China

Panische Reaktion auf Neuinfektion in Wuhan: Jetzt greifen die Behörden zu radikalen Massnahmen

Schüler in Wuhan werden mit Thermokameras überwacht.

Schüler in Wuhan werden mit Thermokameras überwacht.

Das einstige Epizentrum der Coronakrise wird von neuen Covid-19-Fällen erschüttert. Doch Chinas Regierung will trotzdem den «Sieg über das Virus» verkünden.

Wie ernst die chinesische Regierung die Gefahr einer zweiten Infektionswelle nimmt, ist spätestens seit Montag unbestritten: Nachdem in Wuhan lediglich sechs Bewohner eines Wohnblocks positiv auf das Coronavirus getestet worden sind, wollen die lokalen Behörden nun binnen zehn Tagen jeden der elf Millionen Einwohner aus dem einstigen Covid-19-Epizentrum testen. Ohne Frage ist das auch eine Machtdemonstration des Regimes in Peking: Schliesslich klagen viele Länder weltweit dieser Tage über einen Mangel an Test-Kits. «Wir dürfen weder nachlässig noch lax sein», zitiert die Wuhaner Changjiang Tageszeitung einen örtlichen Parteikader.

Virus schlägt mit Verzögerung noch einmal zu

Nach einem Monat ohne neue Fälle ist das Virus nun also zurück in der Hauptstadt der Provinz Hubei: Ein 89-jähriger Mann hatte bereits Mitte März Fiebersymptome gezeigt, sich dann aber wieder erholt. Knapp zwei Monate später wurde er nun positiv getestet. Laut dem chinesischen Zentrum für Seuchenbekämpfung soll es in Wuhan mehrerer solcher Fälle gegeben haben, bei denen das Virus mit grosser Verzögerung noch einmal aufgeflackert ist. Die anderen fünf Infizierten leben allesamt ausgerechnet in jener Wohnsiedlung, die Präsident Xi Jinping bei seinem Wuhan-Trip im März besuchte.

Chinas Präsident Xi Jinping bei seinem Besuch in Wuhan am 10. März 2020. (Bild: Keystone)

Chinas Präsident Xi Jinping bei seinem Besuch in Wuhan am 10. März 2020. (Bild: Keystone)

Priorität bei den anstehenden Massentests in Wuhan sollen Risikogruppen wie Senioren oder Arbeitsmigranten in engen Behausungen bekommen. Die Kosten der Tests werden vom Staat getragen. Der Massentest ist nicht die einzige Massnahme, die die Behörden verfügt haben. Die Lokalregierung hat den für den Wohnbezirk verantwortlichen Parteikader umgehend geschasst. An ihm soll ein Exempel statuiert werden.

«Disney Land»-Öffnung als Beweis für den Sieg

Auch wenn in den letzten zwei Wochen sieben Provinzen Neuinfektionen gemeldet haben, kann man nicht von einer zweiten Ansteckungswelle sprechen. Die Anzahl der Neuinfektionen ist sehr tief. Trotzdem wurde am Sonntag die Stadt Shulan im Nordosten Chinas nach mehreren neuen Fällen zum Hochrisikogebiet erklärt – dem derzeit einzigen im Land. Die 670000 Bewohner Shulans wurden bis auf wenige Ausnahme in Heimquarantäne geschickt, Schulen und Freizeitanlagen wurden geschlossen.

Die strengen Massnahmen der Behörden haben einen einfachen Grund: In wenigen Tagen wird der Nationale Volkskongress in Peking stattfinden, eine der wichtigsten Veranstaltungen des Landes, bei der rund 3000 Politiker und viele weitere Tausend Wirtschaftsleute und Journalisten aus allen Provinzen in die Hauptstadt strömen. Beim symbolträchtigen Anlass wird die Kommunistische Partei den Sieg über das Virus verkünden und den Fokus auf die Ankurbelung der Wirtschaft legen wollen. Der Ausbruch einer zweiten Welle soll um jeden Preis verhindert werden. Als Beweis für die wiedergewonnene Normalität feierten die Staatsmedien am Montag bereits die Wiedereröffnung des Vergnügungsparks «Disney Land» in Shanghai.

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