Zu diesem 100-Punkte-Plan aus seiner Antrittsrede vom Samstagabend (Ortszeit) gehört, dass er der Korruption und Straflosigkeit ein Ende setzen, die Treibstoffpreise senken und mehr Arbeitsplätze für junge Menschen schaffen will.

In der gut zweistündigen Ansprache vor rund 150'000 Menschen auf dem Zócalo in Mexiko-Stadt wandte sich López Obrador das erste Mal ans Volk. Er kündigte an, während seiner sechsjährigen Amtszeit einmal pro Jahr eine Rede auf dem zentralen Platz zu halten, in welcher die Umsetzung seiner Vorhaben auf den Prüfstand gestellt werden solle.

Fokus auf Minderheit

Vor seiner Ansprache hatte sich der ehemalige Bürgermeister von Mexiko-Stadt einer indigenen Reinigungs-Zeremonie unterzogen. Vertreter der indigenen Völker des lateinamerikanischen Landes überreichten dem 65-Jährigen einen mit bunten Bändern geschmückten Kommandostab. Für die Übergabe eines weissen Holzkreuzes kniete sich López Obrador vor die Delegation der Indigenen - eine Geste, die viele lokale Medien als historisch bezeichneten. Er wolle den Fokus wieder mehr auf die Indigenen Mexikos rücken, sagte López Obrador danach in seiner Rede.

Am Vormittag hatte der Linkspopulist die Präsidenten-Schärpe von seinem Vorgänger Enrique Peña Nieto übernommen. An der Zeremonie im Kongress nahmen auch US-Vizepräsident Mike Pence sowie Regierungschefs aus Mittelamerika und Kuba teil. Auch die Tochter von US-Präsident Donald Trump, Ivanka, wohnte der Amtseinführung bei. Venezuelas Präsident Nicolás Maduro erschien nicht wie erwartet zu der Veranstaltung. Er nahm nur am anschliessenden Mittagessen teil.

Ungebetener Gast

Doch allein schon für die Einladung des autoritären Regierungschefs erntete der neue Präsident Kritik. Die Oppositionspartei PAN brachte im Kongresssaal ein grosses Banner an mit der Aufschrift "Maduro, du bist nicht willkommen". Als López Obrador den Namen Maduros nannte, schallten ihm "Diktator!"-Rufe entgegen.

Tausende Bewohner Mexiko-Stadts verfolgten die Amtseinführung auf Grossleinwänden in der Stadt und in Los Pinos, der bisherigen offiziellen Residenz der Präsidenten. López Obrador hatte sich dazu entschieden, bis kommenden Juni weiterhin in seinem Haus zu wohnen. Anschliessend möchte er in das Stadtzentrum ziehen. Los Pinos wurde anlässlich der Amtseinführung für die Bevölkerung geöffnet. Mindestens 25'000 Menschen besuchten das Anwesen allein bis Samstagmittag (Ortszeit), wie die Tageszeitung "Reforma" berichtete.

Keine Wiederwahl

López Obrador war im Juli mit 52,9 Prozent der Stimmen zum neuen Präsidenten des lateinamerikanischen Staats gewählt worden. Die Amtszeit eines Präsidenten in Mexiko beträgt sechs Jahre. Eine Wiederwahl ist ausgeschlossen. Der auch als AMLO bekannte Politiker hat sich für seine Amtszeit den Kampf gegen Korruption, Gewalt und Armut auf die Fahne geschrieben. Die Koalition unter Führung seiner Morena-Partei hat auch die Mehrheit in beiden Kongresskammern.

Mexiko ist nach Brasilien die zweitgrösste Volkswirtschaft Lateinamerikas. Mit seinen rund 123 Millionen Einwohnern gilt das Land als wichtige Brücke zwischen Zentralamerika und den USA. Geografisch liegt der Grossteil der Fläche Mexikos auf dem nordamerikanischen Kontinent.