Deutschland

Königin zu Gast beim Prinzen: Angela Merkels Besuch beim Kanzler-Anwärter Markus Söder

Pompöse Polit-Show: Markus Söder (r) empfängt Kanzlerin Angela Merkel im Schloss Herrenchiemsee, dem bayerischen Versailles. (Bild: Keystone/DPA)

Pompöse Polit-Show: Markus Söder (r) empfängt Kanzlerin Angela Merkel im Schloss Herrenchiemsee, dem bayerischen Versailles. (Bild: Keystone/DPA)

Bundeskanzlerin Angela Merkel besucht Markus Söder – und der Bayer darf sich als Kronprinz von Deutschland inszenieren.

Noch ehe es zwölf Uhr schlägt weiss Markus Söder: Er hat es richtig gemacht. Nicht, dass das für ihn etwas Neues wäre. Dass er ein Richtigmacher ist, kann der Ministerpräsident von Bayern seit Monaten im Radio hören, im TV sehen und in allen deutschen sowie in ausländischen Zeitungen lesen. Und jetzt produziert der oberste Christsoziale auch noch Fotos von ikonischer Qualität im und rund ums Schloss Herrenchiemsee, dem bayerische Versailles – neben ihm Angela Merkel, die deutsche Kanzlerin. Söder lächelt. Merkel auch.

Man sieht es, als die beiden ihre Anti-Corona-Masken abziehen. Die – und der Sicherheitsabstand – trüben das Bild. Aber nur ein ganz kleines bisschen. Ohne Sars-CoV-2 und ohne die Krise, die das Virus erzeugt hat, wäre die Kanzlerin mit hoher Wahrscheinlichkeit indes schon halb im Austrag, wie man im ländlichen Bayern den Ruhestand nennt. Und trüge das Etikett «Lahme Ente». Söder wäre der Bayern-Ministerpräsident mit dem lausigsten Wahlergebnis seit 1950.

Die Mehrheit der Deutschen will Söder als Kanzler

Jetzt aber ist Merkel die Kanzlerin, hinter der sich laut Umfragen die Mehrheit der Deutschen versammelt. Und Söder der Mann, von dem sich laut Umfragen die Mehrheit der Deutschen am liebsten regieren lassen würde, wenn Merkel es dann nicht mehr tun will, ab Herbst kommenden Jahres. Auch wenn die Monarchien in Deutschland und in Bayern seit 102 Jahren abgeschafft sind: Es ist dann schon ein bisschen so, als besuchte die Königin den Kronprinzen in seinem Schloss.

Den Eindruck hätte Merkel nur vermeiden können, hätte sie Söders Einladung ausgeschlagen. Nach all den Verwerfungen zwischen ihr und der CSU während der Ära von Söders Vorgänger Horst Seehofer – zuvorderst in der Flüchtlingsfrage – hätten nicht nur die Bayern das als Affront verstanden. Es wäre – im Jahr vor der Bundestagswahl – auch ganz schlicht nicht klug gewesen. Für die Union insgesamt. Und also gönnt Merkel Söder die Inszenierung. Sie setzt mit ihm im Schiff über den Chiemsee, sie fährt mit ihm Kutsche – und sie präsidiert mit ihm die Sitzung des bayerischen Kabinetts im Spiegelsaal: Er am Pult mit dem Staatswappen, sie daneben an einem mit dem Bundesadler. Besser ist Ebenbürtigkeit nicht zu illustrieren.

Pech für Merz und Röttgen: Kein Amt, kein Zweispänner

Anderenorts sorgt dieses Bühnenbild und überhaupt die ganze Darbietung garantiert für Missfallen. Von den erklärten Bewerbern um die Kanzlerkandidatur der Union kann allenfalls der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Armin Laschet, die Kanzlerin zu einer ähnlichen Aufführung laden. Friedrich Merz aber und Norbert Röttgen müssen mangels Amt auf Boot, Zweispänner und Bilderbuchfotos verzichten.

Heisst das etwas? Keinesfalls, behauptet Merkel. Und beteuert, sie werde in der Frage «Wer wird mein Nachfolger?» in «keiner Weise und in keinem Umfeld etwas kommentieren». Muss sie ohnehin nicht. Hier wirft sich ihr Söder auch so zu Füssen. Dass Deutschland besser als viele andere Staaten durch die Coronazeit komme, preist er, «liegt ganz stark an dem Einfluss und auch der Führung durch die Bundeskanzlerin». Merkel nimmt es hin, wie Königinnen Huldigungen eben hinnehmen.

Keine tausend Kilometer westlich, in Paris an der Place de la Concorde, sitzt zur selben Zeit Armin Laschet mit seinem Co-Bewerber Jens Spahn auf der Ehrentribüne; Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat die beiden zum Nationalfeiertag geladen. Gibt auch hübsche Bilder – aber gegen Söder mit Merkel sind sie nichts.

Ob das wichtig ist – oder wird – weiss niemand. Vielleicht noch nicht einmal Söder selbst. Seine Formel «Mein Platz ist in Bayern» klingt zwar immer weniger nachdrücklich; aber zurückgenommen hat er sie nicht, bislang. Obwohl ihn, laut aktuellem ZDF-Politbarometer 64 Prozent der Deutschen für kanzlerfähig halten; Merz kommt auf 31, Laschet auf 19, Röttgen auf 14.

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