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Kamala Harris gegen Mike Pence: Warum dieses TV-Duell der Vize-Kandidaten das wichtigste aller Zeiten wird

Mike Pence (l) gegen Kamala Harris: Der Republikaner und die Demokratin duellieren sich in der Nacht auf Donnerstag (Schweizer Zeit) im US-Fernsehen. Wegen ihren jeweiligen Chefs, bekommt die Debatte eine nie dagewesene Brisanz.

Mike Pence (l) gegen Kamala Harris: Der Republikaner und die Demokratin duellieren sich in der Nacht auf Donnerstag (Schweizer Zeit) im US-Fernsehen. Wegen ihren jeweiligen Chefs, bekommt die Debatte eine nie dagewesene Brisanz.

Der «politische Superman» gegen die gewiefte Staatsanwältin: In der Nacht auf Donnerstag debattieren Mike Pence und Kamala Harris vor laufender Kamera. Fünf Fragen und Antworten zum TV-Duell der Kandidaten für das amerikanische Vizepräsidium.

In der Nacht auf Donnerstag (3 Uhr Schweizer Zeit) findet in Salt Lake City (Utah) die erste und einzige Fernsehdebatte der beiden Vizepräsidentschaftskandidaten statt. Es stehen sich gegenüber: Mike Pence, Vizepräsident, und Kamala Harris, Senatorin aus Kalifornien. Moderiert wird die auf 90 Minuten angesetzte Diskussion von Susan Page, langjährige Journalistin bei der Tageszeitung «USA Today».

Warum ist diese Debatte derart wichtig?

Normalerweise spielen die Kandidaten für das Vizepräsidium bloss die zweite Geige – so duellieren sie sich in der heissen Wahlkampf-Phase nur einmal, während die Präsidentschaftskandidaten drei Duelle eingeplant haben. Angesichts des fortgeschrittenen Alters von Präsident Donald Trump (74) und Herausforderer Joe Biden (77), und angesichts der Tatsache, dass sich Amerika immer noch in einer Gesundheitskrise befindet, kommt dem TV-Duell am Mittwoch grössere Bedeutung zu.

Anders gesagt: Es ist nicht ausgeschlossen, dass die republikanische oder demokratische Nummer zwei im Verlauf der nächsten Amtsperiode ihren Chef ersetzen muss. Pence und Harris stehen deshalb unter besonderer Beobachtung.

Wie wird sich Pence schlagen?

Weil Trump die politische Debatte in Amerika dominiert, ist etwas in Vergessenheit geraten, wie souverän sein Vize in der Öffentlichkeit auftritt. Sein Biograf Tom LoBianco spricht in diesem Zusammenhang von einer «politischen Superkraft». Im Gegensatz zu Trump vermeidet Pence die Konfrontation; als ehemaliger Radiomoderator weiss er nur zu gut, dass ein allzu aggressives Auftreten das Publikum abstossen kann.

Stattdessen setzt Pence auf die Kraft seiner Argumente, die er häufig untermauert, in dem er auf seinen Glauben verweist. Das Problem an dieser Kommunikationsstrategie: Harris wird Pence dazu zwingen, Trump zu verteidigen. Weigert er sich, dann riskiert er den Bruch mit dem Präsidenten. Harris darf es aber nicht übertreiben. Vor vier Jahren, als sich Pence mit Tim Kaine duellierte, dem Vize von Hillary Clinton, wirkte Kaine wie ein Aggressor, und Pence duckte sich geschickt weg.

Die Höhepunkte aus dem TV-Duell der Pence gegen Kaine

Wie wird sich Harris schlagen?

Die Senatorin aus Kalifornien ist von Berufs wegen eine Staatsanwältin – und deshalb geübt darin, ein skeptisches Publikum für sich einzunehmen. Gerade in parlamentarischen Anhörungen gelang es Harris in den vergangenen Jahren immer wieder, hochrangige Republikaner in die Zange zu nehmen. Andererseits zeigte sich während der TV-Debatten in den demokratischen Vorwahlen, als sich Harris noch um die Präsidentschaftsnomination bewarb, dass diese Fertigkeit nicht ausreicht, um Wahlen zu gewinnen.

Die Senatorin erweckte in den Diskussionen über politische Inhalte häufig den Eindruck, sie sei alles andere als sattelfest – und passe ihre Meinung an, sobald sie sich mit Widerstand konfrontiert sieht. Pence wird versuchen, diese Schwäche von Harris auszunützen. Er wird darauf hinweisen, dass sie sich im Senat links von Joe Biden positioniert und die rhetorische Frage stellen, wer denn eigentlich bei den Demokraten den Ton angebe. Das Trump-Lager behauptet schon lange, dass Biden eine Marionette des linken Parteiflügels sei und nach seinem Wahlsieg eine Machtübernahme «der Sozialisten» drohe.

Kamala Harris' Rede auf dem Parteitag der Demokraten 2020

Ist es eine gute Idee, derzeit eine Debatte durchführen?

Vizepräsident Pence befand sich im Rosengarten des Weissen Hauses, als Präsident Donald Trump vor zehn Tagen die designierte Nachfolgerin von Richterin Ruth Bader Ginsburg vorstellte. Während der Zeremonie sass er direkt vor einem republikanischen Senator, der inzwischen positiv auf das Coronavirus getestet wurde – so wie bisher sieben weitere Teilnehmer dieser Veranstaltung.

Pence sagt, er unterziehe sich regelmässig einem Coronatest, das Resultat sei aber bisher immer negativ ausgefallen. Kamala Harris reichen diese Zusicherungen nicht. Sie setzte durch, dass die Debatten-Teilnehmer mit Plexiglas voneinander getrennt werden. Pence willigte schliesslich ein. Der Vizepräsident bestand aber darauf, dass er nicht vollständig von Plexiglas umgeben sei. Für das Publikum gilt eine strikte Masken-Pflicht. Wer seinen Gesichtsschutz abstreife, müsse den Raum verlassen, sagen die Organisatoren.

Wie geht es anschliessend im Wahlkampf weiter?

Sowohl Pence als auch Harris werden nach der Fernsehdebatte wieder Wahlkampf betreiben. Pence wird am Donnerstag in Arizona erwartet; auch Biden und Harris haben Auftritte in diesem südwestlichen Bundesstaat angekündigt, in dem die Demokraten dieses Jahr gute Chancen haben.

Trump wiederum hat bereits angetönt, dass auch er bald wieder persönlich um Stimmen werben wolle. Die nächste TV-Debatte des Präsidenten und seines Herausforderers ist auf den 15. Oktober angesetzt.

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