Friedrich Merz: die Hoffnung

Kaum hatte Angela Merkel Ende Oktober ihren Verzicht auf den Parteivorsitz bekannt gegeben, meldete der 63-jährige Friedrich Merz seine Ambitionen an. Der Jubel in wirtschaftsliberalen und konservativen Kreisen in der CDU war gross. Merz’ Kandidatur hat allerdings den Ruch der Revanche.

2002 wurde der damalige Fraktionsvorsitzende von der aufstrebenden Angela Merkel aus dem Amt gedrängt. 2004 verabschiedete er sich in die Wirtschaft, der Jurist arbeitete als Anwalt und wurde unter anderem Aufsichtsratsvorsitzender des deutschen Ablegers des Vermögensverwalters Black Rock.

Er verbinde mit seinem Comeback keine Rachegelüste gegenüber Merkel, betonte Merz und versicherte, als Parteivorsitzender gut mit der Kanzlerin zusammenarbeiten zu können. Merz trat in den ersten Wochen seiner Kandidatur in einige Fettnäpfchen.

Zuerst bezeichnete er sich mit einem Einkommen von einer Million Euro jährlich als Teil des «gehobenen Mittelstandes», was ihm das Image eintrug, von der realen Welt der «Normalverdiener» keine Ahnung zu haben. Merz ist in der Bevölkerung nicht unumstritten, in Umfragen rangiert er hinter Annegret Kramp-Karrenbauer.

Annegret Kramp-Karrenbauer: die Konstanz

Sie ist erst seit diesem Februar CDU-Generalsekretärin, zuvor war sie Ministerpräsidentin im kleinsten Bundesland, dem Saarland: Annegret Kramp-Karrenbauer wurde von Angela Merkel in die Parteizentrale nach Berlin geholt, sie gilt als Merkel-Vertraute. Das könnte ihr nun zum Verhängnis werden.

Sie versucht alles, um das giftige Image des «Merkel-Klons» loszuwerden. Auf den Regionalkonferenzen hatte die 56-Jährige einen Spagat zu bewältigen – einerseits Distanz zu Merkels Positionen, andererseits Loyalität zur Kanzlerin. In der Migrationspolitik schlug sie zuweilen die schärfsten Töne aller drei Kandidaten an, im politischen Diskurs könnten heute «Wahrheiten nicht ausgesprochen werden».

Dennoch stellt sie Merkels Grundsatzentscheid in der Flüchtlingskrise 2015 nicht infrage. AKK, wie sie genannt wird, weist bei CDU-Mitgliedern die höchsten Beliebtheitswerte auf. Die Rechts- und Politikwissenschafterin gilt vielen als jene Kandidatin mit den besten Aussichten, bei der nächsten Bundestagswahl das Kanzleramt in CDU-Hand zu belassen. Allerdings steht AKK eher für Konstanz, sie verkörpert nicht den Aufbruch, nach dem sich so viele Christdemokraten sehnen.

Jens Spahn: die Zukunft

Der erst 38-jährige Jens Spahn an der CDU-Spitze? Es wäre mit Sicherheit das deutlichste Signal für Aufbruch. Der amtierende Gesundheitsminister ist jung und verkörpert die Zukunft. Doch (noch) traut ihm die Basis den Sprung an die Parteispitze nicht zu.

In Umfragen rangiert Spahn abgeschlagen auf dem dritten Rang, deutlich hinter AKK und Friedrich Merz. Dem jüngsten Mitglied in Merkels viertem Kabinett wurde die Kandidatur von Merz zum Verhängnis – der konservative Flügel der Partei schlug sich zuletzt auf die Seite des früheren Fraktionsvorsitzenden.

Spahn spielte zuletzt auf Merz’ Abstecher in die Wirtschaft an, indem er indirekt meinte, Merz habe die Partei in schwierigen Zeiten im Stich gelassen. Spahns Kandidatur ist nicht nutzlos, selbst wenn er morgen chancenlos sein wird. Er kann auf der ganz grossen Bühne austesten, was es noch braucht, um bei der Basis besser zu punkten.

«Bekannt bin ich jetzt, beliebt muss ich noch werden», notierte Spahn einst. Er gilt als konservativ und Gegenspieler von Kanzlerin Merkel in der Flüchtlingskrise, die er teilweise scharf kritisiert hatte. Spahns Zeit in der CDU dürfte noch kommen. Er hat viele Anhänger bei der Jungen Union.