USA

Nominierung von Kamala Harris setzt Präsident Trump unter Druck – wechselt er nun seinen Vize aus?

In trauter Einigkeit: US-Präsident Donald Trump (l) und sein Vize Mike Pence. Nur: wie lange noch?

In trauter Einigkeit: US-Präsident Donald Trump (l) und sein Vize Mike Pence. Nur: wie lange noch?

Donald Trump findet lobende Worte für seinen Vizepräsidenten Mike Pence – und heizt damit Spekulationen über dessen Verbleib an. Spekuliert wird, ob der Präsident nun seinerseits auf eine Frau setzt. Besonders eine Kandidatin sticht hervor.

Es dauerte am Dienstag nicht lange, bis Donald Trump eine Breitseite gegen die frisch gekürte Vize-Präsidentschaftskandidatin der Demokraten abfeuerte. In einem Interview auf dem Nachrichtensender «Fox News Channel» beschimpfte der amerikanische Präsident Kamala Harris mehrmals als «nasty», was sich mit garstig übersetzen lässt. Auch behauptete er, dass Harris an der Seite von Joe Biden die Steuern erhöhen und das in der Verfassung garantierte Recht auf Waffenbesitz abschaffen wolle.

Die Kritik war nicht weiter überraschend: In den Augen des Republikaners im Weissen Haus ist derzeit jeder führende Demokrat ein linksradikaler Extremist. Erstaunlich war aber, wie rasch Trump in diesem Interview auf seine Nummer zwei zu sprechen kam. «Wir haben einen grossartigen Vizepräsidenten namens Mike Pence», sagte Trump. Er werde sich um sie kümmern.

Ähnlich lobende Worte hatte der Präsident zuvor während einer Pressekonferenz im Weissen Haus für seinen Vize gefunden. «Er ist wie ein Fels in der Brandung», hatte der Präsident über Pence gesagt. Und: «Er wird von jeder religiösen Gruppe respektiert.»

Wird Nikki Haley Trumps neue Vize-Präsidentin?

Sie hätte wohl die besten Chancen, Vizepräsident Mike Pence zu beerben, sollte Trump tatsächlich wechseln wollen: Ex-UNO-Botschafterin Nikki Haley.

Sie hätte wohl die besten Chancen, Vizepräsident Mike Pence zu beerben, sollte Trump tatsächlich wechseln wollen: Ex-UNO-Botschafterin Nikki Haley.

Solche Lobeshymnen aus dem Mund des Präsidenten machen stutzig. Sie klingen, als wolle Trump sich selbst davon überzeugen, dass Pence der richtige Mann für die nächsten vier Jahre ist, sollte der Präsident am 3. November wiedergewählt werden. In der Tat gibt es in Washington immer wieder Spekulationen darüber, dass Trump seinen Vize auswechseln möchte – nicht unbedingt, weil er mit der Arbeit von Pence unzufrieden ist, sondern vielmehr, weil der Showman im Weissen Haus glaubt, er müsse das Publikum mit unerwarteten Wendungen unterhalten.

So beschreibt der ehemalige Nationale Sicherheitsberater John Bolton in seinen Memoiren eine Episode, die sich im Dezember 2018 zugetragen haben soll. Während eines Fluges in der «Air Force One» habe Trump ihn gefragt, ob es politisch sinnvoll wäre, Pence mit Nikki Haley zu ersetzen, der ehemaligen Gouverneurin von South Carolina und UNO-Botschafterin. Haley, deren Eltern aus Indien eingewandert sind, besitzt einen direkten Draht zu Ivanka Trump, der einflussreichen Präsidentenberaterin.

Bolton soll gesagt haben, es sei eine schlechte Idee, jemanden über Bord zu werfen, der sich loyal verhalten habe. Auch wisse letztlich niemand, ob Haley unter dem Strich mehr Stimmen für Trump generieren könne als Pence, der als Verbindungsglied des Weissen Hauses zu religiösen Wählern gilt. «Dies schienen auch Trumps Ansichten zu sein», schreibt Bolton.

Oder wird Kristi Noem die neue Nummer zwei?

Allem Anschein aber lässt der Gedanke, mit einer Frau ins Rennen zu steigen, Trump nicht mehr los. So berichtete die «New York Times» kürzlich darüber, dass der Wahlkampfstab des Präsidenten immer noch über eine Auswechslung von Pence diskutiere. Im Zentrum dieser Gedankenspiele stand dabei jüngst Kristi Noem, die Gouverneurin von South Dakota.

Die 48-Jährige, die 2018 zur Regierungschefin des kleinen Bundesstaates gewählt wurde, spielte jüngst Gastgeberin für den Präsidenten: Trump trat am 3. Juli am Mount Rushmore in South Dakota auf, dem ikonischen Denkmal für vier seiner berühmtesten Vorgänger, und hielt dort eine aggressive Wahlkampfrede zum Nationalfeiertag. Damit verwirklichte Trump einen Traum, ist er doch der Meinung, dass sein Konterfei ebenfalls am Mount Rushmore gezeigt werden sollte.

Das Pence-Lager reagierte angeblich nervös auf die Avancen von Noem; diese habe im direkten Gespräch mit dem Vizepräsidenten aber beteuert, sie schiele nicht auf seinen Posten, berichtete die «New York Times».

Auf dem Papier wäre eine Auswechslung von Pence noch bis am 24. August möglich. An diesem Tag treffen sich die republikanischen Delegierten in Charlotte (North Carolina) zu einem Rumpf-Parteitag, um den republikanischen Präsidentschaftskandidaten und sein «Running Mate» zu nominieren.

Die wenigsten Politbeobachter rechnen allerdings damit, dass Trump seine Nummer zwei feuern wird. In jüngster Zeit entschied sich bloss ein amtierender Präsident, seine Nummer zwei im Wahljahr auszuwechseln. 1976 ersetzte der Republikaner Jerry Ford – der zwei Jahre zuvor im Zuge des «Watergate»-Skandals ins Weisse Haus eingezogen war – Vizepräsident Nelson Rockefeller durch den Senator Bob Dole. Es half nichts. Ford verlor das Rennen um das Weisse Haus gegen den Demokraten Jimmy Carter.

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