"Es war eines der Hauptereignisse, eine der entscheidenden Wendungen in der Geschichte, die es uns ermöglichte, unsere verlorene Unabhängigkeit wiederzugewinnen", sagte der lettische Regierungschef Krisjanis Karins an einer gemeinsamen Gedenkveranstaltung mit seinen baltischen Amtskollegen am Freitag in Riga.

Estlands Regierungschef Jüri Ratas bezeichnete den Baltischen Weg als einen "gemeinsamen Traum". "Wir wollten Freiheit", sagte er. Sein litauischer Amtskollege Sauilius Skvernelis verwies auf die Errungenschaften der drei heutigen EU- und Nato-Staaten in den vergangenen 30 Jahren. Er erinnerte zugleich aber auch an die "grossen Opfer und Verluste" der baltischen Staaten unter totalitärem Regime.

Am 23. August 1989 hatten rund zwei Millionen Esten, Letten und Litauer mit einer 600 Kilometer langen Menschenkette von Tallinn (Estland) über Riga (Lettland) bis nach Vilnius (Litauen) für ihre Freiheit und Unabhängigkeit demonstriert.

Damit erinnerten sie an den 50. Jahrestag der Unterzeichnung des deutsch-sowjetischen Nichtangriffspaktes. Das geheime Zusatzprotokoll des sogenannten Hitler-Stalin-Paktes gab der Sowjetunion freie Hand für die Eroberung der baltischen Staaten, die erst 1991 wieder unabhängig wurden.

Zusammen mit Polen und Rumänien

In einer gemeinsamen Erklärung erinnerten die Aussenminister der baltischen Staaten zusammen mit ihren Amtskollegen aus Polen und Rumänien an die Opfer stalinistischer und nationalsozialistischer Verbrechen. In einer gemeinsamen Erklärung betonten sie: "Schmerz und Ungerechtigkeit werden niemals in Vergessenheit geraten. Wir werden uns erinnern".

Nach Ansicht der Regierungschefs hat die Menschenkette von 1989 begonnen, den Eisernen Vorhang einzureissen und die Grundlage für den Anfang vom Ende der Sowjetunion gelegt.

"Wenn es den Baltischen Weg nicht gegeben hätte, wäre die Berliner Mauer meines Erachtens nicht zusammengebrochen", sagte Skvernelis. Karins betonte, dass in beiden Fällen die Veränderung vom Willen und der Macht des Volks ausgegangen sei.

Mit Blick auf Hongkong, wo Demonstranten an diesem Freitag eine Menschenkette nach dem Vorbild des "Baltischen Wegs" bildeten, betonten die baltischen Ministerpräsidenten das Recht auf freie Meinungsäusserung. Die Proteste sollten aber immer gewaltfrei bleiben, erklärten sie.

Auch in Bulgarien

Und auch in Bulgarien gedachten Kommunismus-Kritiker und Demokraten am 80. Jahrestag des Hitler-Stalin-Paktes der Opfer des Nationalsozialismus und des Kommunismus.

"An diesem Tag (vor 80 Jahren) erzielten zwei totalitäre Regime, die als braune und rote Pest bekannt sind, eine Einigung, Polen aufzuteilen und leiteten damit den Auftakt zum Zweiten Weltkrieg ein", sagte am Freitag der Chef der antikommunistischen Partei Verband der demokratischen Kräfte (SDS), Rumen Hristow. Er sprach bei einem Trauerakt an der Gedenkstätte für die Opfer des Kommunismus in Sofia.

Das damalige Königreich Bulgarien war im Zweiten Weltkrieg mit Nazi-Deutschland verbündet. Nach dem Fall des Kommunismus wurde 1989 der oppositionelle antikommunistische Dachverband SDS gegründet. Die gleichnamige Nachfolgepartei ist seit gut zwei Jahren nicht mehr im bulgarischen Parlament vertreten.