Kuba

Papst Franziskus ist in Washington eingetroffen

Nach der Landung in den USA spricht Papst Franziskus (Mitte) mit US-Präsident Barack Obama und First Lady Michelle Obama.

Nach der Landung in den USA spricht Papst Franziskus (Mitte) mit US-Präsident Barack Obama und First Lady Michelle Obama.

Nach einer viertägigen Reise durch Kuba ist Papst Franziskus am Dienstag in Washington eingetroffen. In einer ungewöhnlichen Geste wurde der Papst von US-Präsident Barack Obama und dessen Frau Michelle sowie von Vizepräsident Joe Biden und dessen Frau begrüsst.

Der Pontifex absolviert in den USA ein sehr politisches Programm. Nach einem Treffen mit Obama im Weissen Haus wird Franziskus am Donnerstag als erster Papst vor dem US-Kongress sprechen.

Papst Franziskus will bei diesem Auftritt nicht über konkrete Fragen wie das Handelsembargo gegen Kuba sprechen. "Das ist Teil der Verhandlungen", sagte er während des Fluges von Kuba in die USA.

In der Ansprache werde es generell um "binationale und multinationale Vereinbarungen" gehen, sagte er. Kubas Staatschef Raúl Castro hatte das Embargo, das nach der Annäherung beider Staaten bereits gelockert worden war, als "grausam" kritisiert und eine Aufhebung gefordert.

Auftritte vor Kongress und vor UNO

Seine Reise führt Franziskus bis und mit Sonntag auch nach New York und Philadelphia. Der 78-Jährige war noch nie in den USA. Er ist der vierte Papst, der die USA besucht. Am Freitag hält Franziskus eine weitere Rede vor der UNO in New York.

Zum Abschluss seines viertägigen Besuches in Kuba warb Franziskus für die versöhnende Kraft der Kirche in dem sozialistischen Land. Er wünsche sich eine Kirche, "die aufbricht, um Brücken zu spannen, Mauern zu durchbrechen und Versöhnung auszusäen", sagte der Argentinier am Dienstag in Santiago de Cuba.

Dort feierte der 78-jährige Papst eine Messe im Nationalheiligtum "Virgen de la Caridad del Cobre", die vor 100 Jahren von Papst Benedikt XV. zur Schutzpatronin der Kubaner erklärt worden war.

Treffen mit Familien

Bei einem Treffen mit Familien in der Kathedrale von Santiago betonte er anschliessend, wie wichtig der familiäre Zusammenhalt sei: "Ohne Familie, ohne die häusliche Wärme wird das Leben leer, beginnen die Netze zu fehlen, die uns im Unglück unterstützen, uns im Alltag versorgen und das Ringen um Wohlergehen motivieren."

Auf allen Stationen seiner Kuba-Reise wurde Franziskus begeistert empfangen. In Holguín im Südosten der Insel beispielsweise, der vorletzten Station seines Besuchs im Inselstaat, hatten am Montag zehntausende Menschen geduldig auf das Kirchenoberhaupt gewartet.

Bei seiner Messe auf dem Revolutionsplatz Calixto García würdigte der Papst am Montag die "Bemühungen und Opfer der Kirche Kubas, das Wort Christi" bis in die letzte Ecke der Insel zu tragen - eine Anspielung auf die jahrzehntelangen Probleme der Kirche mit der kommunistischen Führung in Havanna.

Kein Treffen mit Oppositionellen

Zur Enttäuschung von Oppositionellen gab jedoch kein Treffen zwischen ihnen und dem Pontifex. Franziskus sei bereit dafür gewesen, aber die Begegnung sei gescheitert, erklärte Sprecher Federico Lombardi.

Zwei oppositionelle Frauen, die von der Kirche zu einer Begegnung mit dem Papst in der Kathedrale von Havanna eingeladen waren, kamen in Gewahrsam. Während des Besuchs von Franziskus wurden nach Angaben von Oppositionellen rund 50 Dissidenten vorübergehend festgenommen oder unter Arrest gestellt.

Am Dienstag reiste das Oberhaupt der katholischen Kirche nach Washington weiterreisen. Dort wurde Franziskus noch auf dem Rollfeld von US-Präsident Barack Obama und dessen Frau Michelle in Empfang genommen.

In den USA dürfte der Empfang des Papstes kühler ausfallen als in Kuba. Viele politische Termine mit dem Oberhirten sind geplant. Vor allem die Republikaner tun sich schwer mit dem Argentinier, seiner Kritik an ungezügeltem Kapitalismus, seinem Einsatz für Arme und Flüchtlinge und den Umweltschutz.

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