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Er ist der Beinahe-Prinz «Charles» der CSU – und wird heute wohl Bayerns neuer Ministerpräsident

Hat derzeit gut Lachen: Der bayrische Finanzminister Markus Söder wird aller Voraussicht nach Horst Seehofer im Amt des Ministerpräsidenten nachfolgen.

Hat derzeit gut Lachen: Der bayrische Finanzminister Markus Söder wird aller Voraussicht nach Horst Seehofer im Amt des Ministerpräsidenten nachfolgen.

Als Markus Söder ein Teenager war, war Michael Jackson an der Spitze der Albumcharts. Über dem Bett des jungen Söders hingen aber keine Bravo-Poster, sondern ein Bild von Franz-Josef Strauss.

Strauss war zehn Jahre lang Ministerpräsident Bayerns, bis heute der Quasi-Übervater der CSU. Söder, der später Rechtswissenschaften studierte und beim Bayerischen Rundfunk als Redaktor arbeitete, wusste schon in jungen Jahren, wohin sein Weg dereinst führen soll: An die Spitze des Freistaats Bayern.

Am Freitag geht Söders Traum in Erfüllung, der Landtag wird ihn zum Ministerpräsidenten Bayerns küren und damit zum Nachfolger von Horst Seehofer. Den 68-Jährigen zieht es nach zehn Jahren an der Landesspitze nach Berlin, wo er sich mit dem Heimat- und Innenressort zum Ende seiner politischen Laufbahn ein Superministerium zusammengezimmert hat.

Mit dem Stabwechsel legt der erbittert geführte Machtkampf zwischen Söder und Seehofer zumindest eine Verschnaufpause ein. Söder liess keine Zweifel offen, dass er sich für den besseren Ministerpräsidenten halten würde. Seehofer seinerseits machte nie einen Hehl daraus, dass er Söder die Fähigkeit für diesen Posten abspricht und er den heute 51-Jährigen nicht leiden kann.

An einer Weihnachtsfeier 2012 unterstellte Seehofer seinem Finanzminister Söder charakterliche Defizite, bezeichnete diesen als vom «Ehrgeiz zerfressen». Söder, der Nürnberger, hielt mehr oder weniger still, der Franke spann derweil fast klammheimlich sein Netzwerk über den gesamten Freistaat, zeigte sich an Feierlichkeiten in Bierzelten, trumpfte beim jährlichen Fasching gross auf und erwarb sich Sympathien an der Parteibasis. Kurzum: Söder arbeitete sukzessive daran, Seehofer dereinst abzuservieren.

Vergeblich versuchte der Angegriffene, seinen immer mächtiger werdenden Finanzminister für die Zeit nach den Bundestagswahlen für einen Posten in Berlin in Stellung zu bringen. «Meine Mission ist Bayern», wiederholte Söder stets und machte damit deutlich, dass er nicht daran denkt, sich aus dem Weg räumen zu lassen.

Nach der historischen Schlappe der CSU bei den Bundestagswahlen im September war Söders Zeit indes gekommen. Auch wenn Seehofer sein Ende in der Staatskanzlei anfänglich nicht wahrhaben wollte. Der Ingolstädter kokettierte beharrlich mit einem längeren Verbleib an Partei- und Landesspitze. Söder wurde in Zeitungen bereits mit Prinz Charles verglichen – dem ewigen Thronfolger.

Bewährungsprobe im Oktober

Doch Seehofers Macht an der Spitze des Landes bröckelte zusehends. Söder liess Seehofer gewähren, stellte sich in Interviews demonstrativ hinter den Parteichef – im Wissen, dass der Ministerpräsident seinen Platz für ihn wird räumen müssen.

Warum Seehofer seinen wohl fähigsten Minister mit derartiger Vehemenz an der Spitze Bayerns verhindern wollte, dafür kann es wohl nur persönliche Gründe geben. Politisch ticken der Oberbayer Seehofer und der Franke Söder ziemlich ähnlich. Manche vermuten, dass sich die beiden Alphatiere schlicht zu ähnlich sind. Schon ihre imposante Erscheinung spricht für diese Theorie. Ob aber der Machtkampf nun vorbei ist, wird sich zeigen. Seehofer bleibt CSU-Chef.

Söder hat eine harte Bewährungsprobe zu bestehen: Im Oktober wählt Bayern den Landtag. Rappelt sich die CSU nicht wieder auf deutlich über 40 Prozent auf, wird es auch für ihn ungemütlich. Dann gibts vermutlich Schelte – von Parteichef Seehofer persönlich.

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