Es sei ein Angriff auf Grossbritannien und die britische Lebensart gewesen, sagte David Cameron am Donnerstag nach der Sitzung seines Krisenstabs «Cobra».

Der britische Premierminister hatte am Vortag seinen Besuch bei Frankreichs Präsident François Hollande wegen des brutalen Mords an dem Soldaten Lee Rigby im Londoner Stadtteil Woolwich abgebrochen.

Zwei Männer nigerianischer Abstammung waren dem 25-jährigen Soldat am Mittwochnachmittag von der Artillerie-Kaserne in Woolwich mit einem Auto gefolgt und hatten zunächst versucht, ihn zu überfahren.

Als das misslang, stiegen sie aus und töteten ihn mit Macheten und Fleischermessern. Danach liessen sie sich von Passanten filmen und fotografieren, bis die Polizei kam und sie anschoss.

Beim Opfer handelt es sich um den 25-jährigen Lee Rigby. Der getötete Soldat war einige Zeit in Afghanistan, Deutschland und Zypern stationiert.

Ob er gezielt als Opfer ausgewählt wurde, ist unklar. Er trug keine Uniform, als er die Kaserne in Woolwich verliess, sondern ein T-Shirt mit Werbung für die militärische Wohlfahrtseinrichtung «Help for Heroes».

Am Mittwochabend gab es zunächst die Anordnung, dass Soldaten ausserhalb der Kasernen keine Uniformen tragen sollten, doch nach der Sitzung des Krisenstabs hiess es, das sei «die falsche Antwort auf die entsetzliche Tat».

Lee Rigby war verheiratet und hatte einen kleinen Sohn. «Für den 2-jährigen Jack war er ein liebender Vater. Er wird von allen, die ihn kannten, schmerzlich vermisst», schreibt das Verteidigungsministerium in einer Mitteilung. Es würdigt ihn als «extrem populären und gewitzten Soldaten.»

Täter war ein angenehmer, ruhiger Typ

Bei einem der beiden Täter handelt es sich um Michael Olumide Adebolajo. Er wurde von Anjem Choudary, dem früheren Chef von al-Muhajiroun, anhand eines Amateurvideos identifiziert.

Die islamistische Organisation war in Grossbritannien 1983 von Omar Bakri Muhammad gegründet worden und rechtfertigte die Anschläge vom 11. September 2001 in den USA.

Choudary sagte, der in Grossbritannien geborene Nigerianer Adebolajo sei 2003 zum Islam konvertiert und habe mehrmals Veranstaltungen und Vorträge von al-Muhajiroun besucht, sei aber kein Mitglied gewesen.

«Er war ein angenehmer, ruhiger Typ», sagte Choudary. «Er war am Islam interessiert. Vor zwei Jahren ist er verschwunden. Ich weiss nicht, unter wessen Einfluss er seitdem geraten ist.»

Choudary verurteilte die Tat. Es gebe eine Übereinkunft, sagte er: «Weil Muslime in Grossbritannien friedlich leben und ihre Religion ausüben dürfen, ist es verboten, britische Soldaten in Grossbritannien anzugreifen.» Begeben sie sich jedoch ins Ausland, sehe die Sache anders aus.

Zeugin verwickelte Täter in Gespräch

Die Täter wurden in zwei verschiedene Krankenhäuser gebracht. Sie sind im Moment nicht vernehmungsfähig; einer der beiden schwebt in Lebensgefahr.

«Wir schwören bei Allah dem Allmächtigen, wird werden niemals aufhören, euch zu bekämpfen», sollen sie laut Tatzeugen gerufen haben. Eine Zeugin, Ingrid Loyau-Kennett, verwickelte einen der Täter in ein Gespräch, um ihn von anderen potenziellen Opfern abzulenken.

«Besser ich als irgendwelche Kinder», habe sie in diesem Augenblick gedacht, berichtete die 47-Jährige später. Sie habe aber keine Angst gehabt, weil er nicht betrunken oder auf Drogen gewesen sei.

«Er war normal. Ich konnte mit ihm reden, und er wollte reden, und das taten wir auch», sagte sie.

Er habe den Soldaten getötet, weil er Muslime tötet, habe der Mann gesagt - Auge um Auge, Zahn um Zahn. Er habe es satt, dass Muslime im Irak und in Afghanistan getötet werden. «Ihr werdet verlieren», antwortete Loyau-Kennett, «ihr seid zwei gegen viele.»

Damit habe sie «für uns alle» gesprochen, sagte Cameron. Der Premier deutete an, dass die beiden Männer den Sicherheitsbehörden bekannt waren.

Mehrere Häuser durchsucht

Die Polizei durchsuchte in der Nacht zum Donnerstag ein Haus in Saxilby in Lincolnshire, wo die Familie eines der Täter wohnt. Zwei seiner Schwestern, eine ältere Frau und ein Teenager sollen laut eines BBC-Berichts zur Vernehmung auf ein Polizeirevier gebracht worden sein.

Auch in Greenwich, dem Nachbarviertel von Woolwichs und in London wurden Häuser durchsucht.

Es war der erste tödliche Angriff in Grossbritannien seit den Bombenanschlägen in London im Sommer 2005, bei denen 55 Menschen starben. «Da die Täter in diesem Fall überlebt haben, kann man sie verhören», sagte Baronin Neville-Jones, die ehemalige Vorsitzende des Sicherheitsausschusses. «Wir werden eine Menge an Informationen erhalten.»