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Die gute Merkel - Italiens Kehrtwende in Deutschland-Beziehung

Bundeskanzlerin Angela Merkel wartet Anfang Juni auf den Beginn eines Interviews. Foto: John Macdougall/AFP/POOL/dpa

Bundeskanzlerin Angela Merkel wartet Anfang Juni auf den Beginn eines Interviews. Foto: John Macdougall/AFP/POOL/dpa

Angela Merkel liebt Entspannen in Italien. Im Sommer kommt sie normalerweise nach Sulden in Südtirol. Ostern ist sie gern auf der Insel Ischia. Dieses Jahr bevorzugt die Kanzlerin wegen der Corona-Pandemie Deutschland als Urlaubsziel.

Derweil geniesst "la Merkel" in Italien wieder ein hohes Ansehen. Vor zwei Monaten sah das noch ganz anders aus. Da waren die Deutschen die Unsolidarischen, die Bestimmer, das hässliche Gesicht Europas. Um die Beziehungen zwischen Deutschland und Italien war es auf dem Höhepunkt der Corona-Krise schlecht bestellt, alte Feindbilder prägten den politischen Diskurs.

Doch auf einmal hat sich das Blatt gewendet. Merkel ist plötzlich die "Gute", und die Deutschen in Italien sind überaus willkommen. Die Sommersaison steht bevor und aus Deutschland kommt ein grosser Teil der Italien-Urlauber. Bei seinem Besuch am Freitag in Berlin will Italiens Aussenminister Luigi Di Maio auch für sein Land als sichere Urlaubsdestination werben.

"Das Ziel ist, allen zu zeigen, dass Italien bereit ist, ausländische Touristen zu empfangen", sagte Di Maio vor der Reise zu seinem Amtskollegen Heiko Maas. Die Fallzahlen der Infektionen gehen zurück, das Reisen ist sicher, so die Botschaft. Maas wiederum sprach in einem Interview kurz vor dem Besuch über die Italien-Reisesehnsucht seiner Landsleute: "Viele Deutsche können es kaum erwarten."

Auf dem Höhepunkt der Corona-Krise war die italienische Regierung weniger gut auf Berlin zu sprechen. Als Krankenhäuser in der Lombardei schon kurz vor dem Kollaps standen, kam besonders schlecht an, dass Deutschland einen Exportstopp für Material wie Atemschutzmasken und Schutzanzüge und -brillen verhängt hatte. Und das kategorische Nein zur Vergemeinschaftung von Schulden über sogenannte "Corona-Bonds" setzte der Anti-Deutschland-Stimmung eines oben drauf. Dass Berlin italienische Covid-Kranke nach Deutschland holte, wurde in der Öffentlichkeit weniger stark wahrgenommen.

Es hat Tradition in Italiens Politik, sich als Opfer darzustellen. Das lenkt von den eigenen Problemen ab. Und es fruchtet scheinbar auch beim Volk. Laut einer Umfrage sank Anfang Mai das Vertrauen der Italiener in Deutschland auf 26 Prozent - im Januar 2019 lag der Wert noch bei 42 Prozent.

Doch nun ist es anders. "Merkel und das Wunder von einem Deutschland, das auf einmal gut geworden ist", schrieb zuletzt die Zeitung "Il Foglio". Den entscheidenden Wendepunkt brachte der EU-Wiederaufbaufonds. Dafür will Deutschland erstmals eine massive europäische Schuldenaufnahme über den EU-Haushalt akzeptieren. Merkel hatte mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron ein Programm zur wirtschaftlichen Erholung im Umfang von 500 Milliarden Euro vorgeschlagen, das vor allem Krisenstaaten wie Italien zugute kommen soll. Seitdem sind die Wogen geglättet. Beide Länder sind wirtschaftlich eng verbunden.

Mittlerweile hat Rom einen neuen Buh-Mann gefunden: Österreich will seine Grenze zu Italien noch nicht öffnen. Deutsche Urlauber dürfen auf dem Weg nach Italien und auch zurück in die Heimat zwar durch Österreich fahren. Aber Italiener dürfen vorerst noch nicht in die Alpenrepublik. Von "diskriminierenden Massnahmen" sprach Ministerpräsident Giuseppe Conte.

Für viele Tourismus-Treibende ist politischer Streit jedoch nicht entscheidend für die Saison. Vielmehr wollen sie ein Bild von einem Italien vermitteln, das nicht landauf, landab infiziert ist. "Hier am Gardasee gab es nie einen Notstand", sagte zum Beispiel der Präsident des Tourismuskonsorziums Lago di Garda Veneto, Paolo Artelio, der Deutschen Presse-Agentur. "Und die Deutschen wissen, dass sie hier wie Verwandte behandelt werden."

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