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Lobbystreit um Fleischersatz: Es droht das Aus für die Vegi-Wurst

Heissen sie statt  «Vegi-Wurst» und «Vegi-Schnitzel» bald «Vegi-Stangen» und «Vegi-Platte»?

Heissen sie statt «Vegi-Wurst» und «Vegi-Schnitzel» bald «Vegi-Stangen» und «Vegi-Platte»?

Dürfen vegetarische Fleischersatz-Produkte mit «Steak», «Burger» und Co. beschriftet werden? Morgen stimmt das EU-Parlament darüber ab.

Wann ist eine Wurst eine Wurst? Darüber debattieren diese Woche die 750 EU-Parlamentarier in Brüssel. Es geht darum, ob vegetarische Fleisch-Imitationen wie «Vegi-Burger», «Vegi-Wurst», aber auch Milchalternativen wie «Soja-Milch» oder «veganer Käse» noch als solche beschriftet werden dürfen. Was auf Anhieb wie eine Brüsseler Kuriosität klingt, ist in Wirklichkeit ein erbitterter Lobby-Streit in der Lebensmittelindustrie: Es geht um Marktanteile beim wachsenden Segment der Fleischersatzprodukte und dementsprechend viel Geld.

Auf der einen Seite stehen Vegi-Produzenten flankiert von Nichtregierungsorganisationen und Klimaschützern. Sie argumentieren, ein Verbot von vegetarischen Fleisch-Bezeichnungen würde die Marktentwicklung und damit die EU-Nachhaltigkeitsstrategie gefährden, die eine Produktionssteigerung von pflanzlichen Nahrungsmittel und eine Senkung des Fleischkonsums anstrebt.

Auf der anderen Seite stehen die Fleischproduzenten, die den Konsumenten vor einem Etikettenschwindel und davor schützen wollen, im Supermarkt unbeabsichtigt eine vegetarische Cervelat zu kaufen. Es gehe um eine «ehrliche» Produktebezeichnung, sagen sie.

Ob eine Verwechslung in der Wirklichkeit je geschieht, ist umstritten. «Als Hersteller von klassischen Wurstprodukten und Alternativen kennen wir beide Seiten». Man habe festgestellt, dass keine Verwechslungsgefahr bestehe, so eine Sprecherin des Streichwurst-Produzenten Rügenwalder Mühle gegenüber der «FAZ».

Wie die Abstimmung am Donnerstag ausgehen wird, ist ungewiss. Vergangenes Jahr hat sich der vorberatende Ausschuss klar für eine Abschaffung der tierischen Vegi-Bezeichnungen ausgesprochen. Vegi-Würste müssten dann «Vegi-Stangen» oder ähnliches heissen, Vegi-Burger könnten zu «Vegi-Platten» werden. Seit Grosshersteller wie Nestlé und Unilever zusammen mit etlichen weiteren Firmen und Organisationen auf der Seite der Vegi-Fans eingestiegen sind, hat sich die Dynamik verändert. Beobachter erwarten eine knappe Abstimmung. So oder so: Am Schluss muss sich das EU-Parlament noch mit den EU-Mitgliedsstaaten einigen. Vorgeprescht ist dort bereits Frankreich: Im Juli verabschiedete die Nationalversammlung ein Gesetz, das Vegi-Wurst und Co. definitiv verbieten soll.

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