Bei der nächsten Bundestagswahl, die regulär 2021 ansteht, wolle sie nicht wieder als Spitzenkandidatin antreten und auch nicht für den Bundestag kandidieren, sagte Merkel am Montag nach einer CDU-Präsidiumssitzung vor der Presse. Sie strebe auch kein anderes politisches Amt mehr an.

Man könne nicht einfach zur Tagesordnung übergehen, sagte Merkel nach den heftigen Verlusten der Berliner Regierungsparteien bei den Landtagswahlen in Hessen am Sonntag und in Bayern am 14. Oktober. Bereits am Montagmorgen war durchgesickert, dass Merkel nicht nochmals für den Parteivorsitz kandidieren wird.

Beim CDU-Bundesparteitag im Dezember in Hamburg steht turnusgemäss die Neuwahl des Bundesvorstands an. Merkelist seit 2000 CDU-Chefin und seit 2005 Kanzlerin. Bei der Landtagswahl am Sonntag in Hessen hatte die CDU zweistellige Verluste erlitten. Ähnlich war es der Schwesterpartei CSU in Bayern ergangen.

"Die nackten Zahlen sind überaus enttäuschend. Sie sind bitter", sagte Merkel. Die CDU habe die Bürgerinnen und Bürger nicht ausreichend überzeugen können. "Ich wünsche mir, den gestrigen Wahltag als Zäsur zu nehmen", sagte Merkel weiter. Dann könnte so eine Zäsur auch eine Chance sein.

"Ich habe mir immer gewünscht, meine staats- und parteipolitischen Ämter in Würde zu tragen und in Würde zu verlassen", sagte Merkel. Die Kanzlerin hatte in der Vergangenheit immer bekräftigt, dass Parteivorsitz und Kanzlerschaft in eine Hand gehörten. Nun weiche sie von ihrer bisherigen Überzeugung ab, sagte sie am Montag. Weil klar sei, dass sie nicht wieder antrete, könne man dies für eine begrenzte Zeit tun.

Der Rückzug Merkels vom Parteivorsitz kommt einen Tag nach der Landtagswahl in Hessen: Dort ist die CDU zwar erneut stärkste Kraft geworden, die Christdemokraten rutschten im Vergleich zur Wahl vor fünf Jahren aber um 11,3 Punkte auf 27 Prozent ab.

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