Deutschland

Ein Bayer als Kanzler? Markus Söder könnte Geschichte schreiben

Die Gesichtsmaske in den bayerischen Landesfarben ist zum Markenzeichen von Ministerpräsident Markus Söder geworden.

Die Gesichtsmaske in den bayerischen Landesfarben ist zum Markenzeichen von Ministerpräsident Markus Söder geworden.

Ministerpräsident Markus Söder hat traumhafte Zustimmungswerte. Eine Kandidatur um die Nachfolge von Bundeskanzlerin Merkel hat er zuletzt nicht mehr ausgeschlossen.

Normalerweise würde sich ausserhalb Bayerns niemand dafür interessieren, wo Markus Söder, der bayerische Ministerpräsident, seine Sommerferien zu verbringen gedenkt. Nämlich an der deutschen Nordseeküste, wie er in einem Interview verriet. Doch weil Söder das bayerische «Mia San mia» wie kaum ein anderer verkörpert und er in der Coronakrise seine Bürger fast gebetsmühlenartig dazu angehalten hat, auf Auslandreisen zu verzichten und stattdessen die Pracht der bayerischen Landschaft zu geniessen, wird in eine solche Ankündigungen allerlei hineininterpretiert. Vor allem dies: Der Bayer denkt inzwischen bundesweit.

Die Krise hat dafür gesorgt, dass die Zustimmungswerte von Söder in ungeahnte Höhen geschossen sind. Um die 90 Prozent der Bayern zeigen sich mit der Arbeit des Landesvaters zufrieden, der stets an der Seite Angela Merkels für harte Coronamassnahmen eingetreten war, auch weil sein Bundesland mit am stärksten von der Pandemie betroffen war. Inzwischen hat Söder vieles wieder gelockert. Auch bundesweit rangiert Söder in der Liste der beliebtesten Politiker inzwischen auf Rang zwei – lediglich übertrumpft von der Kanzlerin.

Einer, der bei der Bevölkerung zieht

Logisch, dass ein Mann mit solchen Werten für Höheres in Stellung gebracht wird. Denn die Ära Merkel wird im Herbst 2021 enden. Das ist sicher; allen Gerüchten zum Trotz, die Kanzlerin könne mit Blick auf die aktuell guten Umfragewerte ja doch noch eine fünfte Amtszeit anhängen. «Nein, wirklich nicht. Das steht fest», sagte sie am Donnerstag in einem Interview auf die Frage nach einer abermaligen Kandidatur.

Die Union braucht also einen Kanzlerkandidaten. Vor allem einen, der in der Bevölkerung zieht. Er könnte Markus Söder heissen – auch wenn der passionierte Tennisspieler stets betont hat, dass sein Platz in Bayern sei. Zuletzt schloss er eine eigene Kanzlerkandidatur nicht mehr ganz so rigoros aus wie auch schon. Die Frage, wer Kanzlerkandidat werde, werde voraussichtlich erst Anfang des nächsten Jahres gestellt. «Wer weiss, was bis dahin noch alles passiert.»

Keine Ausnahmen für den Landesvater

Söder profitiert von seiner politischen Wandlungsfähigkeit. Der Taktierer hat erkannt, dass die CSU die AfD nicht obsolet machen kann, indem die Christlich-Sozialen die Rechtspopulisten kopieren und mit Krawall die Bundeskanzlerin attackieren. Inzwischen lobt er die Kanzlerin stets bei gemeinsamen Auftritten, demonstriert Geschlossenheit zwischen den Schwesterparteien CDU und CSU.

Söder profitiert aber auch von einem Amt, das ihm in diesem Jahr turnusgemäss zusteht. Er ist in diesem Jahr Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz. Das hat ihm den Vorteil eingebracht, dass er bei den Coronagesprächen zwischen den 16 Ministerpräsidenten und der Bundeskanzlerin nicht – wie alle anderen – per Video zugeschaltet war, sondern vor Ort in Berlin mitdiskutieren durfte.

Im Gegensatz zu Merkel tritt der 1,94-Hüne Söder öffentlich stets mit Mundschutz auf. Er will zeigen, dass es für einen Landesvater keine Ausnahmen gibt – und dass die Pandemie bei allen Lockerungen nicht durchgestanden ist.

Strauss und Stoiber haben es nicht geschafft

Söder hat durch seine Präsenz und sein Auftreten jene in den Schatten gestellt, um die es Ende Jahr eigentlich gehen sollte, wenn sich die Union allmählich mit der Merkel-Nachfolge beschäftigt: Einer aus dem Trio Friedrich Merz, Norbert Röttgen und Armin Laschet wird im Dezember neuer CDU-Chef. Unter normalen Umständen ist der CDU-Chef dann gleich auch Kanzlerkandidat der Union.

Doch wenn Söders Umfragehoch weiter anhält, muss sich die CDU mit einem Kanzlerkandidaten Söder ernsthaft auseinandersetzen. Der Franke könnte Geschichte schreiben. Bislang hat kein CSU-Kandidat – versucht hatten es Franz-Josef Strauss und Edmund Stoiber – den Sprung ins Kanzleramt geschafft.

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