Russland-Affäre

Das Netz zieht sich zusammen: Erste Einschätzungen aus den USA zur Manafort-Anklage

Paul Manafort wurde am Montag wegen Verschwörung gegen die USA angeklagt. (Archivbild)

Paul Manafort wurde am Montag wegen Verschwörung gegen die USA angeklagt. (Archivbild)

Was bedeutet die Anklage gegen Trumps Ex-Wahlkampfchef Paul Manafort für den Präsidenten? Vier Einschätzungen aus den US-Medien.

Paul Manafort, der frühere Wahlkampfchef von Donald Trump, wird wegen Verschwörung gegen die Vereinigten Staaten angeklagt. Der Sonderermittler Robert Mueller, der eine mögliche russische Einflussnahme auf den US-Wahlkampf untersucht, hat am Montag die Anklage in zwölf Punkten öffentlich gemacht. Doch was bedeutet dies für Präsident Trump? Hier vier Einschätzungen aus den US-Medien:

«Washington Post»: Trump hat nun drei Probleme

Trumps Aussagen werden mit den Anklagen gegen Manafort immer unglaubwürdiger, schreibt die «Washington Post». Die Zeitung geht vor allem auf drei Probleme ein, die sich Trump nun stellen:

  • Weil in der Russland-Affäre nun tatsächlich erste Anklagen fallen, wird es immer schwieriger für Trump, geheime Absprachen mit Russland als Fake News abzuqualifizieren.
  • Manafort ist erst der Anfang. Die «Washington Post» zitiert einige Experten, die meinen, dass Manafort als Randfigur genügend Anreize dazu hätte, brisante Informationen mit der Untersuchungskommission zu teilen. Falls Manafort kooperiert, könnte dies auf Trumps inneren Zirkel zurückfallen.
  • Immer wieder wetterte Trump, dass die Untersuchungen in der Russland-Affäre politisch motiviert seien. Da sich nicht Muellers Team, sondern eine unabhängige Grand Jury für eine Anklage gegen Manafort entschieden hat, wird es Trump schwer fallen, dieses Argument weiterhin zu benutzen.
Robert Mueller ist fein raus, weil eine unabhängige Jury die Anklage gegen Manafort erhoben hat.

Robert Mueller ist fein raus, weil eine unabhängige Jury die Anklage gegen Manafort erhoben hat.

«New York Times»: Der schwächste Präsident

Nach der Anklage gegen Paul Manafort und Rick Gates werde sich der Fokus schon bald auf die Reaktion Donald Trumps richten, schreibt David Leonhardt, Kolumnist der «New York Times», in einer ersten Einschätzung der Neuigkeiten. Dabei sei es entscheidend, sich vor Augen zu halten, welch schwacher Präsident Donald Trump bereits jetzt sei.

Betrachte man Trumps Ansehen in der amerikanischen Öffentlichkeit, bei den Republikanern im Kongress und selbst bei den Mitgliedern seines Kabinetts, heisst es in der «New York Times» sei «Trump wahrscheinlich schwächer als jeder andere Präsident in seiner ersten Amtszeit während der letzten hundert Jahre.»

«Fox News»: Die Anklage hat nichts mit Trump zu tun

Manafort und Rick Gates werden für etwas Angeklagt, das nichts mit Trumps Wahlkampf oder einer Russland-Connection zu tun hat. «Der Ermittler geht in die Richtung, in die ihn die Untersuchung treibt», analysiert «Fox News»-Blogger Erick Erickson. In diesem Fall bewege sich die Untersuchung halt von der Russland-Affäre weg, weil es keine handfesten Beweise für eine solche gebe.

Weiter sei die Annahme lächerlich, dass Manafort als Zeuge für die Russland-Connection umgedreht werden soll. Wäre Wladimir Putin wirklich in diese Affäre verwickelt, würde sich Manafort wohl kaum trauen, gegen ihn auszusagen.

«CNN»: Was die Anklagen über Trump sagen und was nicht

Die Anklage von Paul Manafort zeige einmal mehr, wie unbedarft Trump hohe Positionen in seinem Wahlkampf-Team und in seiner Administration vergibt, schreibt «CNN». Denn: Entweder wusste Trump von Manaforts unheiliger Ukraine-Vergangenheit und es war ihm egal oder er wusste nichts davon.

Beides werfe ein schlechtes Licht auf das Auswahlverfahren des US-Präsidenten. Es gebe aber zum jetzigen Zeitpunkt keine Anzeichen dafür, dass Manaforts Anklage in irgendeinem Zusammenhang mit Trumps Präsidentschaftswahlkampf von 2016 stehe. (cbe/leo)

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