Eigentlich ist Richard Blumenthal nur einer von 100 Senatoren: ein Karrierepolitiker aus dem Bundesstaat Connecticut an der Ostküste, der seit seiner Wahl im Jahr 2010 in Washington keine grossen Stricke zerrissen hat. Weil der 72-jährige Demokrat aber an der Spitze des (erfolglosen) Widerstandes gegen Richter Brett Kavanaugh stand, ist er in den vergangenen Tagen ins Visier des Präsidenten geraten.

Das ist eigentlich noch nicht aussergewöhnlich. Donald Trump hat es sich leider zur Gewohnheit gemacht, Menschen, die ihn oder seine Regierung kritisieren, mit wüsten Beleidigungen einzudecken. Häufig allerdings bauen seine Beleidigungen auf Behauptungen auf, die sich schwer widerlegen lassen. Der Fall Blumenthal allerdings liegt anders: Trump erzählt schlicht und einfach die Unwahrheit, ist darauf auch noch stolz und lässt sich von seinen Anhängern bejubeln – obwohl die Episode, über die er sich lustig macht, den Vietnamkrieg betrifft, vor dem sich der Präsident gedrückt hatte.

Der Reihe nach. Seit einigen Tagen nennt Trump den Senator aus Connecticut «Da Nang Dick». Diesen Spitznamen habe sich Blumenthal verdient, erzählt der Präsident während seiner zahlreichen Wahlkampf-Reden, weil der Senator sich «15 Jahre lang» oder «20 Jahre lang» damit gebrüstet habe, ein Kriegsheld gewesen zu sein. Er habe öffentlich erzählt, dass er in der Hafenstadt Da Nang (die sich während des Vietnamkrieges auf dem Staatsgebiet des amerikanischen Verbündeten Süd-Vietnam befand) stationiert gewesen sei und dort an einer wichtigen Schlacht teilgenommen habe, behauptet Trump.

Zu seiner Linken und zu seiner Rechten seien seine Kameraden unter Beschuss gekommen, als sein Zug einen Hügel erstürmte, habe Blumenthal erzählt. «Da Nang Dick» aber habe weitergekämpft und gar Soldaten gerettet. Das einzige Problem an dieser Episode, jedenfalls in den Augen des amerikanischen Präsidenten? Blumenthal habe sich zum Helden einer Schlacht erkoren, obwohl er nie in Vietnam stationiert gewesen sei. Und als er dabei erwischt worden sei, wie er die Unwahrheit sagte, habe er geheult wie ein Schlosshund.

Geschichte von A bis Z erfunden

Zuletzt erzählte Trump diese Geschichte am Dienstagabend in Council Bluffs (Iowa). Allein: Der Präsident hat die Geschichte von A bis Z erfunden. Blumenthal hat sich nie öffentlich damit gebrüstet, in «Da Nang» an einer Schlacht teilgenommen zu haben. Auch behauptete der Demokrat nie, er sei ein Kriegsheld gewesen, als er von 1970 bis 1976 in einer Reserveeinheit der Marineinfanterie Dienst geleistet habe. Nun gibt es Republikaner, die sagen: Blumenthal könne sich schwerlich darüber beklagen, dass der Präsident sich über ihn lustig mache.

Schliesslich musste der Senator 2010 zugeben, dass er sich nicht immer akkurat über seine Dienstzeit geäussert habe. So hatte der Demokrat Formulierungen verwendet, die im breiten Publikum den Eindruck hinterliessen, er sei zu Beginn der Siebzigerjahre in Vietnam stationiert gewesen – obwohl der Teilzeit-Soldat das amerikanische Festland nie verlassen hatte. Die Aufnahmen der Pressekonferenz, auf der sich Blumenthal für diese Formulierungen entschuldigte, zeigen aber, dass er während seiner Entschuldigung nicht weinte. Es mag also sein, dass der Senator Kritik für diese alte Episode verdient hat. Tatsache ist aber, dass Blumenthal Militärdienst leistete, während sich der gleichaltrige Donald Trump in den Sechziger- und Siebzigerjahren vor dem Vietnamkrieg drückte – unter anderem wegen eines angeblichen Fersensporns an beiden Füssen. Und Tatsache ist auch, dass Trump allem Anschein keine Berater hat, die ihn bremsen.

Blumenthal nennt die Attacken des Präsidenten übrigens «lächerlich». Er lasse sich aber nicht zum Schweigen bringen.