Kanada

Justin Trudeau: Dem kanadischen «Anti-Trump» droht die Abwahl

Justin Trudeau bei einem Wahlkampfauftritt in Calgary.

Justin Trudeau bei einem Wahlkampfauftritt in Calgary.

Am Montag wählt Kanada ein neues Parlament. Der Ausgang ist völlig offen - und könnte Premierminister Justin Trudeau das Amt kosten.

Nach einem erbitterten, von vielen Kanadiern als hässlich empfundenen Wahlkampf wählt die Bevölkerung Kanadas am Montag ihr neues Parlament und entschied über das Schicksal der Regierung von Justin Trudeau. Die Ergebnisse werden am Dienstag erwartet. Der Ausgang der Wahl ist angesichts des Gleichstands in den Umfragen völlig offen.

Premierminister Trudeau und seine Liberale Partei müssen damit rechnen, die vor vier Jahren errungene absolute Mehrheit der Sitze im 338 Mitglieder zählenden Parlament zu verlieren. Nicht auszuschliessen ist, dass die Liberalen sogar den Rang als stärkste Fraktion an die Konservativen von Andrew Scheer verlieren.

Der 47-jährige Trudeau, Sohn des früheren Premierministers Pierre Trudeau, hofft auf ein zweites Mandat. Er warnt vor einer Rückkehr zu einer konservativen Politik, die vorrangig auf Haushaltssanierung setzt. Zudem unterstreicht er die von den Konservativen angekündigte Abkehr von seiner Klimaschutzpolitik, die unter anderem auf eine Kohlenstoffabgabe setzt. Andrew Scheer und seine Partei attackieren die Haushaltspolitik der Liberalen, die zu einem grossen Budgetdefizit führte.

Im Ausland populärer als in Kanada

Trudeau war im Ausland stets populärer als in Kanada. Im Ausland wurde er als «liberale Lichtgestalt» und als «Anti-Trump» gefeiert. Die Kanadier sahen ihn viel nüchterner, was sich auch darin zeigt, dass er bei seiner Wahl 2015 nur 39,5 Prozent der Stimmen bekommen hatte. Überschattet wird die Endphase von Trudeaus erster Amtszeit von einer Affäre um den Baukonzern SNC Lavalin und mögliche versuchte Einflussnahme auf ein Justizverfahren, was zum Rücktritt zweier prominenter Ministerinnen führte.

Laut Umfragen ist eine Minderheitsregierung, die mit wechselnden Mehrheiten arbeiten muss, möglich. Allerdings können in Kanadas Wahlsystem Verschiebungen von wenigen Prozentpunkten schnell zu grossen Veränderungen führen. Der landesweite Stimmenanteil ist nicht entscheidend. Es kommt darauf an, wer die meisten Wahlkreise gewinnt. Wer in seinem Wahlkreis die meisten Stimmen hat, gewinnt das Mandat. Alle anderen Stimmen werden bedeutungslos und haben keinerlei Einfluss auf die Zusammensetzung des Parlaments.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1