Wahlen USA

Duell ums Weisse Haus: Viele Umfragen sprechen für Biden – aber in diesen drei liegt Trump vorne

Der Republikaner Donald Trump (74) und der Demokrat Joe Biden (77) bewerben sich ums höchste Amt Amerikas. Nur einer kann gewinnen. Am 3. November entscheidet sich, wer für die nächsten vier Jahre ins Weisse Haus einzieht.

Der Republikaner Donald Trump (74) und der Demokrat Joe Biden (77) bewerben sich ums höchste Amt Amerikas. Nur einer kann gewinnen. Am 3. November entscheidet sich, wer für die nächsten vier Jahre ins Weisse Haus einzieht.

Vorteil Joe Biden: Zu Beginn des Parteitags der Demokraten sehen Amerikas Meinungsforscher den Präsidentschaftskandidaten der Demokraten vorne. Doch Trump hat das Rennen noch nicht verloren. Mindestens drei Umfragen sprechen für ihn.

Der viertägige Parteitag der Demokraten geht in die zweite Runde. Nach Michelle Obama und Bernie Sanders stehen auch heute wieder hochkarätige Gäste auf dem Programm, die via Videoschaltung aus ihren Wohnzimmern an die Nation sprechen und die Werbetrommel für ihren Kandidaten Joe Biden (77) schwingen werden. Doch wie steht es eigentlich um dessen Wahlchancen?

Der amtierende US-Präsident Donald Trump liegt rund zweieinhalb Monate vor dem Wahltag am 3. November hinter Biden zurück. Aktuelle Meinungsumfragen sehen den Demokraten deutlich vor dem Amtsinhaber. Trump allerdings behauptet, mit Verweis auf seinen knappen Wahlsieg im Jahr 2016, dass die Umfragen nicht der Wahrheit entsprächen – weil «sehr viele» seiner Anhänger sich dazu entschieden hätten, im Gespräch mit Meinungsforschern nicht die Wahrheit zu sagen. Wie dem auch sei: Ganz so klar ist die Sache noch nicht. Drei Zahlen aus aktuellen nationalen Umfragen dürften Biden zwar freuen. Drei andere Zahlen aber zeigen, dass das Rennen um das Weisse Haus noch nicht gelaufen ist.

1) Gut für Biden: Er führt landesweit

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In nationalen Meinungsumfragen schneidet der Demokrat deutlich besser ab als sein republikanischer Kontrahent. Werden die Wähler gefragt, für wen sie stimmen würden, fände die Präsidentenwahl heute statt, bringt es Biden in der Erhebung von ABC News und Washington Post auf 53 Prozent. Trump wird von 41 Prozent der registrierten Wähler unterstützt. Ähnlich gut schneidet Biden bei entsprechenden Umfragen von NPR/PBS/Marist (plus 11 Punkte), CBS News/YouGov (plus 10) und von NBC News/Wall Street Journal (plus 9) ab. Die Umfrage von CNN/SSRS beziffert den Vorsprung Biden derweil auf relativ knappe 4 Punkte, während der Nachrichtensender Fox News Channel den Abstand zwischen dem Demokraten und Trump auf 7 Punkte schätzt. Der Internet-Dienst FiveThirtyEight, der die Ergebnisse von Umfragen gewichtet und dabei auch die Reputation der jeweiligen Umfrage-Institute berücksichtigt, geht davon aus, dass derzeit 51,2 Prozent der Wähler Biden unterstützen, während Trump es nur auf 43 Prozent bringt.

Grafik: Für wen würden Sie stimmen, wenn die Präsidentenwahl heute wäre? Biden: 53 Prozent, Trump: 41 Prozent. Quelle: ABC News/Washington Post

2) Gut für Biden: Er ist das Gegenteil von Trump

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55 Prozent der Befragten sagen in der aktuellen Umfrage von CNN/SSRS, dass der Demokrat die Fähigkeit besitze, das Land zusammenzubringen. Nur gerade 35 Prozent sagen, Trump sei ein Versöhner. Dieses Resultat ist wichtig, weil dies eines der zentralen Argumente für die Kandidatur von Joe Biden ist.

3) Gut für Biden: Die Meinungen sind gemacht

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96 Prozent der Befragten sagen in der aktuellen Erhebung von CBS News/You Gov, sie unterstützten ihren Kandidaten «sehr stark» oder «stark». Nur gerade 1 Prozent der Befragten gab zu Protokoll, dass sie ihre Meinung bis am 3. November höchstwahrscheinlich noch ändern werden. Dies bedeutet: Zweieinhalb Monate vor dem Wahltag sind die Meinungen weitgehend gemacht. Im tief gespaltenen Amerika gibt es nur wenige Wählerinnen und Wähler, die noch umgestimmt werden können. Davon profitiert letztlich Biden, verfügt er doch über mehr Anhänger als Trump.

4) Gut für Trump: Er ist ein ehemaliger Geschäftsmann

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Gegen 10 Prozent der arbeitsfähigen Bevölkerung sind derzeit ohne feste Arbeit. Nebst den gesundheitlichen Aspekten der Corona-Krise steht deshalb auch die Wirtschaftspolitik im Zentrum des Wahlkampfes. Auf diesem Feld besitzt Präsident Trump die besseren Karten als sein Gegenspieler, zumindest in den Augen der Wähler. 53 Prozent der Befragten sagten CNN/SSRS, der Republikaner sei besser geeignet, um sich um die Wirtschaft zu kümmern. Trump profitiert damit davon, dass die amerikanische Konjunktur bis zum Beginn der Corona-Krise brummte, und die Arbeitslosenrate im Februar 2020 nur gerade 3,5 Prozent betrug.

5) Gut für Trump: Die Wähler trauen Umfragen nicht

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Eine relative Mehrheit der Befragten geht gemäss CNN/SSRS davon aus, dass Präsident Trump wiedergewählt wird – obwohl er in sämtlichen nationalen Umfragen einen Rückstand auf seinen Kontrahenten aufweist. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt die Erhebung von Fox News, in der gefragt wurde, wie wohl die Nachbarn der Befragten abstimmen würden. Dazu passt das Ergebnis einer separaten Erhebung der Monmouth University: Demnächst sind im politisch umkämpften Bundesstaat Pennsylvania 57 Prozent der Befragten der Meinung, dass in ihrer Nachbarschaft Trump-Unterstützer wohnen, die ihre Präferenz in der kommenden Wahl verraten wollten. Nur gerade 27 Prozent der Befragten hingegen sagt ähnliches über Biden-Wähler.

6) Gut für Trump: Knapperes Rennen in den umkämpften Staaten

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Amerikas Wahlen werden, dank dem Electoral College, nicht auf nationaler Ebene entschieden, sondern in vielleicht fünf bis zehn Bundesstaaten, von A wie Arizona bis W wie Wisconsin. In diesen «Battleground States» besitzt der Amtsinhaber zwar derzeit ebenfalls über die schlechteren Karten als Biden. Sein Rückstand hält sich aber gemäss aktuellen Meinungsumfragen in Grenzen. So beziffert die Marquette Law School Bidens Vorsprung in Wisconsin auf 4 Prozentpunkte. Und in Minnesota soll Trump gemäss den Demoskopen des Emerson College nur einen Vorsprung von 3 Punkten ausweisen. Solche Rückstände lassen sich in zweieinhalb Monaten theoretisch noch aufholen.

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