Chile

Regierungskritiker protestieren zu Hunderttausenden in Chile

Die Protestbewegung fordert eine neue Verfassung, die das Grundgesetz aus den Zeiten des Diktators Augusto Pinochet ersetzen soll. Die konservativen Regierungsparteien sträuben sich jedoch gegen die Einberufung einer verfassungsgebenden Versammlung, wie sie von den Demonstranten gefordert wird.

Die Protestbewegung fordert eine neue Verfassung, die das Grundgesetz aus den Zeiten des Diktators Augusto Pinochet ersetzen soll. Die konservativen Regierungsparteien sträuben sich jedoch gegen die Einberufung einer verfassungsgebenden Versammlung, wie sie von den Demonstranten gefordert wird.

Bei Massenkundgebungen in mehreren Städten Chiles haben erneut Hunderttausende Menschen schnelle und tiefgreifende Reformen von der Regierung eingefordert.

Rund hundert Gewerkschaften und soziale Organisationen hatten zu einem Streik und Protestmärschen am Dienstag aufgerufen. Dem Aufruf schlossen sich unter anderen Lehrer, Studenten, Bergarbeiter, Ärzte und Flugpersonal an.

Allein an der Kundgebung in der Hauptstadt Santiago de Chile nahmen nach Regierungsangaben um die 80'000 Menschen teil. Nach Schätzung des Senders Radio Cooperativa gingen weitere 100'000 Chilenen in Concepción und etwa 50'000 in Puerto Montt auf die Strasse. Die Kundgebung in Santiago verlief nach Angaben aus dem Innenministerium friedlich.

Für neue Verfassung

Die seit über drei Wochen anhaltende Protestwelle in Chile fusst auf mehreren Forderungen: Die Demonstranten verlangen unter anderem höhere Untergrenzen für Löhne und Renten, günstigere Medikamente und eine neue Verfassung, die das Grundgesetz aus den Zeiten des Diktators Augusto Pinochet ersetzen soll.

Staatschef Sebastián Piñera hat in einigen Punkten Entgegenkommen signalisiert und stellte am Sonntag erstmals auch die Ausarbeitung einer neuen Verfassung in Aussicht. Die konservativen Regierungsparteien sträuben sich jedoch gegen die Einberufung einer verfassungsgebenden Versammlung, wie sie von den Demonstranten gefordert wird.

Die Regierung zieht eine Debatte im bestehenden Parlament vor, an deren Ende ein breiter Konsens der Parteien erforderlich wäre, um eine neue Verfassung annehmen zu können.

Die Unruhen, bei denen es zu schweren Sachbeschädigungen und zahlreichen Plünderungen kam, haben auch negative Auswirkungen auf die chilenische Wirtschaft. Die Regierung senkte ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr von 2,6 auf 2,0 Prozent. Die chilenische Währung erreichte am Dienstag mit 783 Peso pro Dollar ihren niedrigsten Wert seit 1990. Vor Ausbruch der Krise hatte der Wechselkurs zur US-Währung bei 710 Peso gelegen.

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