Corona-Virus

Chinas radikale Kur zeigt Wirkung: Kehrt jetzt bereits die Normalität zurück?

Chinesische Pfleger desinfizieren Behandlungsplätze für Corona-Patienten.

Chinesische Pfleger desinfizieren Behandlungsplätze für Corona-Patienten.

Das Riesenreich hatte am Mittwoch keine Neu-Ansteckungen mehr. Die Massnahmen bleiben – aus Angst vor einer zweiten Ansteckungswelle.

Es ist ein dramatischer Wendepunkt im Verlauf der Virus-Pandemie: Während die Anzahl an Toten in Europa mittlerweile über den Werten Chinas liegen, vermeldete die Volksrepublik erstmals seit Beginn des Ausbruchs landesweit keine einzige Neuinfektion innerhalb der letzten 24 Stunden.

Der epidemiologische Sieg ist für die Regierung aber kein Grund zum Aufatmen. Strenge Kontrollen und Präventionsmassnahmen würden weiterhin gebraucht, sagte der Epidemiologe Li Lanjuan. Denn eine zweite Infektionswelle könne jederzeit ausbrechen: In der letzten Woche vermeldete die Nationale Gesundheitskommission regelmässig «importierte Fälle».

Alle ausländischen Einreisenden müssen sich für 14 Tage in «konzentrierte Quarantänezentren» begeben. Tatsächlich handelt es sich dabei um zwei umfunktionierte Hotels, in denen die unfreiwilligen Gäste ihre Zimmer nicht verlassen dürfen – und die rund 900 Euro für ihren zweiwöchigen Aufenthalt selbst zahlen müssen.

Der Erfolg kommt also mit einem bitteren Wermutstropfen: Innerhalb Chinas könnte schon bald eine virusfreie Zone entstehen. Dennoch wird sich das Land unter grossen wirtschaftlichen Kosten weiterhin abschotten müssen – bis letztlich ein Impfstoff gegen das Virus gefunden sein wird.

Ausländer stehen unter Generalverdacht

Die Wirtschaft kehrt derweil langsam wieder zur Normalität zurück: Restaurants öffnen wieder, dürfen aber nur wenige Kunden bedienen. U-Bahnen füllen sich ebenfalls. Temporäre Corona-Virus-Krankenhäuser schliessen. Vereinzelt trauen sich auch wieder Passanten ohne Gesichtsmaske auf die Strasse.

In Peking äussert sich die geänderte Wahrnehmung auch im Alltag: In den U-Bahn-Zügen ist immer wieder zu beobachten, dass etliche Passagiere ihren Sitzplatz wechseln, sobald eine europäisch aussehende Person den Waggon betritt. Auf der Strasse machen einige einen grossen Bogen um die «Westler». Die Angst ist gross, dass die ausländischen Gäste das Virus in sich tragen könnten.

Wenn die Weltgemeinschaft irgendwann die Frage nach der Verantwortung stellt, dann werden Kritiker die Kommunistische Partei möglicherweise zur Rechnung ziehen. Das Magazin Caixin etwa berichtet, dass die staatlichen Behörden Ärzten in Wuhan befohlen haben, Virusproben zu vernichten und die Öffentlichkeit nicht von den neuen Erregern zu unterrichten.

Letztendlich hat es bislang den Anschein, als ob die Vertuschungsaktionen der Regierung insgesamt mehrere Wochen beim Kampf gegen das Virus gekostet haben. Ob daran die Lokalregierung von Wuhan schuld ist, wie die Zentralregierung in Peking behauptet, oder tatsächlich Präsident Xi Jinping schon viel früher von dem Virus wusste, lässt sich noch nicht abschliessend belegen.

Solidarität, Überwachung und Erinnerung an 2003

Genauso stimmt es aber, dass China unter grossen Anstrengungen und wirtschaftlichen Kosten die Epidemie unterdrücken konnte. Dies gelang mit öffentlicher Überwachung, strengen Reise- und Quarantänebeschränkungen und vor allem einer sich solidarisch zeigenden, disziplinierten Bevölkerung.

Diese war auf eine Epidemie vorbereitet. Schliesslich erinnern sich viele Chinesen noch an die SARS-Epidemie von 2003. Den meisten war instinktiv klar, dass das Corona-Virus gefährlich werden könnte und der Kampf gegen die Epidemie die gemeinsame Anstrengungen eines jeden einzelnen benötigt.

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