Russland

Putin-Gegner Nawalny will am Sonntag nach Moskau fliegen – dort drohen ihm gleich mehrere Prozesse

Alexej Nawalny an einem Protestmarsch im Februar 2019.

Alexej Nawalny an einem Protestmarsch im Februar 2019.

Russlands bekanntester Oppositioneller hat sich monatelang in Deutschland von einem Anschlag mit dem Nervengift Nowitschok erholt. Am Sonntag will er nach Russland zurückkehren.

«Russland ist mein Land. Moskau ist meine Stadt. Ich vermisse sie», schreibt Alexej Nawalny in seinem Instagram-Account und fährt fort: «Am Sonntag, 17. Januar, kehre ich nach Hause zurück. Empfangt mich!»

Rückkehr oder nicht, das habe für Russlands bekanntesten Oppositionellen nie in Frage gestanden. Er habe sein Land schliesslich nie verlassen. Er sei nur deshalb in Deutschland gelandet, weil er in einer «Wiederbelebungskiste» nach Berlin gekommen sei – wegen eines Mordanschlags. «Aber ich habe überlebt», sagt Nawalny. Alles andere interessiere ihn nicht.

Die Linienmaschine der staatlichen russischen Billigairline «Pobeda» (Sieg) soll am Sonntag Nachmittag am Moskauer Flughafen Wnukowo landen. «Hoffentlich kommt es bei der Reise zu keiner Stoffwechselstörung», schrieb daraufhin ein Instagram-User ironisch.

Die russischen Ärzte in Omsk hatten bei Nawalny nach seinem Zusammenbruch im Flieger von Tomsk nach Moskau genau diese diagnostiziert. Nur nach einem kräftezehrenden Hin und Her wurde der Kremlkritiker schliesslich von Sibirien nach Berlin ausgeflogen. Die deutsch-russischen Beziehungen sind seitdem auf einem Tiefpunkt.

Ein Killerkommando des russischen Geheimdienstes

Der 44-jährige Jurist, der im vergangenen August in Tomsk mit dem international geächteten und verbotenen Nervengift Nowitschok vergiftet worden war – wie gleich mehrere internationale Labore bestätigt haben –, hat sich bis zuletzt im Schwarzwald von den Folgen des Anschlags erholt. «Nun bin ich fast gesund, habe heute Liegestütze gemacht, Kniebeugen, der Moment der Rückkehr ist da», sagt Nawalny.

Ein internationales Rechercheteam hatte vor einigen Wochen zahlreiche erdrückende Indizien dafür vorgelegt, dass ein «Killerkommando» in den Reihen des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB die ungeheuerliche Tat im August verübt haben soll. Nawalny selbst hat in einer Art Telefonstreich einen der «Killer» gestellt. Bei dem Gespräch hat der FSB-Offizier nahezu freimütig über die schiefgelaufene Operation gegen den Kremlkritiker berichtet. Nationale und internationale Experten halten die Aufnahme für glaubwürdig. Russische Behörden sehen derweil bis heute keinen Grund, den Anschlag auf Nawalny zu untersuchen.

Der Kreml diffamiert seinen Gegner als CIA-Agenten, Präsident Wladimir Putin höhnt: «Wenn man es gewollt hätte, hätte man es zu Ende geführt.» Die Justiz bastelt an neuen Strafverfahren herum, mögen diese noch so plump daherkommen.

Nawalnys Gegenspieler: Der russische Präsident Wladimir Putin spricht den Namen des Oppositionellen nicht aus.

Nawalnys Gegenspieler: Der russische Präsident Wladimir Putin spricht den Namen des Oppositionellen nicht aus.

Die Botschaft lautet: «Bleib, wo du bist»

Erst am 28. Dezember hatte die russische Strafvollzugsbehörde FSIN erklärt, Nawalny verletzte die Bewährungsauflagen einer früheren Strafe. Dabei geht es um eine politisch motivierte Verurteilung aus dem Jahr 2014. Erscheine er bis zum auslaufenden Jahr nicht bei der Behörde, werde aus der Bewährung eine reale Strafe, lautete das Ultimatum. 24 Stunden später erklärte das Ermittlungskomitee, eine weitere Behörde, bereits, gegen Nawalny sei ein Verfahren wegen Unterschlagung von Spendengeldern in grossem Umfang eingeleitet worden. Die Botschaft der drohenden Massnahmen: «Bleib, wo du bist. Wenn nicht, die Türen der Strafkolonie stehen offen.» Nawalny aber lässt sich nicht einschüchtern.

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