Corona-Virus

Donald Trump schüttelt fleissig Hände, Joe Biden geht auf Distanz: In Amerika bricht Corona-Panik aus

Das Virus macht ihm keine Angst: Donald Trump schüttelt in Florida fleissig Hände von Unterstützern. (Bild: Keystone)

Das Virus macht ihm keine Angst: Donald Trump schüttelt in Florida fleissig Hände von Unterstützern. (Bild: Keystone)

Corona-Virus? Alles kein Problem, sagt US-Präsident Donald Trump. Währenddessen macht sich in Amerika Panik breit.

Er bleibt dabei: Die Unsicherheit über das Corona-Virus werde von den Massenmedien künstlich geschürt, weil die «Fake News» ihn loswerden wollten. Und die Regierung in Washington habe die Lage im Griff. Das verkündete US-Präsident Donald Trump am Montag auf Twitter. Just zur selben Zeit brachen die Aktienkurse an der Wall Street in New York wegen der Corona-Panik derart stark ein, dass der Handel temporär ausgesetzt werden musste.

Trump spielte die Gefahr des Virus weiter herunter: Jährlich würden zwischen 27'000 und 70'000 Amerikaner an der gewöhnlichen Grippe sterben und das tägliche Leben sei davon nicht betroffen. Das Corona-Virus hingegen habe bisher nur 22 Todesopfer gefordert.

Frage der Zeit, bis Grossstadt abgeriegelt wird

Die Wortmeldungen sorgen unter Amerikas Fachleuten für Stirnrunzeln. Es mag zwar zutreffen, dass die Fallzahlen in Amerika vergleichsweise tief sind. Mit ein Grund dafür ist aber die Tatsache, dass bisher nur eine kleine Zahl von Menschen auf das Corona-Virus getestet wurde.

Experten gehen davon aus, dass die Fallzahlen förmlich explodieren werden, sobald mehr Test-Kits verfügbar sind. Scott Gottlieb, ehemaliger Leiter der Medikamentenzulassungsbehörde FDA, geht davon aus, dass auch in Amerika früher oder später eine ganze Grossstadt oder ein ganzer Bundesstaat unter Quarantäne gestellt werden müsse, damit die Verbreitung des Virus gestoppt werden kann.

In diesem Zusammenhang wird immer wieder die Millionen-Metropole Seattle an der Westküste genannt, wo bisher 19 Menschen starben. Mittlerweile wächst aber auch in den Grossräumen San Francisco und New York City die Zahl der gemeldeten Fälle stark an.

Gesundheitsminister Alex Azar beteuerte derweil auf dem Nachrichtensender Fox News, dass die Regierung Trump die Lage realistisch einschätze. Im Gegensatz zu Aussenminister Mike Pompeo verwendet Azar übrigens konsequent die medizinische Bezeichnung für das Virus. Pompeo hingegen spricht über das «Wuhan-Virus». Ein politischer Seitenhieb, der indirekt die chinesische Regierung für die Verbreitung der Infektionskrankheit verantwortlich macht.

Joe Biden und Bernie Sanders nehmen Lage ernst

Donald Trump, der als 73-Jähriger eigentlich zur besonders anfälligen Risikogruppe gehört, macht bislang keine Anstalten, seinen Terminkalender der neuen Lage anzupassen. So nahm Trump am Montag in Florida an einer Veranstaltung von Geldgebern teil. An einem Flughafen in der Nähe von Orlando schüttelte er demonstrativ die Hände von Anhängern.

Und dies, obwohl die Experten seiner Regierung bereits die Empfehlung ausgegeben haben, wenn immer möglich genügend Distanz zu anderen Menschen einzuhalten. Hinzu kommt, dass Trump am Samstag vor zehn Tagen an einer Konferenz konservativer Aktivisten sprach, an der zumindest ein Teilnehmer nachweislich mit dem Virus infiziert war.

Die beiden führenden demokratischen Präsidentschaftskandidaten Joe Biden (77) und Bernie Sanders (78) hingegen scheinen sich die Warnungen der Gesundheitsexperten zu Herzen zu nehmen. Zwar machten sie vor dem «Super Tuesday II» – heute Dienstag finden Vorwahlen in Michigan und fünf weiteren Bundesstaaten statt – immer noch Wahlkampf.

Biden verzichtete am Wochenende aber weitgehend darauf, in direkten Kontakt mit Wählerinnen und Wählern zu treten, Hände zu schütteln und mit seinen Anhängern zu plaudern. Sanders hingegen muss sich nicht gross umstellen: Er hält an seinen Auftritten meist seine Standardrede und verzichtet darauf, in engeren Kontakt mit seinen Anhängern zu treten.

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