USA

Präsident Trump ist im Spital – während sein Kontrahent Joe Biden weiterhin Wahlkampf betreibt

Präsident Donald Trump wurde am Freitag in ein Militärspital geflogen.

Präsident Donald Trump wurde am Freitag in ein Militärspital geflogen.

Überraschend wurde Donald Trump am späten Freitag in ein Militärspital in der Nähe von Washington eingewiesen. Es gehe ihm gut, sagte der Präsident in einem kurzen Video, aber er fällt wohl dennoch einige Tage aus. Derweil setzt sein Kontrahent, der Demokrat Joe Biden, den Wahlkampf fort.

Präsident Donald Trump wurde am Freitag in ein Militärspital geflogen.

Präsident Donald Trump wurde am Freitag in ein Militärspital geflogen.

Manchmal spielt das Schicksal geradezu absurde Streiche. Da musste sich Joe Biden, der demokratische Präsidentschaftskandidat, monatelang den Vorwurf gefallen lassen, er verstecke sich im Keller seines Hauses in Wilmington (Delaware) – während Präsident Donald Trump wie ein Wirbelwind durchs Land fege. An den wenigen Wahlkampf-Auftritten, an denen Biden festhielt, schrien sich Trump-Anhänger den Leib aus der Seele, und verspotteten den 77-jährigen Demokraten als einen Greis, der sich häufig ausruhen müsse.

Vier Wochen vor dem Wahltag am 3. November ist nun aber Biden der einzige Präsidentschaftskandidat, der bei den Wählerinnen und Wählern persönlich um Stimmen werben kann. Trump hingegen wurde am Freitagabend überraschend ins Militärspital Walter Reed National Military Medical Center in Bethesda (Maryland) eingeliefert. Dabei handle es sich um «eine Vorsichtsmassnahme», weil sich Trump und seine Gattin Melania mit dem Coronavirus infiziert hätten, sagte Kayleigh McEnany, die Sprecherin des Weissen Hauses. Der Präsident sei guten Mutes und zeige nur «milde Symptome», sagte McEnany.

Amerikanische Medien berichteten übereinstimmend, dass Trump leichtes Fieber habe. Auch zitierten sie anonyme Berater des Präsidenten, die angeblich sagten, es gebe keinen Grund für die amerikanische Bevölkerung, alarmiert zu sein. Sean Conley, der Leibarzt des Präsidenten, gab ausserdem bekannt, dass Trump «müde» sei und eine Dosis eines experimentellen Medikamenten-Cocktails des Biotech-Konzerns Regeneron verabreicht bekommen habe, das sein Immunsystem stärken soll.

Weitere Details über den Gesundheitszustand des amerikanischen Präsidenten wurden vorerst nicht bekannt. Trump meldete sich den ganzen Tag über nicht zu Wort, was Anlass zu wilden Spekulationen gab. In der Öffentlichkeit zeigte er sich nur kurz, als er im Weissen Haus kurz nach 18 Uhr (Lokalzeit) den Helikopter «Marine One» bestieg, der ihn zum Spital transportierte. Trump trug einen dunklen Anzug und für einmal eine Gesichtsmaske. Er winkte den versammelten Journalisten kurz zu, verzichtete aber (natürlich) darauf, mit ihnen zu sprechen. Stattdessen veröffentlichte das Weisse Haus ein 18 Sekunden langes Video, in dem der Präsident direkt in die Kamera schaute und sagte «Ich glaube, mir geht es sehr gut.» Der Spitalaufenthalt sei notwendig, damit sichergestellt werde, dass alles gut laufe.

Der Präsident will gemäss Sprecherin McEnany nun «einige Tage lang» im Spital verbringen und von dort aus arbeiten. Dafür ist Walter Reed gut eingerichtet: Für den Fall der Fälle steht dem Präsidenten im renommierten Militärspital eine Zimmerflucht zur Verfügung.

Zwangspause im Wahlkampf

Der Wahlkampf der Republikaners ruht derweil. Sämtliche Veranstaltungen, die für die kommenden Tage in den politisch umkämpften Bundesstaaten Florida, Wisconsin und Arizona angesetzt waren, wurden bereits vor der Einlieferung Trumps ins Spital abgesagt. Auch seine Kinder müssen kürzer treten. Der Wahlkampfstab Trumps gab bekannt, dass vorderhand nur Vizepräsident Mike Pence persönlich um Stimmen werben werde. Pence hatte am Freitag mitgeteilt, dass er und seine Gattin «negativ» getestet worden seien. Pence will deshalb auch an der kommenden TV-Debatte festhalten: Für den kommenden Mittwoch ist in Salt Lake City (Utah) ein Fernsehduell mit Kamala Harris vorgesehen, der demokratischen Kandidatin für das Vizepräsidium. Pence und Harris sollen während der Debatte aber mehr als drei Meter voneinander entfernt sitzen. Die nächste TV-Debatte, an der Trump teilnehmen wird, ist auf den 15. Oktober angesetzt.

Joe Biden wiederum reiste am Freitag, plangemäss, in den politisch umkämpften Bundesstaat Michigan. Vor Gewerkschaftsmitgliedern in Grand Rapids pries er sein wirtschaftspolitisches Programm an und bildete einen Kontrast zum Präsidenten. Die Infizierung Trumps zeige, dass «wir das Virus ernst nehmen müssen. Es wird nicht einfach verschwinden», sagte der Präsidentschaftskandidat der Demokraten. Deshalb rief Biden alle Amerikaner dazu auf, eine Gesichtsmaske zu tragen. «Seid patriotisch, markiert nicht den starken Mann.» Dann wünschte er dem Präsidenten eine rasche Genesung. Und natürlich trug er während seiner Rede eine Gesichtsmaske.

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