Ein neuer Wind weht in Spanien, von einer Frauen-Revolution ist gar die Rede. Denn seit gestern ist es offiziell: Spanien hält nun den Weltrekord der Ministerinnen – ganze 11 der 17 Ämter belegen nun Frauen. Im Madrider Zarzuela-Palast legten die Ministerinnen und Minister ihren Amtseid vor König Felipe VI. ab.

Regierungschef Pedro Sanchez hatte bereits angekündigt, gegen die Ungleichheit der Geschlechter ankämpfen zu wollen. Dafür biete er das Beste auf, was das Land zu bieten habe. Die weibliche Mehrheit im Kabinett bedeutet gleichzeitig einen Schritt in die entgegengesetzte Richtung des vorherigen Regierungschefs Mariano Rajoy, der vergangene Woche in einem Misstrauensvotum aufgrund eines Korruptionsskandals abgewählt wurde. Während Rajoys Amtszeit belegten lediglich fünf Frauen Ministerposten.

In den sozialen Netzwerken blieben die Reaktionen nicht aus: «Frauenpower! Es war längst an der Zeit, Frauen regieren zu lassen», twitterte eine Nutzerin. Ein anderer sagt: «Es ist nicht schwierig, Frauen zu finden, die in ihrem Fach mindestens genauso gut sind wie Männer – wenn man sie denn finden will».

Die neuen Ministerinnen sind keine Unbekannten. Sie gelten als äusserst kompetent und in ihren jeweiligen Fachbereichen zählen sie zu den Überfliegern. Die neue Verteidigungsministerin Margarita Robles etwa schaffte es als dritte Richterin an den Obersten Gerichtshof. Dolores Delgado ist Spaniens bekannteste Anwältin im Kampf gegen Terrorismus – sie wurde zur Justizministerin ernannt.

Die neue Wirtschaftsministerin Nadia Calviño ist als Generaldirektorin des EU-Haushalts eine Brüssel-Expertin. Das Finanzministerium wird künftig von Maria Jesús Montero geleitet. Sie war bereits Finanzministerin in der andalusischen Regionalregierung. Auch der Posten des Vize-Ministerpräsidenten wurde mit einer Frau besetzt – Carmen Calvo amtiert gleichzeitig als Gleichstellungsbeauftragte.

Der Sportminister, der Sport hasst

Auch beim männlichen Anteil der Minister sind Schwergewichte der spanischen Politik und Gesellschaft zu finden. Mit Pedro Duque ist zum ersten Mal ein spanischer Astronaut im Kabinett. Er ist der neue Wissenschaftsminister. Der neue Aussenminister ist ebenfalls kein unbeschriebenes Blatt: Josep Borrell war früher Präsident des Europäischen Parlaments. Zu den bekannten Gesichtern des neuen Kabinetts zählt auch der neue Kultur- und Sportminister Maxim Huertas, wobei dieser bei der Allgemeinheit eher durchgefallen zu sein scheint. Schuld daran sind alte Twitter-Nachrichten Huertas. Eine davon sticht besonders hervor und sorgt bereits für Diskussionsstoff: «Umberto Eco meinte einst: ‹Ich hasse Sportler.› Ich hingegen hasse den Sport.» Ein Sportmuffel, der nun als Sportminister agiert.

Dass da etwas nicht ganz passt, denkt nicht nur die Twitter-Gemeinschaft, die kein gutes Wort an Huertas lässt. Auch Kataloniens Ex-Regierungschef Carles Puigdemont hat nicht lange auf eine Aussage warten lassen: «Sie werden viel erklären müssen. Und zwar schnell. Mit solchen Ministern kommt die Regierung nicht weit. Was für eine Schande!» In den Reaktionen fällt auch immer wieder der Vergleich zu Kanadas Premierminister Justin Trudeau. Spanien sei auf einem guten Weg. Kanada habe es vorgemacht, und nun sei es an Spanien, gleichzuziehen. Kompetente Minister, die in ihrem Ressort ausgebildet sind – dafür steht Kanada. Und jetzt auch Spanien.

Einen Feind hat sich Pablo Sanchez mit der Besetzung der Ministerposten gemacht: Pablo Iglesias. Der Generalsekretär der Partei Podemos bemängelt, Sanchez habe vergessen, wer ihn zum Präsidenten gemacht habe. In einem Interview mit dem spanischen Fernsehen sagte Iglesias: «Es wird ein langer Leidensweg für Sanchez. Er regiert – aber mit der wohl schwächsten Regierung der Geschichte Spaniens.»