International

Fünf Momente, die in Erinnerung bleiben: Joe Biden beendet Parteitag mit rhetorischem Feuerwerk

Joe Biden schliesst den Parteitag der Demokraten mit einem rhetorischen Feuerwerk ab Wilmington.

Joe Biden schliesst den Parteitag der Demokraten mit einem rhetorischen Feuerwerk ab Wilmington.

Mit einer einer programmatischen Rede von Joe Biden ist der virtuelle Parteitag der Demokraten zu Ende gegangen. Kandidat Biden gelang es dabei, viele Skeptiker zum Verstummen zu bringen. Was wird vom ersten Corona-Parteitag in Erinnerung bleiben?

Am Schluss gab es am ersten virtuellen Parteitag der Demokraten noch echte Feuerwerke. Nachdem Joe Biden seine programmatische Rede in Wilmington (Delaware) beendet hatte, begrüsste er zusammen mit «Running Mate» Kamala Harris die Anhänger, die das Geschehen auf dem Parkplatz einer Mehrzweckhalle in ihren Autos mitverfolgt hatten. Und dann bewunderte er, Gattin Jill an seiner Seite, das Feuerwerk, mit dem die Demokratische Partei das Ende des Nominierungsparteitag besiegelte. Fünf Momente, die von diesem Parteitag in Erinnerung bleiben werden.

1. Biden ist gut, wenn es zählt

Der politische Gegner mag behaupten, dass der 77-jährige Joe Biden praktisch scheintot sei. Mit der 25 Minuten dauernden Rede, die er am Donnerstag zum Abschluss des Parteitags hielt, bewies der Demokrat aber das Gegenteil. In eindringlichen Worten sprach Biden darüber, in welch tiefer Krise Amerika derzeit stecke – weil Präsident Donald Trump es nicht gelungen sei, die Bevölkerung des Landes vor dem Virus zu beschützen. Auch sprach Biden darüber, was er besser machen würde, falls er zusammen mit seiner Gattin Jill ins Weisse Haus einzöge. Und wie er in einem demoralisierten Land wieder Hoffnung und Kraft verbreiten würde. «Wir können und werden diese dunkle Jahreszeit überwinden», sagte Biden.

2. Joe Biden ist ein zutiefst anständiger Mann

Diese Rede zeigte einmal mehr: Joe Biden ist ein zutiefst anständiger Mann mit grossem Einfühlungsvermögen. Und in seiner langen Karriere als Berufspolitiker hat er nie die Bodenhaftung verloren. Dies zeigen die zahlreichen Anekdoten, die ganz normale Amerikanerinnen und Amerikanern während des Parteitags über ihn erzählten. So wurde Biden am Dienstag von einer Wachfrau zum Präsidentschaftskandidaten nominiert, die er voriges Jahr zufälligerweise in einem Lift in New York City getroffen hatte. «Ich liebe sie», hatte die 31-Jährige zu Biden gesagt, «Sie sind mein Favorit.» Der Demokrat hielt inne, bedankte sich herzlich und schoss ein Foto mit ihr.

3. Die Obamas hassen Trump

Es war ein offenes Geheimnis, dass Barack und Michelle Obama – die seit 2017 ihren politischen Ruhestand geniessen – nichts, aber auch gar nichts mit dem aktuellen Bewohner des Weissen Hauses anfangen können. Dies beruht auf Gegenseitigkeit. Überraschend aber war, in welch dramatischen Worten die beiden in ihren Parteitagsreden vor einer erneuten Stimmabgabe für Donald Trump warnen würden. Die ehemalige First Lady sagte, Trump sei «der falsche Präsident für unser Land», besitze er doch nicht das nötige Rüstzeug. Und ihr Mann sagte, dass der Präsident die Demokratie niederreissen werde, falls dies der einzige Weg sei, eine zweite Amtszeit zu gewinnen.

4. Die Demokraten präsentieren eine einigende Front

Das ungewollte Format des (gut inszenierten) Parteitags kam den Demokraten entgegen. Im Gegensatz zu 2016 gab es keine anhaltenden Zwischenrufe oder wütende Proteste linker Delegierten – war der «Democratic National Convention» doch eine Ansammlung von Videobotschaften und Reden ohne Publikum. Der Partei gelang es damit, den Fernsehzuschauern zu Hause vorzumachen, dass die Demokraten geeint in den Wahlkampf stiegen. Das stimmt aber nur teilweise. Zwar wollen sowohl der linke, progressive als auch der rechte, gemässigte Flügel der Partei den aktuellen Bewohner des Weissen Hauses loswerden. Die beiden Kraftzentren der Demokraten sind sich aber nicht einig darüber, wie das Amerika der Zukunft aussehen soll. Spätestens nach der Präsidentenwahl werden sich diese Flügelkämpfe nicht mehr übertünchen lassen.

5. Die Demokraten verpassen eine Chance

Weil die Demokraten aber den Wähler vor Augen führen wollten, dass sämtliche Aushängeschilder der Partei Joe Biden unterstützen, kamen an den vier Abenden des Parteitags zu viele Politiker zu Wort. Besser wäre es gewesen, ganz normale Amerikaner sprechen zu lassen, über die Corona-Krise, über den Mann im Weissen Haus, und über die Hoffnungen in ein besseres Amerika. Weniger Witze von Julia Louis-Dreyfus, mehr Geschichten, wie sie Kristin Urquiza erzählte, deren Vater – ein Anhänger von Donald Trump – an Covid-19 starb, weil er im Frühjahr dem Präsidenten geglaubt hatte, als dieser sagte, das Schlimmste sei nun vorbei.

Meistgesehen

Artboard 1