Deutschland

Der Selbstzerstörer: CDU-Nachwuchshoffnung Philipp Amthor steckt in der Lobbying-Falle

Nach innen und nach aussen konservativ: CDU-Politiker Philipp Amthor mit Anzug und charakteristischer Deutschland-Flagge am Revers.

Nach innen und nach aussen konservativ: CDU-Politiker Philipp Amthor mit Anzug und charakteristischer Deutschland-Flagge am Revers.

Philipp Amthor ist die grosse Hoffnung der Konservativen in Deutschland. Doch jetzt fügt eine Affäre um ihn und ein New Yorker Start-up dem Ansehen des «deutschen Sebastian Kurz» schweren Schaden zu.

Das Internet ist voll von herabwürdigenden Sprüchen über Philipp Amthor. Besonders auf der linken Seite des politischen Spektrums fühlen sich einige derart von dem konservativen Jungpolitiker provoziert, dass sie die politische Korrektheit, die sie von anderen gerne einfordern, über Bord werfen.

Selbst Parlamentarier zielen dabei auf Amthors Äusseres. So kommentierte der Linken-Abgeordnete Thomas Nord ein Foto Amthors mit dem Satz: «Es gibt Momente, in denen allein durch Bilder völlig klar wird, welche Partei in diesem Land keine Zukunft hat.»

Mit dem Credo, Menschen nicht aufgrund von Äusserlichkeiten zu diskriminieren, nimmt man es im Falle Amthor nicht immer so genau. In gewisser Weise entlarvt der geschniegelte 27-Jährige im dunklen Anzug so den politischen Gegner, bevor er überhaupt den Mund aufgemacht hat.

Amthor zerpflückt die AfD

Dabei hat Amthor, der 2017 als jüngster Abgeordneter in den Bundestag einzog, rhetorisch einiges zu bieten. Das erfuhr die AfD schmerzlich, als der studierte Jurist in einer vielbeachteten Rede Anfang 2018 einen Gesetzesantrag der Partei auseinandernahm.

Landesweit bekannt machte Amthor aber die Posse um den blauhaarigen Youtuber Rezo. Vor etwas mehr als einem Jahr taumelten die Christdemokraten aus einer für sie miserabel gelaufenen Europawahl. Rezo hatte zuvor die «Zerstörung der CDU» ausgerufen. Dank einem katastrophalen Krisenmanagement der Partei war er damit in Teilen sogar erfolgreich. Die Opposition lachte sich ins Fäustchen. Die CDU-Politiker aus den vorderen Reihen duckten sich weg. Nur einer stand hin: Nachwuchshoffnung Philipp Amthor. Er drehte ein Antwort-Video auf Rezo.

Um das kommunikative Desaster perfekt zu machen, verhinderte die CDU dessen Veröffentlichung. Amthor zeigte damals nur wenige Sekunden aus dem Clip, der mit dem Satz beginnt: «Rezo, du alter Zerstörer.» Das brachte ihm Aufmerksamkeit. Auffallend häufig war er Gast in den abendlichen Talkshows. Er bekam eine Bühne, um sich als konservativer Hardliner einen Namen zu machen. Amthor sprach über sichere Grenzen und Einwanderung. Beobachter beschrieben ihn bereits als «deutschen Sebastian Kurz».

Amthor, der trotz unterschiedlicher Positionen einen guten Draht zu Kanzlerin Merkel hat, schickte sich zuletzt an, Ministerpräsident in Mecklenburg-Vorpommern werden zu wollen.

Stolpert Amthor über eine Start-up-Beteiligung?

Doch nun kommt der steile Aufstieg des Jungpolitikers gewaltig ins Stocken. Möglicherweise endet er gar. Denn eine Lobbying-Affäre um ein New Yorker Start-up beschädigt das Bild des aufrichtigen, bürgernahen Konservativen gewaltig.

Der «Spiegel» deckte auf, dass Amthor in einem Brief an Wirtschaftsminister Peter Altmaier das US-Start-up Augustus Intelligence bewarb. Das Ziel: Unternehmensvertreter mit der Berliner Politik zusammenzubringen. Bei Augustus kam Amthors Engagement gut an: «So ein geiler Typ», hiess es in einem internen Chat, aus dem der «Spiegel» zitiert.

Und es blieb nicht bei lobenden Worten: Amthor bekam einen Direktorenposten bei dem Unternehmen mit Sitz im One World Trade Center in New York, das sich mit künstlicher Intelligenz beschäftigt. Und er bekam 2817 Aktienoptionen. Steigt der Unternehmenswert, liesse sich daran gut verdienen. Der «Spiegel» schreibt ferner von Flügen, teuren Hotelaufenthalten und Champagner-Partys. Unklar sei, wer das bezahlte. Zum Bild des bodenständigen Politikers, das Amthor von sich gerne zeichnet, passt das eher nicht. Die Staatsanwaltschaft prüft Ermittlungen in der Sache.

Amthor steht nun unter politischem Dauerfeuer. Auf seinem Instagram-Account schrieb er: «Es war ein Fehler.» Er sei nicht käuflich und seine Priorität bleibe der «politische Einsatz für unser Land». Dennoch werden bereits Rufe laut, Amthor solle sein Abgeordneten-Mandat zurückgeben. Der Imageschaden ist in jedem Fall garantiert.

Amthor hat, was der Partei fehlt

Für die CDU sind das keine guten Nachrichten. Zumindest auf lange Sicht. Denn Amthor verkörpert gleich zwei Dinge, die die Partei nicht gerade im Überfluss hat: echte konservative Positionen und Trittsicherheit in den sozialen Medien.

Sollte Amthor tatsächlich über die Affäre stolpern, wäre er indes nicht der erste Hoffnungsträger der Union, dem es so ergeht. Vor einigen Jahren sorgte der Aufstieg und Fall des Karl-Theodor zu Guttenberg für Aufsehen. Der Bayer scheiterte an einer Plagiats-Affäre.

Gemeinsam haben er und Amthor bereits den Arbeitgeber: Zu Guttenberg ist Präsident von Augustus Intelligence.

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Autor

Fabian Hock

Fabian Hock

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