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Nichts da spinnefeind: Angela Merkel lobt Alt-Kanzler Schröder

Gute Stimmung: Gerhard Schröder wird bei der Präsentation seiner Biografie von Bundeskanzlerin Angela Merkel unterstützt. Michael Sohn/AP/Keystone

Gute Stimmung: Gerhard Schröder wird bei der Präsentation seiner Biografie von Bundeskanzlerin Angela Merkel unterstützt. Michael Sohn/AP/Keystone

Sie könnten kaum verschiedener sein – doch Angela Merkel hält viel von ihrem Vorgänger Altkanzler Gerhard Schröder

Gestern betraten die beiden Seite an Seite die Bundespressekonferenz in Berlin. Merkel stellte die fast 1000 Seiten umfassende Biografie über Gerhard Schröder vor. Es ist die Geschichte eines Mannes, der es aus ärmlichsten Verhältnissen ganz an die Spitze der Nation geschafft hatte. Es ist bemerkenswert, wenn die CDU-Kanzlerin das Lebenswerk des SPD-Altkanzlers würdigt.

Fast auf den Tag vor zehn Jahren, am 18. September 2005, wurde Schröder von Angela Merkel bei den vorgezogenen Bundestagswahlen abgelöst. Nun sitzen sie gemeinsam auf dem Podium und überschütten sich mit Respektsbekundungen. «Bundeskanzler Schröder hat sich mit der Agenda 2010 (Anmerkung: Arbeitsmarktreform) um unser Land verdient gemacht. Dass Deutschland heute so gut dasteht, hat seinen Ausgangspunkt in dieser Reform», lobte Merkel. Schröder sass neben ihr und blickte zufrieden in die Runde.

Testosteron gesteuert

Dabei bleibt Schröders Auftritt an diesem Wahlabend 2005 unvergessen, als er in der «Berliner Runde» des ARD/ZDF trotzig seine Wahlniederlage gegen Merkels Union aus CDU und CSU nicht eingestehen wollte. Schröder entlud sich an diesem Abend im Fernsehstudio vor Millionen von Zuschauern ein über Monate aufgebauter Druck.Wegen seiner unpopulären Reform war er in der eigenen Partei zuvor massiv unter Druck geraten.

Schröder fühlte sich auch von den Medien im Stich gelassen. Testosterongesteuert sei der Kanzler in diesen Minuten im Fernsehstudio gewesen, hiess es später. Schröder kann heute über den Auftritt lachen. Die Sendung sei heute immerhin «Kult im deutschen Fernsehen», meinte er gestern. Seine Frau habe ihm noch am selben Abend klargemacht, wie sie seine Performance empfunden hatte. «Es war so lustvoll wie suboptimal. Das war die Aussage meiner Frau», erzählte Schröder – und fügte hinzu: «Trotzdem will ich das nicht missen.»

Gerhard Schröder (2005) Elefantenrunde

Gerhard Schröder (2005) Elefantenrunde

Möglicherweise hatte Schröders Trotzreaktion weit mehr Folgen, als ihm lieb sein konnte. Mit seinen Verbalattacken gegen die knappe Wahlsiegerin Angela Merkel hat er die Position seiner Widersacherin gestärkt. Wenige Wochen später wurde die ostdeutsche Physikerin tatsächlich zur Kanzlerin gekürt. Die SPD kann seither von Resultaten aus der Ära Schröder, als die Sozialdemokraten Wähleranteile von ungefähr 35 Prozent hatten, nur noch träumen. Schröder hält die Theorie, wonach ausgerechnet er Merkel am Wahlabend zur Kanzlerin gemacht habe, aber für eine Legendenbildung. Im Grunde genommen sei ihm schon im TV-Studio bewusst gewesen, dass die Messe wohl gelesen war. «Das wars dann an jenem Abend.»

Merkel verriet, dass sie bis heute gelegentlich Kontakt zu Schröder pflege. Es sei zwar ein «überschaubares Repertoire an Treffen», wie Merkel meinte. «Aber es ist nie irgendwie verspannt. Es ist okay. Da ist ein Grundvertrauen. Es ist einfach gut.»

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