Interview

Biografin von Sebastian Kurz: «Unsere Enthüllung ist für ihn sehr unangenehm»

Sebastian Kurz am 14. September am Welser Volksfest.

Sebastian Kurz am 14. September am Welser Volksfest.

Die Biografin von Sebastian Kurz, Barbara Toth, über den alten und sehr wahrscheinlich neuen Kanzler Österreichs.

Die Politjournalistin Barbara Toth war nicht willkommen vorletzte Woche beim Hintergrundgespräch der Österreichischen Volkspartei (ÖVP). Zuvor hatte sie zusammen mit ihren Kollegen des linken Wiener Stadtmagazins «Falter» enthüllt, dass die Partei des Altbundeskanzlers Sebastian Kurz nicht nur mehr Geld als erlaubt in den Wahlkampf gesteckt hatte, sondern dies auch bewusst so kalkuliert hatte.

Sie zählt zu den besten Kennerinnen von Kurz – zusammen mit Nina Horaczek verfasste sie ein Buch über «Österreichs Wunderkind».

Barbara Toth ist Journalistin beim Wiener Stadtmagazin Falter. Sie schrieb eine Biografie über Sebastian Kurz.

Barbara Toth ist Journalistin beim Wiener Stadtmagazin Falter. Sie schrieb eine Biografie über Sebastian Kurz.

Warum steht Sebastian Kurz’ Wahl praktisch schon fest?

Der historische Hintergrund ist der Sommer 2015. Die Verunsicherung über die Flüchtlinge war die Welle, auf der er 2017 Kanzler wurde. Er inszeniert sich als Schützer der österreichischen Identität. Obwohl das Thema heute nicht mehr im Vordergrund steht, profitiert er immer noch vom Schwung von damals. Kurz ist zudem ein wahnsinnig guter Stratege und hat ein professionelles Team. Und heute wissen wir, dass er unerlaubt viel Geld in seine Kampagnen investierte. 13 Millionen statt der erlaubten 7 Millionen.

Wähler lassen sich nicht einfach so von teuren Kampagnen verführen. Spielt das Geld ein so grosse Rolle?

Bei der ersten Wahl im Jahr 2017 spielte das Geld eine grosse Rolle. Kurz leistete sich eine unfassbar professionelle Kampagne, die dann auch Preise gewann. Bei den Wahlkämpfen geht es vor allem um Mobilisierung und da spielt Werbung und damit Geld eine wichtige Rolle. Es ist wie beim Autofahren, wenn ich doppelt so viel Benzin zur Verfügung habe, komme ich ganz einfach weiter.

Welche Wirkung hat die Enthüllung der Überschreitung der Wahlkampfkostenlimite auf Kurz?

Ich glaube, es ist ihm schon sehr unangenehm. Schliesslich ist er angetreten mit dem Versprechen von Sparsamkeit und einem neuen Stil. Und dann kommt raus, dass seine Partei das Budget um fast das Doppelte überzogen hat, während die anderen Parteien vielleicht ein paar Hunderttausend Euro über der 7-Mio-Grenze lagen.

Welche Rolle spielt der Kurz-Faktor? Könnte ein Kurz auch in einer SPÖ gewinnen?

Heute ist das natürlich unvorstellbar, aber ich denke, dass er tatsächlich auch mit den Sozialdemokraten hätte aufsteigen können. Er ist ein sehr talentierter Marketing-Politiker, der seine Karriere zielstrebig verfolgt. Zudem konnte er auch dank seiner Jugend vermitteln, dass er jemand neuer ist, der einen neuen Stil bringt.

Wie viel Karrierist steckt in Sebastian Kurz und wie viel Ideologe?

Das ist schwierig zu sagen. Aber er hat in seiner Karriere schon einige Wenden vollzogen. Früher hat er als Staatssekretär in der Migrationsfrage sehr offene Positionen vertreten, hat als erster Konservativer Österreich ein Einwanderungsland genannt. Heute ist er stolz auf seine harte Linie gegen Flüchtlinge. Das wahr wohl tatsächlich ein ideologischer Wandel. Beim Umweltschutz, den er nun mit dem Thema Wasserstoff-Antriebe hervorgeholt hat, geht es wohl eher um Taktik.

Barbara Toth & Nina Horaczek: Österreichs neues Wunderkind? Residenz Verlag, Salzburg 2017

Barbara Toth & Nina Horaczek: Österreichs neues Wunderkind? Residenz Verlag, Salzburg 2017

Wie geht es weiter mit Kurz? Ihm wird nachgesagt, er wolle einen UNO oder EU- Spitzenposten

Das halte ich für gut möglich. An Ambitionen hat es ihm auf jeden Fall nie gefehlt.

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