung selbst Not leidet. So geht die Uno beispielsweise davon aus, dass seit 2017 rund 750000 Menschen der muslimischen Rohingya-Volksgruppe aus Myanmar sich im bitterarmen Nachbarland Bangladesch in Sicherheit gebracht haben. Die finanziell schwachen Aufnahme-Staaten können die Versorgung der Flüchtlinge alleine nicht stemmen. Auch das jährliche Budget des UNHCR von rund acht Milliarden Euro reicht dafür nicht aus. Fehlendes Geld ist ein Grund, weshalb mehr als die Hälfte aller Flüchtlingskinder keine Schuldbildung erhalten. Daneben können etliche Aufnahmeländer den Flüchtlingen keinen Schutz bieten. So harren Zehntausende Flüchtlinge aus dem Bürgerkriegsland Südsudan in der gewaltgeplagten Demokratischen Republik Kongo aus. Viele Menschen fristen jahrelang ein Dasein als Flüchtling, manche sogar für Jahrzehnte. Das schwere Schicksal schmälert jede Hoffnung auf ein besseres Leben.

Wer kommt ans erste Uno-Flüchtlingsforum?

Organisiert wird das Forum vom UNHCR und der Schweiz. Prominente Gäste sind der türkische Präsident Reccep Tayyip Erdogan, der bereits gestern für ein Treffen mit seinen Anhängern nach Genf gereist war. Daneben nehmen auch der Schweizer Aussenminister Ignazio Cassis, der deutsche Aussenminister Heiko Maas und Delegationen aus Äthiopien, Amerika oder Pakistan teil. Auch Flüchtlinge selber kommen am Forum zu Wort. Die Hilfsorganisation Oxfam bemängelt jedoch, dass die Flüchtlinge zu schwach vertreten sind. Unter den insgesamt 2700 Teilnehmern des Forums finden sich nur einige Dutzend Flüchtlinge.

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