"Es ist unsere traurige Pflicht mitzuteilen, dass unser Sohn, Otto Warmbier, seine Reise nach Hause beendet hat", hiess es in der Erklärung der Familie. "Die schreckliche, qualvolle Misshandlung, die unser Sohn in den Händen der Nordkoreaner erfahren hat, machte keinen anderen Ausgang möglich."

Donald Trump und seine Frau Melania kondolierten Warmbiers Familie in einer Mitteilung. Auf allzu harsche Worte verzichtete der US-Präsident jedoch. Ottos Schicksal stärke die Entschlossenheit der US-Regierung, solche Tragödien zu verhindern. Die Vereinigten Staaten verurteilten einmal mehr die Brutalität des nordkoreanischen Regimes.

Auch wenn Drohgebärden diesmal ausbleiben, könnte das Drama Folgen haben. Letzte Woche berichteten verschiedene US-Medien von einem möglichen Reiseverbot für US-Touristen nach Nordkorea. Sie zitierten US-Aussenminister Rex Tillerson mit den Worten, die Regierung erwäge eine solche Einschränkung.

Eindringliche Warnung

Das US-Aussenministerium rät US-Bürgern auf seiner Website seit Längerem dringend davon ab, nach Nordkorea zu reisen. Die nordkoreanischen Behörden schreckten auch nicht davor zurück, Personen festzunehmen, die Teil einer Reisegruppe sind. Das zeigte der Fall von Warmbier, der mit einer Reisegruppe unterwegs gewesen war.

Die Agentur "Young Pioneer Tours", die Warmbiers Reise organisiert hatte, kündigte auf Facebook an, man werde künftig keine Nordkorea-Touren mehr für US-Bürger organisieren.

Schwere Gehirnschäden

Warmbier war im Januar 2016 in Nordkorea festgenommen und im März zu 15 Jahren Straflager verurteilt worden. Das kommunistische Regime in Pjöngjang warf ihm Straftaten gegen den nordkoreanischen Staat vor. Konkret soll er in einem Hotel ein Plakat von der Wand genommen haben, um es zu stehlen.

Der 22-Jährige hatte nach Darstellung von Ärzten während seiner Zeit in Nordkorea schwere Schädigungen am Gehirn erlitten und war im Wachkoma liegend in die USA zurückgebracht worden. Er konnte zwar die Augen öffnen und blinzeln, es gab aber keine Anzeichen, dass er auf Sprache oder Aufforderungen reagieren konnte.

Angeblich an Botulismus erkrankt

Er verbrachte 17 Monate in Nordkorea, ehe er am Dienstag vergangener Woche in die USA zurückgebracht wurde. Vorausgegangen waren intensive diplomatische Bemühungen von Tillerson und dem schwedischen Aussenministerium, das die Interessen der USA in Nordkorea vertritt.

Die Eltern erfuhren eine Woche vor der Rückkehr, dass ihr Sohn seit fast 15 Monaten im Koma liegt. Die Begründung der nordkoreanischen Seite, er sei an Botulismus, einer Nahrungsmittelvergiftung erkrankt und nach Einnahme einer Schlaftablette nicht mehr aufgewacht, halten sie für nicht glaubwürdig. Die Ärzte wollten nicht über die Hintergründe der Verletzungen spekulieren.

Noch drei Amerikaner in Gewahrsam

Vergangene Woche wurde Warmbier aus "humanitären Gründen" freigelassen und in die USA ausgeflogen. Dort wurde er umgehend in die Klinik in Cincinnati gebracht.

Zuletzt befanden sich nach Angaben von Tillerson noch drei weitere Amerikaner in Nordkorea in Gewahrsam. Über ihre Lage würden mit der Regierung in Pjöngjang Gespräche geführt, hatte Tillerson bei der Freilassung Warmbiers erklärt.