Venezuela

Guaidó und Maduro lassen in Venezuela demonstrieren

Seit Wochen liefert sich Juan Guaidó einen erbitterten Machtkampf mit dem venezolanischen Staatschef Nicolás Maduro - jetzt hat der selbst ernannte Interimspräsident versucht, mit Protesten seiner Anhänger den Druck nochmals zu erhöhen.

In der Hauptstadt Caracas gingen am Samstag Tausende für ihn auf die Strasse. "Es kommen harte Tage auf uns zu. Das Regime wird versuchen, uns zu spalten", sagte er bei einer Kundgebung. "In diesem Kampf ist es fundamental, dass wir weiter auf die Strasse gehen."

Guaidó rief zu einem landesweiten Marsch auf Caracas auf. Vor tausenden Anhängern in der venezolanischen Hauptstadt kündigte er eine Rundreise durch das Land an, an deren Abschluss er das Datum für den Marsch bekannt geben werde.

"Wir werden alle zusammen nach Caracas kommen!" versicherte der 35-Jährige vor jubelnden Anhängern. Guaidó versicherte, er werde notfalls auf eine Intervention aus dem Ausland setzen, "wenn die Zeit gekommen ist". Unter Berufung auf die Verfassung erklärte er, diese erlaube einen venezolanischen Militäreinsatz im Ausland, "oder von Ausländern im Land".

"Alle Optionen auf dem Tisch"

"Alle Optionen liegen auf dem Tisch", rief der Oppositionsführer in Anspielung auf ein Zitat von US-Präsident Donald Trump, der einen US-Militäreinsatz in Venezuela wiederholt nicht ausgeschlossen hatte.

Zuvor hatten Sicherheitskräfte versucht, die Demonstranten auf ihrem Marsch zur Avenida Victoria im Zentrum zu stoppen. An mehreren Stellen blockierten Bereitschaftspolizisten die Strasse und liessen die Menschen nicht passieren, wie im Fernsehen zu sehen war. Medienberichten zufolge setzten die Beamten teilweise auch Pfefferspray ein. Ein Demonstrant sagte im Fernsehsender TVV: "Wir leben in einer Diktatur - wir wollen Demokratie."

Guaidó hatte sich am 23. Januar selbst zum Interimspräsidenten erklärt und Staatschef Maduro damit herausgefordert. Er prangert an, dass die Wiederwahl des Sozialisten im vergangenen Jahr nicht den demokratischen Spielregeln entsprochen habe. Die USA, zahlreiche EU-Staaten und viele lateinamerikanische Länder haben Guaidó bereits als rechtmässigen Übergangspräsidenten anerkannt.

Demo von Anhängern der Regierung

Auch Staatschef Maduro trommelte am Samstag seine Anhänger zusammen. Sie marschierten durch die Innenstadt zum Präsidentenpalast Miraflores. "Heute sind wir mehr denn je Antiimperialisten. Wir werden uns nie ergeben!" schrieb der Staatschef im Kurzmitteilungsdienst Twitter. "Wir sind ein Volk, das Widerstand leistet. Deshalb werden wir die Schwierigkeiten hinter uns lassen", sagte Aussenminister Jorge Arreaza auf der Kundgebung.

Der Präsident der regierungstreuen Verfassungsgebenden Versammlung, Diosdado Cabello, beschwor den Zusammenhalt zwischen der Bevölkerung und den Streitkräften. "Diese Einheit wird jeden Tag stärker", sagte er.

Allerdings leiden viele Venezolaner unter der katastrophalen Versorgungslage in dem einst reichen Land. Aus Mangel an Devisen kann das ölreichste Land der Welt kaum noch Lebensmittel, Medikamente und Dinge des täglichen Bedarfs für die Not leidende Bevölkerung einführen. Viele Menschen hungern, seit 2015 haben über drei Millionen Venezolaner ihre Heimat verlassen.

Stromausfall

Zuletzt legte am Freitag ein massiver Stromausfall das Land weitgehend lahm. Die Regierung machte einen von den USA geplanten Cyberangriff auf das wichtigste Elektrizitätswerk dafür verantwortlich. Die Opposition sprach dagegen von Schlamperei, Korruption und Misswirtschaft.

Kürzere Stromausfälle gehören in Venezuela zwar zur Normalität, aber ein mehrtägiger Ausfall ist auch für das krisengebeutelte Land ungewöhnlich.

Weil etwa auch zahlreiche Spitäler von der Elektrizität abgeschnitten waren, sollen nach Angaben der Opposition 79 Menschen wegen des Stromausfalls gestorben sein. Die Regierung wies die Behauptung zurück. In den westlichen Landesteilen Barinas, Tachira und Zulia war die Stromversorgung auch am Samstag noch nicht wiederhergestellt.

Lage festgefahren

Die Lage in Venezuela ist festgefahren. Obwohl viele Menschen mit der Situation unzufrieden sind und Guaidó auf breite internationale Unterstützung zählen kann, verfügt er über keine ausreichend starke Machtposition, um den Regierungswechsel zu erzwingen. Maduro wird zwar auf der Weltbühne immer mehr zum Aussenseiter, kann daheim aber weiterhin auf die Unterstützung des mächtigen Militärs zählen.

Während Guaidó zuletzt durch Nachbarländer reiste, um für Unterstützung für seine Gegenregierung zu werben, will er jetzt mit neuen Demonstrationen wieder den Druck auf der Strasse erhöhen. Der Ärger vieler Venezolaner über die Stromausfälle könnte ihm dabei in die Karten spielen.

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