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Chinesen attackieren mit Baseball-Schläger deutsches Fernseh-Team

ARD-Teamwagen kaputt: So sieht der ARD-Teamwagen nach dem Überfall durch Schlägertrupps aus! Das war richtig knapp», schreibt ein deutscher Auslandkorrespondent auf Twitter und publiziert dieses Bild dazu

ARD-Teamwagen kaputt: So sieht der ARD-Teamwagen nach dem Überfall durch Schlägertrupps aus! Das war richtig knapp», schreibt ein deutscher Auslandkorrespondent auf Twitter und publiziert dieses Bild dazu

Zum zweiten Mal innerhalb eines halben Jahres haben Schläger in China ein deutsches Fernsehteam angegriffen. Damit verdichtet sich die Vermutung, dass die Behinderung von Auslandskorrespondenten System hat.

Offiziell verspricht Chinas neue Führung Transparenz und mehr Rechtsstaatsbewusstsein. Beim lokalen Parteisekretär scheint diese neue Offenheit aber noch nicht angekommen zu sein.

Bereits zum zweiten Mal innerhalb von sechs Monaten hat ein Schlägertrupp ein Fernsehteam der ARD angegriffen.

Mit Baseball-Schläger angegriffen worden

«So sieht der ARD-Teamwagen nach dem Überfall durch Schlägertrupps aus! Das war richtig knapp», schreibt ein deutscher Auslandkorrespondent auf Twitter und publiziert ein Bild dazu.

Der Übergriff ereignete sich am Mittwoch. Augenzeugen berichten, dass der örtliche Parteisekretär beteiligt sein könnte. Zumindest soll ein der am Übergriff beteiligten Fahrzeuge ihm gehören.

Wie der Verein der Auslandskorrespondenten in Peking (FCCC) berichtet, ist das deutsche Fernsehteam um ARD-Leiterin Christine Adelhardt nur «knapp schweren Verletzungen» entgangen, nachdem zwei Schläger mit Baseballkeulen auf den ARD-Wagen einschlugen.

Adelhardt war zusammen mit zwei deutschen und zwei chinesischen Mitarbeitern für Dreharbeiten in dem Dorf Da Yan Ge Zhuang, 50 Kilometer östlich von Peking in der Nähe der Stadt Sanhe, unterwegs.

Thema Urbanisierung – ein heikles Thema

Sie hatten zuvor Aufnahmen zum Thema Urbanisierung gemacht, ein in China heikles Thema - sind damit doch sehr oft Enteignungen und Zwangsräumungen verbunden.

Bereits während der Dreharbeiten seien sie von Männern beobachtet worden, die ihr «suspekt» vorkamen, berichtet Adelhardt. Daraufhin brach sie die Arbeiten ab.

Bei der Rückfahrt nach Peking wurden sie von vier oder fünf Autos verfolgt. Die Unbekannten drängten den ARD-Wagen von der Straße und erzwangen einen Stopp.

Zwei Männer haben dann das Fahrzeug attackiert und mit den Baseballschlägern auf die Windschutzscheibe eingeschlagen. Weitere sechs bis acht Leute hätten den Kleinbus des Fernsehteams mit Fäusten angegriffen, berichtet Adelhardt. Dem Fahrer der ARD gelang es nur mit Mühe den Angreifern zu entkommen.

Polizisten eskortierten das Team zur Wache

Als das Team auf zwei Polizisten auf Motorrädern stiess und um Hilfe bat, überholten die Angreifer das Fernsehteam erneut und schlugen wieder auf das Fahrzeug ein. Weitere Polizisten eskortierten das Team dann zur Wache der Stadt Sanhe. Vertreter der deutschen Botschaft aus Peking eilten zur Hilfe. Mehr als 16 Stunden dauerte die Beweisaufnahme, so Adelhardt.

Im vergangenen August hatte ein Schlägertrupp schon einmal das Team bei Dreharbeiten bedroht und angegriffen. Damals recherchierte die ARD vor einer Chemiefabrik in der Provinz Henan, um über die ausufernde Umweltverschmutzung in vielen Regionen Chinas zu berichten. Auch damals konnte das Team nur unter Polizeischutz sicher nach Peking zurück kehren.

«Erlaubnis» für Dreharbeiten

Später behaupteten die Behörden: Die Anwohner hätten das Fernsehteam der Industriespionage verdächtigt. Dieses Mal, so Adelhardt, habe ein zuständiger Polizeibeamter ihr zwar zugesichert, dass das Fernsehteam mit den Dreharbeiten nicht gegen das chinesische Pressegesetz verstoßen habe. Es wäre dennoch besser gewesen, vorher «eine Erlaubnis» für die Dreharbeiten einzuholen.

Die Behinderung der Auslandskorrespondenten in China hat ganz offensichtlich System. Im Dezember traf es den Spiegel-Korrespondenten, als auf einer Recherchereise in der Provinz Guizhou Unbekannte in sein Hotelzimmer einbrachen und seine Arbeitsgeräte demolierten.

In einer Umfrage des FCCC erklärten 98 Prozent der befragten Journalisten, dass internationale Standards für die Berichterstattung nicht gewahrt seien.

Obwohl seit den Olympischen Spielen 2008 klar geregelt ist, dass Interviews und Dreharbeiten auch ohne ausdrücklicher Zustimmung der Behörden möglich sind, verwehren lokale Beamte und Parteichefs Reportern immer wieder Zutritt zu bestimmten Orten und schüchtern potenzielle Gesprächspartner ein.

Langjährige Korrespondenten sehen eine Verschlechterung der Lage selbst im Vergleich zu den 1990er Jahren.

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