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China drängt zum Mars – noch diesen Juli soll eine Mission gestartet werden

Testflug mit der Mars-Sonde: Peking will noch diesen Monat in Richtung roter Planet aufbrechen.

Testflug mit der Mars-Sonde: Peking will noch diesen Monat in Richtung roter Planet aufbrechen.

Peking startet seine erste Mars-Mission in den nächsten Tagen. China könnte zum zweiten Land nach den USA werden, das auf dem Mars landet. Trotz Corona läuft das das Raumfahrtprogram auf Hochtouren – auch wenn nicht immer alles nach Wunsch läuft.

In der kargen Dünenlandschaft der Wüste Gobi hat die chinesische Firma C-Space eine Weltraumstation namens «Mars Base 1» errichtet: Angehende Astronauten und Schulklassen auf Exkursion können in den weissen Kuppelgebäuden lernen, wie der Alltag im All ausschaut – vom Tragen luftdichter Raumanzüge bis hin zur Zucht von Fadenwürmern für die Eiweisszufuhr. Selbst futuristische Space-Buggys stehen zum Fahren in der rötlichen Sandwüste bereit.

Im diesem Juli werden die Mars-Ambitionen schliesslich Realität: China lässt in den kommenden Tagen seine erste Mars-Mission steigen. «Tianwen» heisst das Mammutprojekt, dessen Flugdauer mehrere Monate dauern wird. Schliesslich gilt es, eine Distanz von rund 55 Millionen Kilometern zu überwinden. Ziel ist es, einen 240 Kilogramm schweren Rover auf dem roten Planeten landen zu lassen. Bislang ist das nur den Vereinigten Staaten gelungen. Und sollte die Mission scheitern, bietet sich erst in 26 Monaten eine erneute Chance: Dann nämlich steht die Erde günstig für die Flugbahn zum Mars.

Streng geheimes Projekt mit Milliarden-Budget

Längst hat die chinesische Staatsführung ihr Weltall-Programm zur Chefsache erklärt, es untersteht dem Militär und wird streng geheim gehandhabt. Das jährliche Budget soll laut Schätzungen über acht Milliarden US-Dollar betragen, womit es weltweit nach den Vereinigten Staaten an zweiter Stelle steht. Für die kommunistische Partei sind die Space-Ambitionen nicht nur ein wichtiger wirtschaftlicher Wachstumsmotor für die Zukunft, sondern auch ein prestigeträchtiges Propaganda-Projekt.

1970 feuerten die Chinesen ihre erste Satellitenrakete ins All, damals noch mit Hilfe der sowjetischen Ingenieurskunst. Im Jahr 2003 gelang der Volksrepublik dann erstmals, einen Menschen zu entsenden – Astronaut Yang Liwei ist seitdem ein Volksheld, der die Bevölkerung mit Stolz erfüllt. Der bisher grösste Meilenstein Chinas erfolgte im Januar, als die erste Landung einer Sonde auf der erdabgewandten Seite des Mondes überhaupt gelang. Seitdem hat der 140 Kilogramm schwere Kundschafter in 17 Monaten über 400 Meter zurückgelegt. Derzeit schickt zudem kein anderes Land der Welt mehr Satelliten ins All, im letzten Jahr waren es über 30 Starts.

Die Zukunftspläne der chinesischen Raumfahrt sind ambitioniert: Missionen zum Jupiter und Uranus sind in Planung, genau wie die Errichtung einer Forschungsstation am südlichen Polarkreis des Monds. Gleichzeitig will man noch bis Ende 2022 seine erste permanente Weltraumstation fertigstellen – sollte die ISS 2024 abdanken, würden die Chinesen die einzige bemannte Raumstation stellen.

Nicht immer spielt die Technik mit

Dies ist umso erstaunlicher, da es dem Reich der Mitte aufgrund nationaler Sicherheitsbedenken von Washington untersagt ist, Bauteile von US-Firmen zu integrieren. Gleichzeitig hat Peking einen strategischen Vorteil: Da es im Land keine freien Wahlen gibt, kann Präsident Xi Jinping seine Vision von China als führende Weltallmacht kontinuierlich vorantreiben, ohne Debatten über die Sinnhaftigkeit des sündhaft teuren Programms von Seiten der Zivilgesellschaft fürchten zu müssen.

Denn trotz Coronakrise zieht die Regierung ihre Ziele ohne Handbremse durch. Nur die Technik spielt manchmal nicht mit: Im März hätte ein neuer Raketentyp namens «Langer Marsch 7A» von der Insel Hainan abheben sollen. Zwei Stunden später vermeldeten die staatlichen Medien, dass der Start nicht geglückt ist. Die Gründe dafür sind – wie so vieles in der chinesischen Raumfahrt – streng geheim.

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