Türkei

Erdogan verkündet den Einmarsch in Syrien – und die Offensive gegen die Kurden

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat am Mittwochnachmittag den Einmarsch in Syrien verkündet.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat am Mittwochnachmittag den Einmarsch in Syrien verkündet.

Der Einmarsch türkischer Truppen in Syrien war seit Anfang Woche erwartet worden. Präsident Erdogan will einen kilometerbreiten Schutzkorridor errichten. Die Offensive richtet sich gegen die Kurden in Syrien, in denen Erdogan eine Gefahr für sein Land sieht.

Die Türkei hat ihren Militäreinsatz im Nordosten Syriens begonnen - gemeinsam mit pro-türkischen Rebellen gegen das Assad-Regime in Damaskus. Das teilte Präsident Recep Tayyip Erdogan am Mittwoch mit. Der Einsatz zielt gegen die kurdische YPG-Miliz.

Er solle die «terroristische Bedrohung» an der türkischen Grenze beseitigen und Frieden schaffen. Zudem solle bei dem gemeinsamen Einsatz mit der Syrischen Nationalarmee eine «Sicherheitszone» geschaffen werden, um die Rückkehr syrischer Flüchtlinge zu erleichtern, schrieb Erdogan.

Die Syrische Nationalarmee ist der neue Name eines Zusammenschlusses von syrischen Rebellengruppen, die an der Seite der türkischen Streitkräfte kämpfen. Die Schaffung der «Sicherheitszone» war im August mit den USA vereinbart worden.

Bomben auf Ras al-Ain

Gemäss verschiedenen Medienberichten bombardiert die Türkei die syrischen Grenzstädte Ras al-Ain und Tall Abyad.

Der Sprecher der von der Kurdenmiliz YPG angeführten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF), Mustafa Bali, schrieb auf Twitter: «Türkische Kampfflugzeuge haben damit begonnen, Luftangriffe auf zivile Gebiete durchzuführen. Die Menschen in der Region sind in grosser Panik.»

Die Medienaktivisten des Informationszentrums Rojava meldeten, auch die Grenzstadt Tall Abyad werde beschossen. Einwohner sagten der Nachrichtenagentur dpa, die Stadt sei fast menschenleer, weil die meisten Zivilisten sie verlassen hätten. Dafür seien viele Kämpfer dort. Die Gesundheitsbehörden bereiteten die Krankenhäuser vor. Auf manchen Dächern seien Scharfschützen zu sehen.

Die kurdische Autonomieverwaltung im Nordosten Syriens hat die Zivilbevölkerung zur Generalmobilmachung gegen die befürchtete Offensive der Türkei aufgerufen. Sie rief zugleich die Kurden in Syrien und im Ausland auf, gegen die Pläne der Türkei auf die Strasse zu gehen.

«Wir erklären drei Tage der Generalmobilmachung im Norden und Osten Syriens», erklärte die kurdische Autonomieverwaltung am Mittwoch und rief alle Zivilisten auf, sich «an die Grenze zur Türkei zu begeben, (...) um in diesem heiklen historischen Moment Widerstand zu leisten».

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat die Türkei aufgefordert, den Militäreinsatz gegen kurdische Milizen in Nordsyrien zu stoppen. «Ich fordere die Türkei und andere Akteure auf, mit Zurückhaltung zu handeln und den bereits gestarteten Einsatz zu stoppen», sagte der Luxemburger am Mittwoch im Brüsseler EU-Parlament.

Juncker fordert Erdogan auf, die Offensive zu stoppen. Für eine Schutzzone gebe es kein Geld von der EU.

Juncker fordert Erdogan auf, die Offensive zu stoppen. Für eine Schutzzone gebe es kein Geld von der EU.

Sollten die Pläne der Türkei die Einrichtung einer «Sicherheitszone» beinhalten, werde die EU sich daran finanziell nicht beteiligen.

Wie reagiert Donald Trump?

Ankara hatte am Dienstag erklärt, die Offensive werde «in Kürze» beginnen und weitere Militärfahrzeuge an die Grenze verlegt. Dennoch ist weiterhin unklar, ob es tatsächlich bald zu einem Einmarsch in Nordsyrien kommt, da US-Präsident Donald Trump widersprüchliche Signale hinsichtlich einer türkischen Invasion sendet und Ankara vor der Anwendung von Gewalt warnt.

US-Präsident Donald Trump ist am Montag (Ortszeit) wegen seines Entscheids zum US-Truppenrückzug in Syrien stark in Kritik geraten.

US-Präsident Donald Trump ist am Montag (Ortszeit) wegen seines Entscheids zum US-Truppenrückzug in Syrien stark in Kritik geraten.

Der Nordosten Syriens wird seit Jahren von der kurdischen Partei der Demokratischen Union (PYD) und ihrem militärischen Arm, den Volksverteidigungseinheiten (YPG), kontrolliert. Die Türkei betrachtet die Präsenz der Kurdenmiliz an ihrer Grenze als Bedrohung, da sie eng mit der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) verbunden ist, die seit 1984 gegen den türkischen Staat kämpft. Seit 2016 ist Ankara bereits zweimal gegen sie vorgegangen.

Die USA schätzen die YPG dagegen als Verbündeten im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) und unterstützen sie seit Jahren mit Waffen und Spezialkräften. Nach einem Telefongespräch mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan hatte Trump am Sonntag angekündigt, die US-Spezialkräfte aus dem Gebiet an der türkischen Grenze abzuziehen. Dies löste heftige Kritik vor allem auch in Trumps republikanischer Partei aus.

Der US-Präsident versicherte daraufhin, die USA würden ihre kurdischen Verbündeten nicht fallenlassen. Ankara drohte er mit der «totalen Zerstörung und Auslöschung» der türkischen Wirtschaft, sollte die Türkei in Nordsyrien «irgendetwas tun», was er als «tabu» betrachte.

Update folgt...

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